Ist der Skandal der Seniorenheime von Voluntari und Afumați im Speckgürtel von Bukarest unterm Teppich? Weiß jemand, wer die Verantwortlichen waren für die menschenunwürdigen Umstände der alten und bedürftigen Menschen, kleinräumig zusammengepfercht, abgefüttert, getränkt, ihre Rente konfiszisiert – weiß jemand, ob bisher die rumänische Justiz irgendjemanden zur Verantwortung gezogen hat für solche Herabwürdigung des Mensch-Seins?
Jener Skandal hat einigen den Posten gekostet. Auch der zuständigen PSD-Ministerin für Familie und Chancengleichheit, Gabriela Firea-Pandele. Zufall oder nicht: a) der Gatte der Familienministerin, Florentin Pandele, ist einer der reichsten Bewohner der Bukarester Randortschaft Voluntari und über viele Mandate Bürgermeister der Ortschaft; hier standen Skandalheime; b) der Ex-Fahrer der Ministerin war einer der Betreiber der Skandalheime; c) eine der beiden Schwestern der Ministerin war im Landeskreis Ilfov für die Sozialeinrichtungen verantwortlich. Ministerin Gabriela Firea-Pandele (ein Mandat lang war sie Oberbürgermeisterin von Bukarest; sie diente als Ministerin unter den Regierungschefs Nicolae Ciuc² und Ion Marcel Ciolacu) trat 2023 zurück und hat sich seither nicht mehr politisch hochstemmen können – trotz beharrlicher Neustartversuche auf PSD-Schiene.
Hingegen hat es am 2. September ein gewisser Dantes-Nicolae Bratu geschafft, auf denselben gut gepolsterten Stuhl zurückzukehren, von dem er vor rund drei Jahren wegen Nichteingreifens im Falle der Skandalheime geschasst wurde. Auch Meister Bratu war über denselben Skandal der Schreckensheime aus dem Bukarester Speckgürtel gestolpert. Im Juli 2023 musste er den hochbezahlten Posten des Chefs der Arbeitsinspektion („Inspecția Muncii”) freigeben. Jetzt wurde er von der Interimsregierung Bolojan (dem „Saubermacher”) zurück versetzt. Gefragt, wie das passieren konnte, antwortete die Regierungssprecherin Ioana Dogioiu, man hätte Bratu bislang keinerlei Schuld am Skandal der Seniorenheime von Voluntari und Afumați nachweisen können.
Kurzum: geschasst ist nicht geschasst! Aber welche Schuld hat man dann Meister Bratu beim Erstfeuern aus dem Posten in die Schuhe geschoben? Und mit welchen Argumenten? Mit welchen Beweisen? Was nicht heißt, dass wir uns jetzt zum Anwalt des Betroffenen aufschwingen möchten, aber ist in diesem Land ein Rausschmiss aus einem Amt wirklich so einfach? So „im allgemeinen Sog” möglich?
Diesen Herrn Dantes-Nicolae Bratu muss man übrigens wegen der drei Jahre, die er auf anderen (weichen) Sesseln verbringen musste, nicht bedauern. Kollegen von Bukarester Publikationen haben rasch herausgefunden, wie gut abgefedert mancher, von außen gesehen schlimme, Postensturz sein kann. Sie nennen es Konservierungsinstinkt oder „befremdliche Paarung von Christentum und Materialismus”, doch eigentlich handelt es sich ganz klar um die gut geschmierte Konservierung des Systems.
Konkret: zwischen Juli 2023, dem Zeitpunkt seines Feuerns vom Posten des Chefs der Arbeitsinspektion und April 2024 fehlen Angaben. Aber dann taucht der Herr als „Delegierter” bei der Nationalen Kasse der Öffentlichen Renten (Casa Națională de Pensii Publice) auf, bis Juni 2024 auch als „Delegierter” bei der Generaldirektion für Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten (die Auswahl an warmen Plätzchen ist reich in diesem Land!). Dann, ab Juli 2024, für fünf Monate, ist er Regierungsinspektor im Rahmen des Generalsekretariats der Regierung (SGG) (ein Posten, der oft auch geschassten Präfekten zugeschoben wird, ohne dass man genau weiß, was diese Regierungsinspektoren eigentlich machen – man kann sich vorstellen, dass die Löhne vergleichbar sind …). Dann war er ein bisserl Generaldirektor der Generaldirektion für Öffentliches Internes Audit der Arbeitsinspektion. Von da wurde er dann wieder Chef der Arbeitsinspektion ...
