Stadt Reschitza kann Hochofen Nr.2 erwerben

Auch die Lokfabrik des ehemaligen Maschinenbauwerks UCMR weckte das Kaufinteresse der Stadt

Reschitza – Das Kulturministerium (durch Entscheidung vom 12. Oktober) und der Kreisrat Karasch-Severin (durch Kreisratsbeschluss vom 28. Oktober) haben beide auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet und damit den Weg freigemacht für die Stadt und den Stadtrat Reschitza, um beide unter Denkmalschutz stehende Objekte zu erwerben und einem großangelegten touristischen Schau-Vorhaben zuzuführen, das bereits eine ganze Reihe industriearchäologisch interessante Objekte umfasst, die letztendlich eine Fremdenführer-Tages-Rundtour durch das ehemalige schwerindustrielle Reschitza ergeben sollen.

Die Absicht, den Hochofen Nr. 2 – angeblich der letzte seiner Art in Südosteuropa – vom Elektro-Stahlwerk Reschitza, das sich heute Artrom Steel Tubes nennt und Stahl für das Rohrewalzwerk Slatina unter luxemburgischer Führung (ADZ berichtete) erzeugt, abzukaufen, zu sanieren und einer Nutzung als industriehistorisches Schauobjekt zuzuführen, ist schon mindestens 20 Jahre alt. Damals hatte sich eine bürgerliche Initiativgruppe gebildet, die gegen einen drohenden Abriss durch Sprengung erfolgreich agierte. Diese Initiative eignete sich sodann die Stadt Reschitza an, als Ioan Popa (PNL) vor gut zehn Jahren Bürgermeister wurde, und seither hat man in den Verhandlungen mit den zwischenzeitlich wechselnden Besitzern Fortschritte erzielt: letzter Preis, auf den man sich geeinigt hat – sechs Millionen Lei, in etwa der Schrottwert ohne Abrisskosten.

Parallel mit dem Feilschen um den Preis des seit der Wende vor sich hinrostenden 40 Meter hohen Kolosses, der – bis auf die Elektronik, die bei der letzten Modernisierung eingebaut wurde – noch weitgehend intakt ist, mussten zahlreiche bürokratische Hürden genommen werden. Eine der letzten war die Frage des Vorkaufsrechts für das als „Denkmal der Klasse A“ (Code: LMI CS-II-m-A-10900) eingestuften und so vom Kulturministerium aufgelisteten Objekts. Das Industriedenkmal steht auf einem Gelände gleich neben dem Elektrostahlofen von Artrom Steel Tubes, das 4717 Quadratmeter groß ist und belegt selbst eine Grundfläche von 1764 Quadratmeter, bei maximaler Höhe von 40 Metern. Die Lage und der künftige Zugang von Besuchern zum Hochofen stellt ein weiteres, allerdings nicht unlösbares, Problem dar. Bleibt die Kosten- und Finanzierungsfrage. Denn neben den Kosten des eventuellen Kaufs ist die Frage der Sanierungs- und Inwertsetzungskosten momentan noch ungeklärt.

Demgegenüber ist die alte Lokomotivfabrik samt Dampflokdepot – zuletzt vom Maschinenbauwerk UCMR genutzt als „Dieselhalle“ und als „Denkmal der Kategorie B“ (Code: CS-II-m-B-10904) eingestuft, doch von gleichem Interesse in den Augen der Stadt, die in der Nähe bereits zwei der Direktorenvillen und den riesigen Luftschutzbunker des einstigen Rüstungswerks besitzt (ADZ berichtete). Durch Verzicht auf ihr Vorkaufsrecht, der mit demselben Datum wie der Verzicht aufs Vorkaufsrecht für den Hochofen datiert ist, haben das Kulturministerium und der Kreisrat auch für diesen Kauf durch die Stadt den Weg freigemacht. Der Kreisrat stimmte in beiden Fällen einstimmig für einen Verzicht. Angeblich steht nun eine Ad-hoc-Tagung des Stadtrats an, auf welcher als einziger Tagesordnungspunkt der Kaufbeschluss für beide Objekte stehen wird.