Die Politehnica-Universität Temeswar war Gastgeberinstitution des dritten transnationalen Treffens im Erasmus+-Projekt EAIEN. Zwei Tage lang tauschten sich Partner aus der Türkei, aus Griechenland und aus Rumänien über künstliche Intelligenz im Unterricht aus.
Zudem ging es um die Dokumentation des Erfahrungsaustauschs, in der gemeinsame Ergebnisse und Projekterfahrungen festgehalten werden sollen.
Das Projekt trägt den Namen EcoAI EduNetwork Initiative, kurz EAIEN, wird von der Europäischen Union über Erasmus+ KA2 finanziert und vereint fünf Einrichtungen aus drei Ländern: Türkei, Rumänien und Griechenland. Koordiniert wird das Erasmus+-Projekt von der Anadolu-Universität aus Eskișehir, eine der ersten Open Universities der Welt und ein wichtiges internationales Zentrum der Fern- und offenen Hochschulbildung. Das dritte transnationale Projekttreffen fand Ende August in Temeswar und in Sanktanna bei Arad statt. Gastgeber in Temeswar war die Politehnica-Universität, die 2026 mit der Gründung der Fakultät für Robotik, Künstliche Intelligenz und Autonome Systeme neue Akzente in der Ausbildung für Zukunftstechnologien setzt. Die UPT empfing ihre Gäste im Gebäude des Rektorats und zeigte ihnen auch die europäische Kulturhauptstadt im Westen Rumäniens.
„Man kann nicht allein europäisch sein“
Wer je an einem europäischen Projekt mitgearbeitet hat, kennt den Verdacht, der solchen Unternehmungen anhaftet. Man vermutet dahinter Formulare, Fristen, Berichte und jene Sprache, die alles benennt und doch wenig sagt. Und dennoch geschieht in diesen Projekten mit schöner Regelmäßigkeit etwas, das in keinem Formular vorgesehen ist: Menschen, die einander zuvor nicht kannten, stellen fest, dass sie sich seit Jahren mit derselben Frage beschäftigen, nur in verschiedenen Sprachen, Ländern und mit unterschiedlichen Mitteln. Genau das war in Temeswar zu beobachten. Das Eröffnungswort sprach Univ.-Prof. Dr. Claudiu Albulescu, der Direktor des Departements für Internationale Beziehungen der UPT. Er verwies „auf die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit und auf jenen Erfahrungsaustausch, den europäische Projekte wie EAIEN überhaupt erst ermöglichen“. Das klingt nach einer Höflichkeitsformel, ist aber eine präzise Feststellung. Eine Universität kann vieles allein. Europäisch sein kann sie jedoch nicht allein.
Fünf Partner, drei Länder, ein Projekt und eine Frage
Das Konsortium ist so zusammengesetzt, wie man es sich für ein Thema dieser Art nur wünschen kann. Beteiligt sind die Anadolu-Universität aus Eskișehir (Türkei) als Koordinatorin des internationalen Erasmus-Projekts, das Çağdaș-Gymnasium aus derselben Stadt, die Politehnica-Universität Temeswar, das Technologische Lyzeum „Ștefan Hell" aus Sântana (Rumänien) und die griechische Einrichtung Future Learning, eine Ausgründung der Universität Thessalien. Zwei Universitäten also, zwei Schulen und ein Partner aus der Praxis. Diese Mischung ist das eigentliche Argument des Projekts. Über künstliche Intelligenz im Unterricht lässt sich in Konferenzsälen trefflich reden. Ob das Gesagte etwas taugt, entscheidet sich jedoch im Klassenzimmer in Sanktanna oder in Eskișehir, vor Fünfzehnjährigen, die den neuen Werkzeugen mit einer Mischung aus Selbstverständlichkeit und Gleichgültigkeit begegnen. Das EAIEN-Projekt verfolgt drei miteinander verflochtene Ziele: den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz, die Entwicklung digitaler Kompetenzen und die Ausbildung jener grünen Kompetenzen, ohne die eine Rede über Nachhaltigkeit folgenlos bleibt. Seitens der UPT ist Univ.-Lekt. Dr. Ana-Maria Dascălu-Romițan von der Fakultät für Kommunikationswissenschaften für die Koordination zuständig. Auf der Tagesordnung des transnationalen Projekttreffens standen die Auswertung der bereits erreichten Ziele, die Vorbereitung der nächsten Veranstaltungen, die Verbreitung und Verwertung der Ergebnisse sowie die Verteilung der Aufgaben für die letzten Monate. Dazu folgte der Besuch der Universität und, was in keinem Arbeitsplan steht und doch zu den wirksamsten Teilen solcher Treffen gehört, das Gespräch zwischen den Sitzungen.
Im Mittelpunkt der Arbeit stand das Experience Sharing Book, das Buch, in dem die Partner ihre Erfahrungen zusammentragen. Ein solches Buch ist der ehrlichste Prüfstein eines Projekts. Es zwingt dazu, aus Aktivitäten Sätze zu machen, und Sätze verraten schnell, ob man etwas verstanden hat oder nur beschäftigt war. Zugleich dokumentiert es die einzelnen Schritte des Projekts, seine Ergebnisse und deren Umsetzung und macht damit sichtbar, was aus den gemeinsamen Vorhaben tatsächlich entstanden ist. So wird das Buch am Ende nicht nur zum Nachweis der geleisteten Arbeit, sondern kann auch anderen Erasmus+-Projekten als Beispiel und Orientierung dienen.
„Wir haben uns wie zu Hause gefühlt“
Merve Diyarbakırlı, Lektorin an der Hochschule für Fremdsprachen der Anadolu-Universität Eskișehir und Koordinatorin des EAIEN-Projekts, hat ihre Bilanz nach dem Treffen festgehalten: „Wir haben soeben das dritte transnationale Projekttreffen der EcoAI EduNetwork Initiative (EAIEN) in Rumänien abgeschlossen, und es war überaus ertragreich. Als Koordinatorin des Projekts bin ich außerordentlich stolz auf die Dynamik, die unsere Partnerschaft entwickelt hat. Ein Schwerpunkt unserer zweitägigen Zusammenkunft war unser Experience Sharing Book. Ich freue mich sehr, mitteilen zu können, dass das Buch seiner Vollendung nahe ist und dass wir während dieses Treffens die letzten Schritte bis zur Veröffentlichung festgelegt haben. Darüber hinaus haben wir eingehend und fruchtbar über die Planung unserer bevorstehenden Multiplier-Veranstaltung beraten und Wege gefunden, wie die langfristige Nachhaltigkeit unseres Projekts und seiner Ergebnisse gesichert werden kann.
Über diese fachlichen Etappen hinaus war unsere Zeit in Rumänien schlechthin wunderbar. Die außerordentliche Gastfreundschaft unserer rumänischen Partner hat uns vom Augenblick der Ankunft an das Gefühl gegeben, wirklich zu Hause zu sein. Ein besonderer Höhepunkt war der kulturelle Austausch während unseres schönen Rundgangs durch Temeswar. Während unseres Aufenthalts hatten wir das ausgesprochene Vergnügen, mit den hervorragenden Kollegen der Politehnica-Universität in Verbindung zu treten. Ihre Professionalität, ihre Herzlichkeit und ihre Weitsicht haben bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wir sind überaus gespannt auf die Möglichkeiten künftiger Zusammenarbeit und gemeinsamer Initiativen zwischen der Abteilung für Internationale Beziehungen der UPT und der Anadolu-Universität. Dieser Besuch hat den herzlichen Geist unserer europäischen Partnerschaft vollkommen eingefangen. Wir verlassen Rumänien nicht nur mit einer klaren, umsetzbaren Vorstellung von den letzten Etappen des EAIEN-Projekts, sondern auch mit kostbaren Erinnerungen und mit deutlich gefestigten Bindungen innerhalb unseres Teams.“
Man beachte die Reihenfolge. Zuerst das Buch, die Veranstaltung, die Nachhaltigkeit, dann die Gastfreundschaft und der Stadtrundgang. Die Koordinatorin nennt beides in einem Atemzug, und sie hat recht damit. Wer je erlebt hat, wie nach einem gemeinsamen Abendessen Vorschläge auf den Tisch kommen, die am Vormittag noch niemand zu formulieren wagte, weiß, dass die zweite Hälfte nicht das Beiwerk der ersten ist.
Was bleibt, wenn die Fördermittel aufgebraucht sind
Dass die Gäste Temeswar nicht nur von innen sahen, gehört zur Sache. Die Multikulturalität dieser Stadt ist kein Werbespruch, sondern eine Erfahrung, die sich auf einem halbstündigen Spaziergang machen lässt, zwischen Häusern, deren Bauherren Rumänisch, Deutsch, Ungarisch und Serbisch sprachen. Einem Konsortium, das sich mit interkulturellem Lernen beschäftigt, muss man hier wenig erklären. Man muss nur die Türen öffnen. Und damit zu jener allgemeineren Frage, die über EAIEN hinausweist. Europäische Projekte werden gern an ihren Ergebnissen gemessen, an Handreichungen, Plattformen, Publikationen. Das ist richtig und doch nicht ausreichend. Denn das Wertvollste, was ein Projekt hervorbringt, steht in keiner Ergebnisliste: die Gewohnheit, sich bei einer schwierigen Frage an jemanden zu wenden, der dreihundert oder tausend Kilometer entfernt sitzt. Die Frage, wie man junge Menschen auf eine Welt vorbereitet, in der Maschinen formulieren, rechnen und Vorschläge machen, ist zu groß für ein einzelnes Bildungssystem. Ebenso die Frage, wie Nachhaltigkeit vom guten Vorsatz zur beruflichen Fähigkeit wird. Wer solche Fragen allein beantworten will, beantwortet sie schlecht. Wer sie zu fünft beantwortet, in drei Ländern, mit Schulen und Universitäten an einem Tisch, hat zumindest die Chance, sich gegenseitig vor den bequemen Antworten zu bewahren. Für die Politehnica-Universität Temeswar war die Gastgeberrolle deshalb mehr als eine organisatorische Aufgabe. Sie war eine Gelegenheit, das eigene Haus zu zeigen und dabei zu erfahren, wie es von außen aussieht. Die Koordinatorin Merve Diyarbakırlı spricht von künftigen gemeinsamen Initiativen zwischen Eskișehir und Temeswar. Man wird sehen, was daraus wird. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn am Ende eines Treffens nicht die Erleichterung steht, es hinter sich zu haben, sondern die Neugier auf das nächste.
