Seit Juni 2025 gibt es ARTE auch auf Rumänisch. Es gibt einen rumänischen YouTube-Kanal, einen Tik-Tok-Kanal und es gibt die Internetseite arte.tv/ro. Doch was ist ARTE eigentlich genau? Wieso ist ARTE nach Rumänien gekommen? Und wie funktioniert die Arbeit bei ARTE? Auf diese Fragen hat Katharina Kloss, Head of European Offers (Chefin der europäischen Angebote) im ADZ-Gespräch geantwortet.
Viele Leser kennen ARTE sicherlich als deutsch-französischen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Und das ist auch korrekt: Es gibt ARTE Deutschland in Baden-Baden und ARTE Frankreich in Issy-les-Moulineaux, die den Großteil des ARTE-Katalogs einbringen.
Darüber hinaus gibt es aber auch das ARTE Hauptquartier (auch ARTE GEIE genannt) in Straßburg. Dort wird die Programmstrategie, -konzeption und -planung organisiert. Die Zentrale ist für die Ausstrahlung der Sendungen und die Sprachbearbeitung zuständig und koordiniert die Kommunikation des Senders.
Genau dort, in Straßburg, sitzt auch Katharina Kloss, welche sich mit einer weiteren Ebene von ARTE befasst: mit den europäischen Programmangeboten. Das grundlegende Ziel lautet: Das Programm von ARTE online in unterschiedlichsten Ländern und in unterschiedlichsten Sprachen anzubieten.
Darunter sind natürlich Deutsch und Französisch, aber mittlerweile auch Englisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch und seit einem Jahr auch Rumänisch.
Im Jahr 2025 ging es los
Genau genommen ging es am 7. Juni 2025 los. „Ich glaube, da sind mehrere Argumente zusammengekommen für uns“, erklärt Kloss im ADZ-Gespräch. „Für uns, als europäische Plattform, ist es einfach wichtig, sich in Europa weiter auszubreiten. Wir haben in Zentraleuropa seit 2016 bisher nur eine polnische Version lanciert. Wir finden aber, dass wir uns im zentraleuropäischen Raum noch weiter ausbreiten sollten. Insbesondere, da die Region aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage immer wichtiger wird.“ Damit möchte ARTE seinen bisherigen Fokus von Süd- und Westeuropa etwas mehr nach Osten richten. „Rumänisch wird von sehr vielen Leuten in Europa gesprochen“, so Kloss. Insbe-sondere natürlich in Rumänien und der Republik Moldau.
Ausschlaggebend war zudem, dass eine passende Zusatzfinanzierung zur Verfügung stand. Den europaweiten Streamingservice von ARTE gibt es laut Kloss seit rund zehn Jahren. Er wird im Rahmen mehrerer Projekte von der Europäischen Kommission kofinanziert. Diese Mittel finanzieren die Verbreitung der Inhalte in verschiedenen Sprachen – darunter nun auch Rumänisch.
„Es gibt keine originäre, inhaltliche Produktion“
Wichtig ist dabei jedoch, wie Kloss betont, dass es nur um die Distribution/Verbreitung des ARTE Angebots geht. „Es gibt keine originäre, inhaltliche Produktion, die mit EU-Mitteln finanziert wird.“ Der europäisch gedachte Katalog wird von den drei benannten ARTE-Entitäten eingebracht.
Denn ganz ARTE versteht sich als europäischer Sender, der sich in seiner Produktion stets mit ganz Europa auseinandersetzt. Es gibt auch einige Dokus über Rumänien, auch wenn diese nicht primär für die rumänische Streamingseite konzipiert wurden, sondern für das ganze ARTE-Konstrukt.
„Wir hatten zum Beispiel vergangenes Jahr einen großen Erfolg mit einer Doku darüber, wie IKEA den Planeten plündert. Dort ging es natürlich auch um rumänische Wälder und es gab lokale Stimmen aus Rumänien.“ Dies ist für ARTE ein Grundprinzip: „Jeder möchte ein Stück vom europäischen Kuchen abhaben, sprich, auch über seine Stimme und Perspektive im Katalog abgebildet werden.“
Ein kleines Team mit großen Aufgaben
Damit dieser Katalog in Rumänien aber auch auf Rumänisch zu sehen ist, gibt es viel Arbeit für Kloss, insbesondere, da ARTE mit einem sehr kleinen Team arbeitet. Sie ist die Chefin aller europäischer Angebote, für Rumänien gibt es dann noch eine Chefin vom Dienst in Straßburg und daneben einige „Lokalexperten, zum Beispiel einen YouTube-Editor, der direkt vor Ort in Rumänien ist“. Daneben arbeitet ARTE mit verschiedenen Agenturen zusammen. Eine lokale, rumänische Agentur bespielt zum Beispiel den Tik-Tok-Kanal und eine große Agentur übernimmt die Übersetzungen.
Wer das rumänische ARTE benutzt, wird jedoch schnell merken, dass es bisher meistens nur Untertitel gibt und keine direkten Voice-over. Zwar ist das rumänische Publikum laut Kloss durchaus an Untertitel gewohnt, da jedoch viele Menschen ARTE auch nebenbei hören, sollen ab 2027 auch zunehmend Voice-over produziert werden.
Denn zum Start 2025 gab es zunächst nicht gleich umfangreiche Rechte für den Inhalt auf Rumänisch. „Man musste noch mal Verträge aufmachen und sagen: Können wir hier die rumänische Version noch anfertigen?“ Laut ihr eine Sisyphusarbeit. Bei neueren und aktuellen Produktionen werden die Rechte für die rumänische Version mittlerweile bereits mitgedacht, was die Arbeit erleichtert.
Deswegen verspricht Kloss, dass es 2027 mehr Voice-over geben wird, außerdem möchte ARTE im besagtem Jahr auch einen Facebook- und Instagram-Kanal starten.
ARTE ist bisher sehr zufrieden
Insgesamt ist ARTE jedoch mit dem bisherigen Start sehr zufrieden, so Kloss. „Es hat sich sehr rasant entwickelt“, berichtet sie. Es gibt zirka eine Million Video Views monatlich für die rumänischen Inhalte. Beson-ders beliebt ist der YouTube-Kanal (wie auch bei anderen Sprachen), da der Algorithmus ARTE-Inhalte empfiehlt und Menschen ARTE näherbringt, die nicht direkt auf die Internetseite arte.tv/ro klicken würden.
Die rumänische Version hat sich auch deutlich schneller entwickelt als die polnische, berichtet sie darüber hinaus. Woran das liegen könnte? „Wir haben den Eindruck, dass der Wettbewerb im rumänischsprachigen Raum weniger ausgeprägt ist als in anderen Zielländern. In Rumänien sehen wir daher die Chance, das bestehende Angebot um eine inhaltliche Vielfalt zu bereichern, die bislang noch nicht in dieser Form vertreten ist.“
Was die Rumänen gerne schauen
Und was interessiert die rumänischen Zuschauer besonders am Angebot? Kloss erklärt, dass unter anderem Inhalte zum Ukrainekrieg beliebt sind, welche zum Beispiel in Italien und Spanien merklich weniger geklickt werden. Darüber schauen die Rumänen natürlich gerne Inhalte über Rumänien: Es gibt unter anderem eine Doku über Brâncuși, eine über Nadia Comăneci und auch eine über „Run Clubs“ in Bukarest.
Abseits davon werden „Allrounder-Themen“ angeklickt, die eigentlich in allen Sprachen ankommen. Dazu gehören populäre Dokumentationen sowie Filme und Serien. Doch gerade bei den beiden letztgenannten ist das rumänische ARTE noch relativ dünn besetzt. Das Problem ist natürlich die Rechtefrage. Kloss ist wichtig, dies zukünftig zu erweitern. Sie erklärt: „Wenn man abends nach einem anstrengendem Tag nach Hause kommt, möchte man sicher manchmal eine Doku anschauen, aber vielleicht auch eine Serie, oder eine kulturelle, leichtere Geschichte. Wir müssen daran arbeiten, dem rumänischsprachigem Publikum einen vielseitigeren Katalog zu bieten.“
Die Nachfrage ist vorhanden
Die Nachfrage ist offenbar da. Kloss erinnert sich außerdem, wie sie im Juni 2025 für zwei Release-Veranstaltungen in Bukarest und Chișinău war. „Die Anwesenden waren dankbar dafür, dass wir in den rumänischsprachigen Raum kommen. Das hat mich sehr überrascht und ich habe mir gedacht: ‘Wieso? Ihr müsst uns nicht dankbar sein! Ihr seid viele Menschen und ihr seid ein wichtiges Publikum’.“
Laut ihr waren die Besucher sehr positiv, manche fast überschwänglich. Einige waren Produzenten und hatten zugleich Ideen und Skizzen dabei. Andere versuchten sie davon zu überzeugen, über eine Ausstellung zu berichten. „So funktioniert ein großer europäischer Broadcaster leider nicht“, erzählt Kloss. Sie musste die Begeisterten in diesem Bereich enttäuschen.
