Bei „Taste of Transylvania“ gibt es nichts geschenkt

Kulinarisches Festival im Bukarester Dorfmuseum eher enttäuschend

Sehr leckeres Gutschein-Essen: Rinderzunge mit Selleriepüree Foto: Valentin Brendler

Am vergangenen Wochenende fand in Bukarest das „Taste of Transylvania Boutique Festival“ im Freilandmuseum „Dimitrie Gusti“ statt. Und die Veranstalter versprachen viel: „Siebenbürgische Gastronomietraditionen und Michelin-Sterne“. Nun, das gab es durchaus auch. Dennoch war das Festival eine große Enttäuschung.


Grundsätzlich klingt die Idee des Festivals (das es unter  gleichem Namen auch in anderen Städten und Orten gibt) fantastisch: traditionelles und modernes siebenbürgisches Essen – von Restaurants tatsächlich aus Siebenbürgen – gesammelt an einem Ort, sodass man viel durchprobieren kann. Die siebenbürgische Küche besteht unter anderem aus rumänischen, deutschen und ungarischen Einflüssen und hat sich zu einer eigenen, vielfältigen, herzhaften und grundsätzlich köstlichen Küche entwickelt. Nur zu Schade, dass man beim Bu-karester Festival kaum etwas davon mitbekommen hat.

Denn das Hauptproblem ist finanzieller Natur. Eine Eintrittskarte für einen Tag kostet stolze 170 Lei, dazu bekommt man zwei Gutscheine. Also kann man mit dem Ticket aufs Festival gehen und dann an zwei Ständen jeweils ein beiebiges Gericht aussuchen, oder? Zum Beispiel an einem Stand ein herzhaftes, großes Gulasch und beim Michelin-Restaurant etwas sehr Feines, dafür womöglich etwas Kleineres?

Schön wäre es; Das meiste Essen konnte man nämlich mit den Gutscheinen gar nicht kaufen. Manche Stände boten gar nichts für die Gutscheine an, andere nur die Vorspeisensuppe und ein Stand bot eine kleine Gemüsevorspeise (120 Gramm) an. Zwar hatten einige Stände durchaus etwas Leckeres für die Gutscheine im Angebot, aber grundsätzlich war offenbar die Idee, dass die Gutscheine nur ein Bonus sind und wenn man  echtes Essen will, muss man draufzahlen.

45, 55 und 75 Lei kosteten dann die meisten Gerichte. Es gab eine interessante Auswahl, jedoch waren die Portionen für einen ausgewachsenen Menschen mickrig. Immerhin schmeckten sie gut, auch wenn es an den kleinen Ständen natürlich keine richtigen Küchen gibt und viele Restaurants vorbereitete Zutaten in Warmhaltebehälter mitbringen mussten. 

Also musste man 170  Lei zahlen, um das Festival zu betreten, dazu bekommt man mit den Gutscheinen kleine Vorspeisen und wenn man dann noch etwas essen möchte, muss man nochmal ungefähr 50 Lei auf den Tisch legen und die Portion, die man dann bekommt, ist mickrig. 220 Lei für ein nicht magenfüllendes Essen ist auch in Bukarest nicht fair. 

An einem Stand wurden sogar Weinverkostungen verkauft – sollte eine Verkostung nicht gratis sein (um dadurch Wein zu verkaufen)? Auch Getränke gab es natürlich nur gegen Geld und waren nicht im Ticketpreis enthalten (nicht mal Wasser). Für einen Weißwein-Spritz wurde einem gleich ein ganzer Gutschein abgenommen.

Dadurch hatte das ganze Festival eine sehr kommerzielle Atmosphäre und man fragte sich: Warum muss man so viel Eintritt bezahlen, wenn man vor Ort ebenfalls alles bezahlen muss? Besonders schön war es leider auch nicht eingerichtet: Holzstühle, Holzhütten und einige überdachte Bereiche. Obwohl das Festival im schönen Freilandmuseum stattfand, wurden die historischen Häuser wenig bis gar nicht in die Gestaltung miteinbezogen.

Eine wahrlich verschwendete Chance, die auch bei einigen Besuchern nicht gut ankam und der fantastischen Siebenbürger Küche nicht gerecht wurde.