Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, fand im Hohen Dom zum Hl. Georg, der Römisch-Katholischen Kathedrale von Temeswar, ein besonderer spirituell-kultureller Abend statt. Unter dem Titel „Die Banater Bulgaren: Menschen, Orte und Kultur – Ein Abend mit und über die Banater Bulgaren im Dom zu Temeswar“ begegneten sich Geschichte, Glaube, Musik und gelebte kulturelle Identität.
Die Veranstaltung begann um 19.00 Uhr und wurde vom Verband der Banater Bulgaren in Rumänien, Filiale Temeswar, gemeinsam mit dem Römisch-Katholischen Bistum Temeswar im Rahmen des Festivals MulticulTim – Festival der Minderheiten – veranstaltet. Das Festival wird seit 2012 vom Kulturhaus Temeswar organisiert und stellt die kulturelle Vielfalt der Stadt und ihrer Gemeinschaften in den Mittelpunkt.
Nachdem die letzten Glockenschläge des Doms zum „Engel des Herrn“ verklungen waren, eröffnete Domherr Nikola Lauš den Abend mit einem Gebet.
Anschließend hieß er die Anwesenden herzlich im Dom willkommen, der als Mutter- und Hauptkirche des Bistums Temeswar eine besondere Bedeutung besitzt.
In seinen einleitenden Worten erinnerte Nikola Lauš auch an den Seligen Konstantin-Ignatz Bogdánffy, Märtyrerbischof des Bistums Großwardein. Bogdánffy hatte eine Zeit lang in der Stadt an der Bega gelebt und im Dom die Firmung empfangen. Darüber hinaus lenkte der Redner den Blick auf einen weiteren gemeinsamen Bezugspunkt der Geschichte Temeswars: Den tiefen christlichen Geist und die Sorge um den Mitmenschen, die das Wirken zweier bedeutender Persönlichkeiten prägten – Bischof Nikola Stanislavich und Bürgermeister Carol Telbis.
Im Anschluss begrüßte die Moderatorin, Nadia Shehabi, den Abgeordneten Gheorghe Nakov, der die bulgarische Minderheit vertritt. In seinen auf Rumänisch und Bulgarisch gehaltenen Worten brachte er seine Freude und Dankbarkeit darüber zum Ausdruck, dass dieser besondere Abend im Temeswarer Dom stattfinden konnte. Besonders hob Nakov die Rolle des Bistums bei der Bewahrung von Glauben, Sprache und Identität der katholischen nationalen Minderheiten in der Diözese hervor.
Im weiteren Verlauf stellte Nakov eine kleine Kunstausstellung vor, die den Abend auf besondere Weise ergänzte. Zu sehen waren religiös inspirierte Gemälde, die im Rahmen eines Künstlercamps entstanden waren, das in Zusammenarbeit mit der serbischen Organisation „Krila Andela“ (Engelsflügel) veranstaltet wurde.
Als nächster Redner ergriff Msgr. Gheorghe Augustinov, Pfarrer der Bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar, das Wort. In seinen Ausführungen erinnerte auch er an den Sel. Bogdánffy, der als junger Priester seine Primiz im Gotteshaus der Bulgarischen Personalpfarrei, der „Notre Dame“-Klosterkirche, feierte. Ebenso erinnerte er an Pfr. Michael Kurth, Seelsorger von Alt-Beschenowa / Dudeștii Vechi, der im September 1944 am Ortsrand von Soldaten der Roten Armee ermordet wurde – einzig aus dem Grund, dass er seiner Pflicht als Seelsorger nachgekommen war.
Die musikalischen Intermezzi des Kinderchores „Zvance“, geleitet von Musiklehrerin Elena Doycheva-Dragomir, der mehrere geistliche Werke vortrug, bildeten den Übergang zu den beiden zentralen historischen Würdigungen des Abends.
Die erste stand unter dem Titel „Bischof Nikola Stanislavich – Hirte der Banater Katholiken und Wegbereiter der Ansiedlung der Bulgaren im Banat“. Dr. Claudiu Călin, Diözesanarchivar, zeichnete darin das Leben und Wirken dieses bedeutenden Oberhirten nach, der in die Geschichte einging als Franziskaner und geistlicher Vater seines auf der Flucht befindlichen Volkes.
Sein Lebensweg führte ihn schließlich als Bischof der Diözese Nikopolis mit Sitz in Craiova, als Apostolischen Vikar der Walachei und später als Bischof von Tschanad mit Sitz in Temeswar in verschiedene verantwortungsvolle kirchliche Ämter. Als Bischof war er auch maßgeblich am Bau des Temeswarer Doms beteiligt. Sein Grabstein ist auch heute noch in der Domkrypta zu sehen.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit der Geschichte Temeswars stellte Dr. Nicolae Markov, Bibliothekar an der Kreisbibliothek Temesch, vor. Sein Vortrag war dem „Bürgermeister Carol Telbis, dem Schöpfer des modernen Temeswar“ gewidmet.
Dr. Carol Telbis (auch Telbisz), Sohn eines aus Alt-Beschenowa stammenden Bulgaren, der in Tschanad eine junge schwäbische Frau heiratete, entstammte einer angesehenen Familie. Telbis studierte Rechtswissenschaften in Pest und promovierte in Wien. Viele der Bauwerke, die bis heute das Stadtbild prägen und zu Wahrzeichen Temeswars geworden sind, entstanden während seiner Amtszeit. Seine Tätigkeit als Bürgermeister begann im März 1885.
Dr. Carol Telbis († 14. Juli 1914 in Pörtschach am Wörthersee), war, mit drei Jahrzehnten Tätigkeit, der am längsten amtierende Bürgermeister Temeswars. Er bekannte sich im damaligen politisch-nationalen Kontext wiederholt öffentlich zu seiner bulgarischen Herkunft. Zugleich verstand er es, sowohl die Amtssprache, das Ungarische, als auch das Deutsche – die Sprache seiner Mutter – stets zu achten.
Zum Abschluss brachte der Chor „Zvance“, diesmal mit Prof. Elena Doycheva-Dragomir als Solistin, den Hymnus „Dolce Sentire“ des hl. Franziskus von Assisi zu Gehör. Heuer jährt sich zum 800. Mal der Todestag des Heiligen, der im Jahr 1226 in die Ewigkeit einging. Die Geschichte der Banater Bulgaren ist über Jahrhunderte hinweg eng mit dem Wirken der Franziskaner verbunden.
Ein gemeinsames Gebet und der anschließende Besuch der Domkrypta bildeten den Abschluss eines Abends, der einen kleinen, zugleich aber eindrucksvollen und lichtvollen Einblick in die Geschichte der Banater Bulgaren und in das Leben jener Persönlichkeiten gab, die die Geschichte Temeswars und der gesamten Region nachhaltig geprägt haben.
