Die Zauberin von Hermannstadt... oder von der Kunst an mehreren Orten gleichzeitig zu sein

Goldene Ehrennadel des DFDR für Beatrice Ungar

Beatrice Ungar (Mitte) erhielt am vergangenen Freitag die Goldene Ehrennadel des DFDR. Als erste gratulierten Dr. Paul-Jürgen Porr (links) und Benjamin Józsa (rechts). | Foto: Laura Micu

Hermannstadt – Am Rande der Vertreterversammlung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien wurde am vergangenen Freitag die Goldene Ehrennadel an Beatrice Ungar für ihr bisheriges Lebenswerk verliehen. In freudig-ungeduldiger Erwartung standen auch zahlreiche Bekannte und Freunde vor der großen Tür des Spiegelsaals im Hermannstädter Forum, um der Auszeichnung beizuwohnen.

Beatrice Ungar begann 1988 als Redakteurin bei der „Hermannstädter Zeitung“, die vor 1989 in Rumänien „Die Woche“ heißen musste. Die publizistische Verwendung von Ortsnamen war verboten worden. Nach kurzer Zeit konnte sie Dank der Wende gemeinsam mit anderen die „Hermannstädter Zeitung“ wieder neu „aus der Taufe“ heben. 2005 wurde sie Chefredakteurin des Blattes und prägt in dieser Rolle bis heute tagtäglich die Geschehnisse in Hermannstadt/Sibiu mit. Außerdem arbeitete sie seit 1990 für die deutsche Sendung des rumänischen Rundfunks. Engagiert war sie außerdem auf politischer Ebene: Sie ist eines der Gründungsmitglieder des Forums, war zwischen 1993 und 1996 Stadträtin von Hermannstadt seitens des DFDR und ist seit 2004 ununterbrochen Kreisrätin des Kreises Hermannstadt.

Neben ihrer journalistischen Tätigkeit und ihrem politischen Engagement  hatte sie zahlreiche Ehrenämter inne, darunter in der Evangelischen Akademie Siebenbürgen, in der Gesprächsrunde „Frauenforum“, im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, im Verwaltungsrat der Kulturzeitschrift „Transilvania“, in der Gemeindevertretung der evangelischen Kirchengemeinde A.B. in Hermannstadt und in der Landeskirchenversammlung der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Außerdem engagiert sie sich seit 2010 in der Stiftung für verlassene Kinder in Rumänien „PECA“.

Nicht zuletzt war Beatrice Ungar jahrzehntelang als Übersetzerin aktiv. Die Tochter eines Siebenbürger Sachsen und einer Ungarin ist zugleich auch Buchhändlertochter – vielleicht die Wurzel ihrer Liebe für Literatur und Übersetzungen. Bis heute übersetzt sie die Gedichte der Roma-Poetin Luminița Cioabă einfühlsam ins Deutsche oder die Prosa des Theaterregisseurs Alexander Hausvater ins Rumänische. Zu den Übersetzungen ins Rumänische gehörten unter anderem die der Sigerus-Chronik von Hermannstadt und die Gedichte ihrer Schwester, Christel Ungar.

Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, hob in seinem Grußwort hervor, wenn es Beatrice Ungar nicht geben würde, wäre auch die Hermannstädter Zeitung nicht so, wie sie heute ist. Schon vor längerer Zeit habe der Vorstand einstimmig beschlossen, ihr die Goldene Ehrennadel zu verleihen.

Zu Beginn seiner Laudatio ging Benjamin Józsa, Geschäftsführer des DFDR, auf den wundersamen Umstand ein, dass es Beatrice Ungar nach den Gesetzen der Physik überhaupt nicht geben dürfe: „Verbieten doch die Grundlagen der Mechanik, dass ein Körper an mehr als einem Ort gleichzeitig sein kann“, so Józsa eingangs. Tatsächlich könne die Chefredakteurin der HZ an „zwei Orten gleichzeitig sein – und falls es nötig sein sollte an dreien.“

Neben ihrem Temperament, das für die Durchsetzung der ihr eigenen Visionen unerlässlich gewesen sei, erwähnte der Laudator den vielleicht wichtigsten Charakterzug der Ausgezeichneten: „Die andere Wurzel ist stiller, fällt aber in der heutigen Zeit umso mehr auf. Beatrice ist ein guter Mensch im ursprünglichsten Sinne des Wortes, ‘a Mentsch’, wie die jüdische Gemeinschaft (zu der sie natürlich auch die besten Beziehungen pflegt) sagen würde. 

Auch jetzt noch habe ich sie vor mir, wie sie, nachdem sie einen schweren Eingriff überstanden hatte, mich, der ich doppelt so groß und schwer war, auf der Straße fragte ‘Du siehst müde aus. Wie geht es dir? Pass auf dich auf!’ Diese Sätze bekommt auch heute jeder zu hören, der aus dem einen oder anderen Grund angeschlagen ist, denn dafür hat Beatrice einen untrüglichen Sensor.“

Im Anschluss gratulierten zahlreiche Bekannte sowie Freundinnen und Freunde der Geehrten – den erwähnten „untrüglichen Sensor“ und die Tatsache, dass Beatrice Ungar die Fähigkeit besitzt, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein, werden viele im Publikum wieder erkannt haben. Ob die Chefredakteurin der Hermannstädter Zeitung tatsächlich in der Zeit reisen kann, wird ihr Geheimnis bleiben. Wer sie kennt, weiß aber: zaubern kann sie jedenfalls.