Hermannstadt - Ein Land, eine Region oder eine Ortschaft zu entdecken heißt unter anderem diese kulinarisch zu erkunden. Im Zeitalter der KI wird der Informationsfluss von Algorithmen bestimmt. Nicht selten ist daher zwischen der tatsächlichen lokalen gastronomischen Kultur und dem, was die KI dem Nutzer als solche darstellt, ein nicht zu verachtender Unterschied zu bemerken. Die Situation scheint unbedeutend. Ihre Folgen sind es jedoch nicht.
Immer häufiger erfolgt der erste Kontakt eines Europäers mit dem gastronomischen Erbe einer Region nicht über Menschen, sondern über automatisierte Systeme, die entscheiden, was angezeigt, hervorgehoben und was ausgeblendet wird. Der Unterschied zwischen dem, was Algorithmen als europäische gastronomische Kultur darstellen, und dem, was die Gemeinschaften, die diese Kultur tragen, tatsächlich hervorbringen, ist genau der Gegenstand eines europäischen Projekts, das ab 2027 von Hermannstadt aus koordiniert wird.
Die Lucian-Blaga-Universität (LBUS) in Hermannstadt/Sibiu hat im Rahmen des Twinning-Programms eine Horizon-Europe-Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro für das Projekt „Heritaste“ erhalten, das von einem Team der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften entwickelt wurde. Die LBUS ist die koordinierende Einrichtung eines Konsortiums aus vier europäischen Universitäten. Das Projekt beginnt im Jahr 2027 und läuft über einen Zeitraum von drei Jahren.
„Heritaste“ geht von einem Problem aus, das das Projekt als „Taste Gap“ bezeichnet: Die systematische Diskrepanz zwischen dem, was Systeme der künstlichen Intelligenz als europäische Esskultur darstellen, und dem, was Gemeinschaften – insbesondere Frauen, die die Hauptschöpferinnen und Vermittlerinnen dieses Kulturerbes sind – tatsächlich hervorbringen und weitergeben. Das Projekt misst den „Taste Gap“ auf drei Ebenen bzw. anhand von drei Studien, die in vier Ländern durchgeführt wurden: Wie die Einwohner und Besucher die von KI generierten gastronomischen Inhalte wahrnehmen, wie die Algorithmen der Plattformen mit lokalen kulturellen Stimmen umgehen und wie sich die Arbeitsbedingungen der Schöpferinnen von Kulturerbe-Inhalten verändern.
Partner des Projekts sind die Erasmus Universiteit Rotterdam in den Niederlanden, Universitŕ degli Studi di Torino in Italien, Universitat de Girona in Spanien und der Kreisrat Hermannstadt. „In einem Twinning-Projekt sind die Partner keine bloßen Statisten: Sie sind die Quelle des Kompetenztransfers. In der Ausschreibung wird ausdrücklich gefordert, dass die Partnerinstitutionen international führend auf ihrem Gebiet sind, und die Gutachter überprüfen diese Eigenschaft. „Heritaste“ hat auf drei Universitäten gesetzt, die gemeinsam die gesamte Bandbreite des untersuchten Themenkomplexes abdecken“, erklären die Koordinatoren in einer Pressemitteilung.
