„MANIFEST. Der anonyme Zeuge“

Ausstellung verbindet zeitgenössische Kunst, historische Dokumente und Bildungsangebote

Temeswar – Wie erinnern wir uns an ein Ereignis, das die Geschichte verändert hat? Welche Bilder bleiben, welche geraten in Vergessenheit – und was geschieht mit einem Zeugnis, wenn sein Urheber unbekannt bleibt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Ausstellung „MANIFEST. Martorul Anonim“ („MANIFEST. Der anonyme Zeuge“), die heute, am Donnerstag, den 24. September, um 18 Uhr in der Stadtkommandantur am Freiheitsplatz Nr. 5 in Temeswar/Timișoara eröffnet wird.

Die Ausstellung ist Teil der siebten Ausgabe des Projekts IMAGINE. SUNET.’89 und verbindet zeitgenössische Kunst, historische Dokumente, neue Technologien und Bildungsangebote. Im Mittelpunkt steht die rumänische Revolution vom Dezember 1989 und die Frage, wie individuelle und kollektive Erinnerung heute mit diesem historischen Ereignis umgehen.

Die von Mădălin Mărienuț kuratierte Ausstellung versammelt Arbeiten der Künstler Aura Bălănescu, Deian Berar, Ștefan Constantinescu, Constantin Duma, Romeo Ioan, Răzvan Neagoe und Miki Velciov. Ergänzt wird die Ausstellung durch das historische Archiv von Agerpres aus dem Jahr 1989.

Ein zentraler Bestandteil ist die Sammlung „Martorul Anonim“, die aus dem Archiv von Alin Ciortea stammt. Dabei handelt es sich um analoges Filmmaterial, das zufällig auf einer Straße in Temeswar gefunden und gerettet wurde. Die Aufnahmen dokumentieren Szenen aus der Zeit der Revolution in Temeswar und werden nun erstmals öffentlich gezeigt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Bildungsarbeit. Die Ausstellung soll Schülern die Möglichkeit geben, Geschichte, zeitgenössische Kunst und neue Medien miteinander zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen visuelle Bildung, kritisches Denken und eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Interaktive Führungen und Workshops knüpfen an den Unterricht über die Geschichte des Kommunismus in Rumänien in der 12. Klasse an. Die Schüler können dabei historische Dokumente und Bilder untersuchen, sich mit künstlerischen Arbeiten auseinandersetzen und eigene Perspektiven auf die Ereignisse entwickeln. Die Ergebnisse dieses Bildungsprogramms sollen anschließend in die Zeitschrift „Manifest“ sowie in eine kostenlos zugängliche E-Learning-Plattform für Schüler und Lehrer einfließen.

Darüber hinaus umfasst das Projekt interdisziplinäre Workshops, Angebote zur kulturellen Vermittlung, zugänglich gemachte Filmvorführungen sowie partizipative Veranstaltungen für Schüler, Menschen aus besonders verletzlichen Gemeinschaften und die breite Öffentlichkeit.

Die Ausstellung „MANIFEST. Martorul Anonim“ ist Teil des Projekts IMAGINE. SUNET.’89 – siebte Ausgabe: Manifest, das vom Verein Tehnoarte organisiert und von der Stadt Temeswar über das Centrul de Proiecte finanziert wird.

Das Gebäude der ehemaligen Stadtkommandantur, das nun die Ausstellung beherbergt, soll künftig Teil des Nationalen Museums der antikommunistischen Revolution vom Dezember 1989 werden. „MANIFEST. Martorul Anonim“ ist bis zum 11. Oktober zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags von 16 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.