Nationaler Holocaust-Gedenktag in Karlsburg begangen

Karlsburg - Ein Gedenken mit Konzert fand am 9. Oktober in der Synagoge von Karlsburg/Alba Iulia statt. Der Tag wurde im Mai 2004 als nationaler Holocaust-Gedenktag in Rumänien eingeführt – und erinnert an die Deportation von Jüdinnen und Juden aus Bessarabien und der Bukowina nach Transnistrien. Die Deportationen begannen systematisch am 9. Oktober 1941 unter dem Regime von Marschall Ion Antonescu.

Ein Grußwort sprach einleitend Lia Borza, Präsidentin der Jüdischen Gemeinde. Anschließend sprach Gottesdienstleiter Avram Faibiș Gebete.

Die Gedenkrede hielt zu diesem Anlass die Historikerin Dr. Andreea Rotche: „Nach dem 22. Juni 1941 fand die Operation zur ,Säuberung des Gebiets‘ in Bessarabien und der Bukowina statt, die folgende Maßnahmen umfasste: die Verhaftung und Erschießung von Juden, die Zusammenführung der Juden in Ghettos und Lagern (die Ghettos in Chișinău und Cernăuți sowie drei große Lager in Bessarabien – Secureni, Ediniți, Vertiujeni) und Deportationen über den Dnjestr.“ Das Datum markiert den Beginn der Vertreibungen und Ermordungen.

Die Zahl der rumänischen Juden und der Juden aus den unter rumänischer Verwaltung stehenden Gebieten, die während des Holocausts ermordet wurden, könne nicht mit absoluter Genauigkeit ermittelt werden, so Andreea Rotche: „Die Internationale Kommission zur Erforschung des Holocausts in Rumänien kam zu dem Schluss, dass während des Holocausts in Rumänien und in den unter seiner Kontrolle stehenden Gebieten zwischen 280.000 und 380.000 rumänische und ukrainische Juden ermordet wurden oder starben. Zwischen 105.000 und 120.000 deportierte rumänische Juden starben infolge der Deportationen nach Transnistrien.

Das Gedenken am Holocaust-Gedenktag müsse zu einem besseren Verständnis dieser kollektiven Tragödie führen, so die Rednerin: „Wenn wir die Geschichte kennen, lernen wir aus der Vergangenheit und können in der Gegenwart Toleranz und Respekt gegenüber anderen Ethnien und Religionen fördern.“

Der Tag gebe Anlass über die Folgen der Errichtung eines totalitären Regimes nachzudenken und insbesondere, wie dieses die Bürgerrechte und -freiheiten beeinflusst. Abschließend zitierte die Rednerin den Holocaustüberlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der die Erinnerung ins Zentrum stellte: „Das ist mein größtes Anliegen: die Erinnerung, das Reich der Erinnerung. Ich möchte dieses Reich schützen und bereichern, ihm huldigen und ihm dienen.“

Ein Konzert gaben nach der Gedenkveranstaltung Ioan Chiciudean (Tenor), Ruben Morar (Klavier) und Nicolas Bogdan Velicea (Tenor).