Temeswar – Wie lebt ein Mensch, dessen Arbeitsplatz zugleich sein Zuhause ist – allerdings in einem anderen Land? Wie lassen sich Beruf, Familie und persönliche Bedürfnisse miteinander vereinbaren, wenn man wochenlang einen pflegebedürftigen Menschen in einem fremden Haushalt betreut und anschließend für kurze Zeit zur eigenen Familie zurückkehrt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Forumtheater „Geteiltes Leben“, das am 24. September im Lira-Saal des Kulturhauses der Stadt Temeswar/Timișoara aufgeführt wurde.
Die Produktion der Grazer Theaterinitiative InterACT entstand gemeinsam mit der Interessenvertretung IG24 und weiteren Partnern. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen von Personenbetreuerinnen, insbesondere von Frauen aus Rumänien, die für ihre Arbeit nach Österreich gehen. Bei Workshops in Österreich und Rumänien flossen die Erfahrungen von mehr als 50 Betreuungskräften in die Entwicklung des Stücks ein. Auch zwei rumänische Personenbetreuerinnen waren unmittelbar an der Produktion beteiligt.
Das Stück erzählt von einem Arbeitsalltag, der sich weitgehend hinter den Türen privater Haushalte abspielt. Die Betreuerinnen kümmern sich rund um die Uhr um ältere oder pflegebedürftige Menschen, während das eigene Familienleben in einem anderen Land weitergeht. Nach mehreren Wochen im Haushalt der betreuten Person folgt die Rückkehr nach Hause. Wenig später beginnt derselbe Rhythmus von Neuem.
Dabei zeichnet „Geteiltes Leben“ kein einseitiges Bild. Neben schwierigen Arbeitsbedingungen, Erschöpfung und Einsamkeit werden auch die menschlichen Beziehungen sichtbar, die in der Betreuung entstehen können. Das Stück stellt zwei Seiten derselben Situation gegenüber: ältere Menschen und ihre Angehörigen, die auf Betreuung angewiesen sind, und jene Menschen, die ihr eigenes Zuhause verlassen, um diese Betreuung zu leisten.
„Geteiltes Leben“ ist kein klassisches Theaterstück, bei dem das Publikum ausschließlich zuschaut. Nach den gespielten Szenen öffnete sich die Bühne für die Zuschauer. In der Forumtheaterphase konnten sie Vorschläge machen, selbst auf die Bühne kommen und unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten ausprobieren. Die Veranstaltung war kostenlos und fand auf freiwilliger Spendenbasis statt.
Die Produktion ist als politisch-partizipatives Theaterprojekt für die Jahre 2025 bis 2027 angelegt. Die Premiere fand im November 2025 im Theater am Lend in Graz statt. Regie und Moderation übernahm Michael Wrentschur. Nach der Vorstellung in Temeswar wurde das Stück am 26. September auch in Großkarol/Carei gezeigt.
