Hermannstadt – Grafiker Stefan Orth zum Beispiel war schon zu Gast in Ungarns Hauptstadt, und nicht wenige Künstler sowie Kulturschaffende aus Rumäniens westlichem Nachbarland haben auf Betreiben von Levente Serfözö hin, dem Vereins-Vorsitzenden der Magyaren in Hermannstadt/Sibiu (HÍD), ein wiederum recht prominentes Nagyszeben kennengelernt, weshalb der Vorschlag auf eine Kulturpartnerschaft vom Rathaus des Burgberg-Viertels, dem 1. Bezirk Budapests, jüngst ohne Aufschub gebilligt wurde (die ADZ informierte am 23. September). Auch Bürgermeisterin Astrid Fodor ließ sich von Levente Serfözö sogleich überzeugen, den Stadtrat zum nächstmöglichen Termin über das Angebot zur amtlichen Stärkung der kulturellen Brücke zwischen dem Budavár und Hermannstadt abstimmen zu lassen. Einstimmig geschehen ist es am Donnerstag, 26. Oktober, und noch bessere Vorbedingungen sind dem „Ars Hungarica“-Festival in 21. Auflage ab Freitag, dem 6. November, schwer zu wünschen. Dass Hermannstadt sicherlich mit Wiederholungen auch des „Ars Sacra“-Festivals rechnen kann, das bislang viermal vom HÍD initiiert und gelenkt wurde, versteht sich genauso klar wie das Festhalten an den „Hungarikum“-Tagen, die ihrerseits schon siebzehnmal auf der urbanen Agenda standen. Vom Hang zu chauvinistischen Seitenhieben untereinander lassen sich Hermanstadts ungarische Minderheit und ihre einheimischen Nachbarn anderer Muttersprache bekanntlich nicht vereinnahmen. Viel zu reichhaltig ist das Kulturerbe der Provinzhauptstadt am Zibin und dem Budavár hoch über der Donau, als dass man das von der Geschichte und Gegenwart gegebene Miteinander mit neckischem Zungenschlag traktieren wollte.
Mancher Tourist, der das Brukenthalmuseum besichtigen möchte, wählt dazu den Fußweg aus der Unter- in die Oberstadt entweder auf einer der alten Gassen oder auf Treppen, was für die Matthias-Kirche und die Fischerbastei in Budapest nur umso mehr gilt. Für ausgezeichnete Kontakte nach Ungarn sorgen stets auch das Radu-Stanca-Theater und das Astra-Museum. Allein architektonisch hat Hermannstadt vielleicht ein kleines Nachsehen, wo es quantitativ mit dem geballten Burgviertel Budapests nicht mithalten kann: Wer die Ungarische Nationalgalerie, die Széchényi-Nationalbibliothek, das Felsenkrankenhaus im Atombunker des Zweiten Weltkriegs und das Béla-Bartók-Gedenkhaus auf Kulturreise genauso wenig wie alle weiteren Sehenswürdigkeiten prächtiger Vergangenheit vor Ort missen möchte, benötigt dafür entschieden mehr als nur einen Tag. Vom Sonnenaufgang bis Abend vollständig erlaufen lässt sich nur Hermannstadt, das nicht zentrale Astra-Museum ausgenommen.
Spannend auch, sich an das wohl berühmteste Ölbild von Simon Hollósy aus dem nördlichsten Transsylvanien zu erinnern, das in mittlerer Vergangenheit aus Sighetu Marmației gestohlen und erst Jahrzehnte später wieder in Budapest aufgefunden und restauriert worden war – im März und April laufenden Kalenderjahres lenkte es als Leihgabe auf Zeit alle Blicke im Brukenthalmuseum auf sich. Was Hermannstadt sich vom steinreichen Budavár noch abgucken könnte? Die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe etwa: Den Schritt schaffte das Burgviertel der ungarischen Metropole bereits 1987.
