Temeswar – Der Streit um den Neubau des Dan-Păltinișanu-Stadions in Temeswar hat eine neue politische Auseinandersetzung ausgelöst. Der Temescher Kreisratsvorsitzende Alfred Simonis (PSD) wirft dem früheren Bürgermeister Dominic Fritz (USR) vor, die Freigabe des Stadionprojekts durch die Regierung verzögert zu haben. Interimspremier Ilie Bolojan (PNL) und Fritz weisen die Anschuldigungen zurück. Ausgangspunkt war eine Pressekonferenz am Freitag, bei der Simonis behauptete, Bolojan habe bereits bei seinem Temeswar-Besuch am 16. Mai die Freigabe des Stadionprojekts ankündigen wollen. Nach einem Gespräch im Rathaus sei er jedoch davon abgekommen. Der Kreisratsvorsitzende berief sich auf Zeugen, die den Verlauf der Unterredung bestätigen könnten, nannte aber keine Namen.
Bolojan widersprach noch am selben Tag. Niemand habe ihn jemals aufgefordert, ein Projekt für Temeswar zu blockieren. Die Darstellung sei eine Lüge. Die Freigabe des Stadionbaus sei erfolgt, als die erforderlichen Finanzmittel zur Verfügung gestanden hätten. Fritz reagierte am Samstag mit scharfer Kritik. Simonis wolle sich offenbar als alleiniger Förderer des Stadions darstellen und könne nicht akzeptieren, dass die Freigabe von einer Regierung unter Beteiligung von PNL, USR und UDMR bekannt gegeben worden sei. Die Geschichte über eine angebliche Intervention im Rathaus sei erfunden. Er selbst habe den Neubau stets unterstützt, auch gegenüber dem Regierungschef. Zudem habe sich die Stadtverwaltung bereit erklärt, einen finanziellen Beitrag zu leisten. Als Beispiel für die Investitionen seiner Amtszeit verwies Fritz auf die neu errichtete Arena „Eroii Timișoarei“, die kurz vor der Fertigstellung steht.
Simonis bezweifelte daraufhin die Erklärung Bolojans, wonach die Finanzierung erst im August gesichert gewesen sei. Zwischen dem Besuch des Regierungschefs im Mai und der Ankündigung seien lediglich drei Monate vergangen. Die staatlichen Mittel seien ohnehin erst für 2028 und 2029 vorgesehen, während der Kreisrat Temesch die Bauarbeiten zunächst mindestens ein bis zwei Jahre lang finanzieren müsse. Der PSD-Politiker vermutet, dass Bolojan mit der Bekanntgabe gewartet habe, bis die Rechtsstreitigkeiten um das geplante Stadion in Großwardein/Oradea im August beendet gewesen seien. So habe er beide Vorhaben gemeinsam ankündigen können. Belege für diese Darstellung legte Simonis nicht vor. Auch Fritz’ Haltung zum Stadionneubau stellte der Kreisratsvorsitzende infrage. Nach sechs Jahren an der Spitze der Stadtverwaltung gebe sich der frühere Bürgermeister plötzlich als überzeugter Unterstützer des Projekts aus, obwohl er früher wegen der hohen Kosten Vorbehalte geäußert habe. Zwischen öffentlichen Unterstützungserklärungen und einem konkreten Beitrag zur Umsetzung bestehe ein Unterschied, so Simonis.
