Tänze, Mundart und Begegnungen

30. Tanzgruppentreffen zum Erntedank in Sathmar

Mehr als 200 Tänzer in Tracht im alten Stadtzentrum

Sathmar –  Zum 30. Mal kamen am ersten Septemberwochenende deutsche Volkstanzgruppen zum Erntedank nach Sathmar/Satu Mare. Gefeiert wurde das 30. Jubiläumstreffen der deutschen Tanzgruppen, das auch in diesem Jahr Tanz, Musik, Mundart und Begegnungen verschiedener Generationen miteinander verband.

Bereits am Freitagabend begann die Begegnung mit einem Tanzhaus im Wendelin-Fuhrmann-Saal. Tänzerinnen und Tänzer verschiedener Generationen lernten gemeinsam die Sternpolka. Die frisch eingetroffene „Edelweiß“-Gruppe aus Detta machte ebenso begeistert mit wie Kinder, Jugendliche und Senioren aus Sathmar.

Der Samstagvormittag stand erneut ganz im Zeichen des gemeinsamen Tanzens. Zu den Teilnehmern aus Detta und Sathmar gesellten sich Jugendliche aus Neupalota/Palota und Mühlpetri/Petreu. Die Gruppen brachten sich gegenseitig Tänze bei und lernten dabei nicht nur neue Schritte, sondern auch die Tanztraditionen der jeweils anderen Gemeinschaft kennen.

Am Samstagnachmittag fand im Wendelin-Fuhrmann-Saal ein Rundtischgespräch zum Thema „Mundart heute“ statt. Neben zahlreichen Jugendlichen aus Sathmar, Detta, Oberwischau, Großwardein, Neupalota und Mühlpetri nahmen auch geladene Gäste an der Diskussion teil. Unter ihnen waren Elisabeth Mok mit ihrer Tochter Renate Biro und ihrer Enkelin Evelyn Biro, alle Mundartsprecherinnen aus Sathmar, Csaba Knecht, stellvertretender Vorsitzender des DFD Kreis Sathmar, Gerhard Șamanțu, Vorsitzender des DFD Detta, mit seiner Ehefrau, der Leiterin der Edelweiß-Tanzgruppen aus Detta, Izabella Veibel, Redakteurin der deutschen Fernsehsendungen aus Klausenburg und Bukarest, Monika Fabian, Kulturreferentin aus Großwardein, Angela Tencuț, Vorsitzende des DFD Neupalota, sowie Günther Ludescher, stellvertretender Vorsitzender des DFD Erdeed.

Moderiert wurde das Gespräch von Gabriela Rist, Chefredakteurin der „Schwabenpost“. Gleich zu Beginn stellte sie den Jugendlichen eine direkte Frage: Wer hat Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern, die Mundart sprechen, und wer beherrscht selbst noch einen Dialekt? Überraschend viele meldeten sich. 

Anschließend waren die Jugendlichen aufgefordert, Wörter aus ihrer Mundart zu nennen. Dabei wurde deutlich, dass zahlreiche junge Menschen auch heute noch schwäbische Wörter in ihrem Alltag verwenden.

Elisabeth Mok, Mundartsprecherin und Leiterin des Sathmarschwäbischen Mundartkurses, betonte die Bedeutung der Bewahrung und Weitergabe der Mundart an die kommenden Generationen. Die aus Beschened stammende Mundartsprecherin spricht auch heute noch Sathmarschwäbisch in ihrer Familie. Ihre Enkelin Evelyn Biro trug ein Gedicht über die Treue zur Heimat und zur Mundart vor.

Auch in Großkarol wurde eine Initiative für einen deutschen und schwäbischen Mundartkurs gestartet. Darüber berichtete Csaba Knecht. Geleitet wird der Kurs von Izabella Veibel, TV-Redakteurin und Universitätsprofessorin in Klausenburg. Sie berichtete zudem über ihre Gespräche mit Mundartsprechern. Gemeinsam mit einem schwäbisch sprechenden Einwohner aus Großkarol wird sie den dortigen Kurs leiten.

Zu Wort kamen außerdem Monika Fabian und zwei ihrer Schüler. Die Kulturreferentin aus Großwardein unterrichtet Jugendliche in Mühlpetri in deutscher Sprache. Auch Angela Tencuț, deren Muttersprache Sathmarschwäbisch ist, beteiligte sich aktiv an der Diskussion. Elena und Gerhard Șamanțu berichteten über die banaterschwäbische Mundart.

Für einen besonderen Abschluss des Gesprächs sorgten die Jugendlichen aus Sathmar, Mitglieder der Jugendorganisation Gemeinsam. Sie präsentierten das Theaterstück „Die Spinnstube“ in sathmarschwäbischer Mundart. Auch die Zuschauer wurden einbezogen denn die Jugendlichen verteilten Blätter mit schwäbischen Liedern, sodass das Publikum mitsingen konnte.

Anschließend wurde das Tanzgruppentreffen mit dem traditionellen Trachtenumzug durch das Stadtzentrum fortgesetzt. Zu den Klängen der Blaskapelle aus Fienen zogen mehr als 100 Trachtenpaare durch die Innenstadt bis zum Zentralpark. Vor dem Springbrunnen präsentierten die Gruppen anschließend ihre Volkstänze.

Ingrid Steinbinder, Vorsitzende der Jugendorganisation Gemeinsam, und Stefan Kaiser, Vorsitzender des Stadtforums Sathmar, begrüßten die Zuschauer und Teilnehmer. Danach folgte ein buntes Tanzprogramm mit sathmarschwäbischen, banaterschwäbischen und zipserischen Tänzen.

Den Auftakt bildeten die Jugendlichen aus Sathmar, Detta, Neupalota und Mühlpetri mit der gemeinsamen Sternpolka. Im weiteren Verlauf traten die Tanzgruppen „Edelweiß“ aus Detta und Oberwischau, die „Rosmarein“- und „Enzian“-Tanzgruppen aus Großwardein, „Lavendelstrauß“ aus Mühlpetri, „Wilde Rose“ aus Neupalota, „Wiesengruppe“ aus Terem/Tiream, „Sonnenblumen“ aus Erdeed sowie „Gute Laune“ und die Tanzgruppe der Jugendorganisation Gemeinsam aus Sathmar auf.

Am Abend wurde das Erntedankfest im Wendelin-Fuhrmann-Saal mit einem Schwabenball weitergefeiert. Bei Musik und Tanz ließen die Teilnehmer den ereignisreichen Tag gemeinsam ausklingen.

Am Sonntagvormittag zelebrierte Josef Fanea, Pfarrer der deutschen Gemeinde, die Erntedankmesse in der Kalvarienkirche. Die Fahne der Sathmarer Schwaben wurde von Jugendlichen feierlich in die Kirche getragen. Ihnen folgten der Pfarrer mit den Ministranten sowie die Trachtenpaare aus Sathmar, Oberwischau und Detta.

„Christus sagt: Ich bin mitten unter euch“, betonte Pfarrer Fanea in seiner Predigt. Er erinnerte daran, dass Erntedank heute mehr bedeute als den Dank für Getreide, Obst und Brot. Es gehe auch um das, was frühere Generationen gesät haben und was in den Kindern weiterlebt. „Denn eine Tradition lebt nicht nur dadurch, dass wir sie bewahren, sondern dadurch, dass wir sie miteinander teilen und weitergeben“, so der Pfarrer.
Anschließend segnete er die von den Jugendlichen mitgebrachten Körbe mit Blumen, Obst und Gemüse.

Beim Sonntagskaffee im Wendelin-Fuhrmann-Saal klang das diesjährige Erntedankfest schließlich aus. Nach den Begrüßungen durch Pfarrer Josef Fanea, Johann Leitner, Vorsitzender des DFD Kreis Sathmar, und Gabriela Rist, Geschäftsführerin der Jugendorganisation Gemeinsam, präsentierten die Tanzgruppen aus Sathmar, Oberwischau und Detta noch einmal ihre Tänze.