Trinkwassernotstand in Bozovici

Der Stausee Tăria Mare droht auszutrocknen und gibt kaum noch Rohwasser her/ Warnung und Mahnung an weitere Kommunen

Bozovici – Die Trinkwasserversorgung der Großgemeinde Bozovici in der Almascher Senke musste wegen der Dürre auf drei Stunden täglich (zwischen 19 und 22 Uhr) eingeschränkt werden. Hauptressource für die Trinkwasseraufbereitungsanlage von Bozovici ist der Stausee Tăria Mare an der Nationalstraße DN 57B, die über rund 100 km die Verbindung herstellt zwischen Orawitza und Anina durchs Minisch-Tal nach Bozovici und durch die Almascher Senke bis Iablanița, wo sie auf die DN6/E70 trifft, die Temeswar mit Oltenien und der Walachei sowie mit Bukarest und dem Schwarzen Meer verbindet.

Der Stausee Tăria Mare am Minisch-Bach war ursprünglich als Teil einer Stauseenkette gedacht, die einem der Grundmängel des Wahnsinnsprojekts des Baus eines direkt mit Ölschiefer befeuerten Wärmekraftwerks – dem den ursprünglichen Plänen zufolge ein ganzes Ortsviertel von Anina, Steierdorf, hätte weichen müssen – auf dem Tilfasina-Berg bei Anina, mitten auf dem Ölschieferlager, Abhilfe schaffen sollten: das Ölschieferkraftwerk, eines der größten Flops des kommunistischen Rumänien der 1980er Jahre, wurde an einer Stelle gebaut, wo es kein Wasser gab, wohl aber direkt auf dem Ölschieferlager, wo dieses am ergiebigsten war – nur konnte man das Lager in jenem Raum seiner höchsten Stärke, wegen der Sicherheit des Baus des Kraftwerks, nicht abbauen ...

Man baute also eine Stauseenkette rund um den Berg, vor allem im Minisch-Tal, um danach – mit riesigem Energieaufwand – das Wasser, zum Kühlen und Verdampfen, auf dem Berg, mehrere hundert Meter hoch, per dicken stählernen Leitungsrohren hochzupumpen. Als nach der Wende realistischere Politiker – nicht unbedingt Ingenieure! – eine Sanierung der kommunistischen Mangel- und Flopwirtschaft versuchten, wurde auch der Bau des Riesenkraftwerks eingestellt (zur Dimension: allein das Rohregespinnst des Dampfgenerators des auf 330 Megawatt angelegten ersten von drei geplanten Energieaggregaten verschlang rund 80 Kilometer Stahlrohre). Bis zu jenem Zeitpunkt hatte der Probebetrieb nie mehr als durchschnittlich rund 90 MWh Strom ergeben, was beim Aufwand für das Hochpumpen des nötigen Betriebswassers nahezu ganz draufging. Dabei muss man noch wissen, dass 1988-89 das Heer herangezogen worden war, um in aller Eile etwas für die Erhöhung des Brennwerts des Aninaer Ölschiefers zu tun: Die Arbeitssoldaten legten in aller Eile eine (Erd-)Gaspipeline von Reschitza bis zum Ölschieferkraftwerk (und bauten gleichzeitig auch die Straße zwischen Reschitza und Anina, über Kraschowa/Carașova aus).

Nachdem per Ukas aus Bukarest, von der Regierung und dem zuständigen Ministerium, die Anordnung zur Einstellung der Bauarbeiten (und später das Abriss-OK) kam, fand sich ein findiger Grieche, der den Pleiteschrott zu günstigem Preis kaufte und als Schrott versilberte, so dass vom kommunistischen „Prestige“-Bauvorhaben am Tilfasina-Berg bei Anina-Steierdorf nur der 220 m hohe Schlot stehenblieb (der ursprünglich auf 290 m hochgezogen werden sollte, um die Luftverpestung in die Stratosphäre zu pusten) und eine allmählich verfallende oder den frei weidenden Kühen als Unterkunft dienende, teils unfertige Siedlung mit Fertigteil-Wohnblocks – wo einst zeitweilig bis zu 15.000 Arbeiter zusammengezogen waren (zu Löhnen, von denen man sonst im Land nur träumen konnte).

Von den Stauseen blieb eigentlich nur Tăria Mare erhalten, wenige Kilometer oberhalb des Einmündens des Wasserfalls des Bigăr-Bachs in den Miniș-Bach gelegen, die mächtigen Rohrleitungen Richtung Aninaer Berge wurden verschrottet, die verbliebenen Rohrleitungen wurden nun talabwärts genutzt, Richtung Forellenzüchterei im Minisch-Tal und Richtung Trinkwasseraufbereitung für Bosowitsch/Bozovici.

Damit wären wir wieder in der Gegenwart, wo die Fließendwasserversorgung der Großgemeinde Bozovici seit Schulbeginn (hat aber damit nichts zu tun) auf drei Stunden täglich beschränkt werden musste – weil der Stausee, die hauptsächliche Rohwasserressource, nicht mehr hergibt. Bis Ende der ersten Septemberwoche gab es in Bozovici noch zweimal täglich je drei Stunden lang Fließendwasser, einmal morgens und einmal abends. Jetzt musste man sich auf die Abendstunden beschränken. Dazu Cristian Suru, der Direktor der Wasserbewirtschaftung Karasch-Severin, SGA CS: „Die extrem geringe Wassermenge, die noch dem Tăria-Mare-Stausee zufließt, hat uns gezwungen, die Fließendwasserzufuhr für Bozovici auf drei Stunden täglich einzuschränken, zwischen 19 und 22 Uhr.“

Langzeitbürgermeister Adrian Stoiciu (PSD, ist seit 14 Jahren im Amt) bestätigt: „Der Stausee Tăria Mare ist im Havariezustand. Uns steht bevor, von dort überhaupt kein Wasser mehr anzapfen zu können. Wir sehen uns gezwungen, direkt am Minisch-Bach Pumpen zu installieren und uns von dort direkt das Rohwasser zu nehmen.“ Er sehe das als eine provisorische, aber eine gangbare Lösung. Das Rathaus habe auch die nötigen Rohre beschafft, um mit den Pumpen das Wasser bis in die Vorratsbehälter zu pumpen, von wo es weiterverarbeitet bzw. aufbereitet werden kann. Das seien nicht mehr als 300 Meter, auf denen auch das nötige Gefälle von 70-80 Metern entsteht, durch welche das Wasser dann per Erdanziehung zu den Verbrauchern gelangt. Allerdings könne man vorerst „fließend“ nur Brauchwasser, kein Trinkwasser mehr liefern.

Parallel laufen auf Kosten der Gemeinde Bohrarbeiten nach Trinkwasser. Dieses soll aufbereitet und als alternative und/oder komplementäre Trinkwasserressource genutzt werden. Bürgermeister Stoicu legt Wert da-rauf, zu betonen, dass die Planungen der Gemeinde für diese alternative Ressource – Tiefenbohrungen im Minisch-Tal nach Trinkwasser – schon seit Januar 2026 laufen, also nicht unterm Druck der gegenwärtigen Dürre, sozusagen als „Lösung in letzter Minute“, starteten.

Die Trinkwasserversorgung im Banater Karst ist auch durch den geologischen Untergrund kompliziert, dessen Durchlässigkeit durch die langanhaltende Dürreperiode potenziert wird. Aus diesem Grund hat der Katastrophenschutz ISU „Semenic“, gemeinsam mit der Gewässerverwaltung Banat mittels des Präfekturrats alle Kommunen ermahnt, sich für künftige – wohl unausweichliche – Dürreperioden zu wappnen und beizeiten Lösungen zu identifizieren und Maßnahmen zu treffen, damit die Bevölkerung in den kommenden Jahren mit dem nötigen Trinkwasser möglichst kontinuierlich versorgt werden kann.