Vorläufige Kosten der Stadtumwandlung: 400 Mio Euro

Der Reschitzaer Vizebürgermeister Daniel Călin auf der Tagung von SMART BANAT 2026

Reschitza – Die vom Reschitzaer Ersten Bürgermeisterstellvertreter (und voraussichtlichen PNL-Kandidaten bei den Kommunalwahlen 2028) Daniel Călin (PNL) angegebene Summe, 400 Millionen Euro, bezieht sich allerdings bloß auf die Gelder, die die Stadt Reschitza, seit Mandatsantritt von Bürgermeister Ioan Popa (PNL) vor rund zehn Jahren, überwiegend aus extrabudgetären Quellen an Land gezogen hat. Die betreffende Präsentation machte Daniel Călin am vergangenen Freitag im Rahmen der Tagung SMART BANAT 2026. Thema seiner Wortmeldung war die Vision der aktuellen Stadtführung hinsichtlich der Umwandlung der ehemaligen Schwerindustriestadt in eine offene, besucherfreundliche, grüne, für Touristen attraktive smarte Stadt.

Die Strategie der Stadtleitung sei von der Tatsache ausgegangen, dass Reschitza nach der Wende einen regelrechten industriell-wirtschaftlichen Kahlschlag erlebt hat, der dem gesamten Raum ein Umdenken und eine Umorientierung aufzwang, die einen wirtschaftlichen Neuaufbau erheischte. Die zwei früher die Stadt prägenden Großwerke, das Reschitzaer Maschinenbauwerk UCMR und das Eisenhüttenkombinat Reschitza, CSR, die in kommunistischer Zeit jeweils eine Arbeitnehmerzahl um die 13.000-15.000 Menschen beschäftigten – viele unter ihnen als Pendler – beschäftigen heute (in abgeänderter und stark geschrumpfter Form) beide um die 1500 Arbeitnehmer.

Daniel Călin: „Unsere Überlegung war – nach rund 20 Jahren des Herumtastens unserer Vorgänger – dass aus dieser Stadt eine für Touristen anziehende Ortschaft gemacht werden kann. Dazu reichten selbstverständlich die enorm geschrumpften Einkommen der Stadt nicht. Wir schufen ein eigenes Departement in der Stadtverwaltung, dessen Aufgabe darin besteht, Investitionsgelder zu akquirieren. Bisher gelang es den Kollegen, rund 400 Millionen Euro an Land zu ziehen, vor allem aus EU-Projekten. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl der Stadt – rund 80.000 – ist das nach unseren Informationen die höchste Summe, die eine EU-Ortschaft an EU-Fonds akquirieren konnte. Anders gesagt: Reschitza belegt Rang eins EU-weit betreffs EU-Fonds per capita.“
Der Reschitzaer Vize Daniel Călin stellte als eine der bedeutendsten Investitionen in die angekündigte Zielrichtung die Entwicklung des Tourismusraums Semenik vor – eine von Umweltschutzorganisationen, allen voran Agent Green, bis nach Brüssel als schädlich und angesichts des Klimawandels wirtschaftlich sinnlos beleumdete Investition (die ADZ berichtet laufend vom Disput der Umweltschützer mit der Reschitzaer Stadtverwaltung). Daniel Călin verteidigte die 45-Millionen-Euro-Investition, hinter der hauptsächlich das Ministerium für Wirtschaft, Unternehmertum und Tourismus (MEAT) steht, aber auch die Wirtschaftsentwicklungsagentur ADR V West und das Kommunalbudget von Reschitza (auch wenn Partner im Projekt noch der Kreisrat Karasch-Severin und der Gemeinderat Franzdorf sind). Der Vize erwähnte die rund 15 Kilometer Skipisten, die Anlagen für Kabeltransport und jene für Kunstschnee, den Ankauf der Maschinen zum Feststampfen des Kunstschnees, aber auch sämtliche Investitionen für den Sommerbetrieb – denn am Semenik soll ein Raum für Ganzjahrestourismus entstehen. Nicht zuletzt wird eine mobile Aufführungsbühne angeschafft, die sommers wie winters genutzt werden kann – man denke also auch an kulturell-musikalische Veranstaltungen. Immerhin investiert auch die Stadt Reschitza ins Projekt rund acht Millionen Euro.

Das Skiprojekt sei für rund 3000 Winterurlauber pro Tag angedacht. Gegenwärtig gäbe es auf dem Hochplateau des Semenik sowie in der Talstation Franzdorf/Văliug bloß Möglichkeiten für höchstens 800 Winterurlauber pro Tag – was allerdings in den vergangenen Jahren nie erreicht wurde.
Die Stadt Reschitza erwartet von potentiellen Unternehmern, zum Projekt mit dem Bau von Hotels und Unterkunft- sowie Verköstigungsmöglichkeiten beizutragen, denn jede institutionelle Investition dieses Ausmaßes muss auch von privaten Investitionen flankiert werden, wenn sie sinnvoll sein soll. In Reschitza selbst sei zudem die „Umstellung des Nahverkehrs auf Grün“ teilweise in die Richtung der Unterstützung des Tourismusprojekts am Semenik gelaufen, denn das „Grüne Nahverkehrsrückgrat“ sei eindeutig bergwärts gerichtet. Die rund 130 Millionen Euro, die in Reschitza in den Nahverkehr und in die Umweltfreundlichkeit des individuellen Verkehrs geflossen sind, stellen, laut Daniel Călin, „das größte Infrastrukturprojekt von Reschitza seit 1990“ dar.