Temeswar – Was bedeutet es, für die Kultur zu arbeiten, wenn Zeit, Geld und Infrastruktur nicht ausreichen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue Projekt „Work in Progress“ des Vereins „Foc și Pară“ / Indecis artist run, das von Oktober 2026 bis Januar 2027 in Temeswar/Timișoara durchgeführt wird.
Im Mittelpunkt steht die oft unsichtbare Arbeit hinter kulturellen Projekten: Arbeitsstunden, Proben, organisatorische Aufgaben, Verhandlungen, unbezahlte Arbeit, ständige Erreichbarkeit und die Erschöpfung, die sich dabei ansammelt. Gerade in der unabhängigen Kulturszene werden fehlende Ressourcen häufig durch den persönlichen Einsatz kleiner Teams aufgefangen.
Das Projekt bringt mehrere Formate zusammen. Den Auftakt bildet „The Shape of Work“, eine Reihe von drei Praxis- und Forschungslaboren. Im Oktober beschäftigt sich „ECO-TRIBURI“, koordiniert von Iulia Toma, mit den Beziehungen zwischen Arbeit, Gemeinschaft und Formen der Organisation. Das von Ana Labudovic geleitete Labor „De ce fel de carte are nevoie o lume obosită?“ („Was für ein Buch braucht eine erschöpfte Welt?“) untersucht das Buch als Raum für Reflexion und gemeinsames Arbeiten in einer von Müdigkeit geprägten Gegenwart. Im November widmet sich „What moves (between) us“ („Was bewegt uns (untereinander)“), koordiniert von Mihai Mihalcea, den Beziehungen zwischen Körper, Bewegung, Arbeit und dem, was zwischen Menschen weitergegeben wird.
Die Teilnahme an den drei Laboren ist kostenlos; Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Labor von Ana Labudovic findet auf Englisch statt. Die Anmeldungen für die „ECO-TRIBURI“-Werkstatt sind geöffnet und werden am Montag, den 5. Oktober, geschlossen. Die Teilnehmer werden am 6. Oktober bekannt gegeben. Anmeldungszeit und weitere Details zu den anderen zwei Werkstätten sind von der Webseite indecis.org/work-in-progress/the-shape-of-work/ abrufbar.
Ab November folgt im Projekt die Gruppenausstellung „Tired Mass“, kuratiert von Teodora Talhoș. Die Ausstellung versammelt unterschiedliche künstlerische Perspektiven auf Arbeit und Erschöpfung. Ergänzt wird die Ausstellung durch Beiträge, die gemeinsam mit Menschen aus Temeswar entwickelt werden, die nicht im Kunstbereich arbeiten.
Ein Vermittlungsprogramm rund um „Tired Mass“ erweitert die Perspektive auf unterschiedliche Formen von Arbeit – körperliche, geistige und emotionale Arbeit – und bezieht lokale Gruppen und Gemeinschaften ein.
Vom 19. bis 22. November richtet sich der Blick schließlich auf die kulturellen Infrastrukturen selbst. PERIFERAL bringt unabhängige Räume und Initiativen aus Südosteuropa nach Temeswar. Vertreter aus Kosovo, Ungarn, Nordmazedonien, Serbien, der Ukraine, Kroatien, Bulgarien und Albanien treffen dabei auf unabhängige Initiativen aus Rumänien. Im Mittelpunkt stehen der Erfahrungsaustausch über Ressourcen und Organisationsmodelle sowie mögliche Formen der Zusammenarbeit. Zum Programm gehören u. a. Besuche bei lokalen Kunsträumen und Ausstellungen.
„Work in Progress“ läuft bis Januar 2027. Aktuelle Informationen, Anmeldemöglichkeiten und weitere Programmpunkte sind unter indecis.org/work-in-progress/ erhältlich. Das Projekt wird von der Verwaltung des Nationalen Kulturfonds (AFCN) kofinanziert. Die Veranstaltungen im Bastion 3 werden in Partnerschaft mit der Stadt Temeswar über das Projektezentrum organisiert.
