Temeswar – Das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT) blickt in seiner nächsten Produktion auf drei Jahrzehnte seiner eigenen Geschichte zurück. Unter der Regie von Clemens Bechtel haben die Proben für ein dokumentarisches Theaterprojekt begonnen, das die Entwicklung der deutschen Bühne zwischen 1953 und 1983 untersucht. Das Konzept stammt von der Dramatikerin Elise Wilk und dem Regisseur Clemens Bechtel. Die Premiere ist für Freitag, den 12. März 2027, um 19.30 Uhr vorgesehen.
Im Mittelpunkt der Inszenierung steht die Frage, wie sich eine deutschsprachige Kultureinrichtung unter den politischen und gesellschaftlichen Bedingungen des kommunistischen Rumäniens behaupten konnte. Die drei untersuchten Jahrzehnte waren von tiefgreifenden Veränderungen geprägt, die sich sowohl auf den Theaterbetrieb als auch auf das kulturelle Leben der deutschen Minderheit auswirkten. Zwischen staatlicher Zensur, politischer Einflussnahme und dem Bemühen um die Bewahrung der eigenen kulturellen Identität musste das Theater seinen künstlerischen Weg finden.
Der Beginn des untersuchten Zeitraums fällt mit der Gründung der deutschen Abteilung des Temeswarer Staatstheaters am 1. Januar 1953 zusammen. Am 27. Juni desselben Jahres wurde die neue Bühne mit Heinrich Laubes Schauspiel „Die Karlsschüler“ eröffnet. Drei Jahre später, 1956, erlangte sie ihre administrative Selbstständigkeit und erhielt die Bezeichnung „Deutsches Staatstheater Temeswar“. Die Bühne entwickelte sich zu einer bedeutenden kulturellen Einrichtung der Banater Schwaben, deren Ensemble nicht nur in Temeswar, sondern auch in zahlreichen Ortschaften mit deutscher Bevölkerung auftrat. Gleichzeitig war ihre Tätigkeit den kulturpolitischen Vorgaben des sozialistischen Staates unterworfen. Ab den 1970er Jahren wirkte sich zudem die zunehmende Auswanderung der Rumäniendeutschen auf das Theater und sein Publikum aus.
Die neue Produktion soll bislang wenig bekannte Geschichten, Erfahrungen und Hintergründe aus dieser Zeit aufgreifen. Grundlage dafür ist eine umfangreiche Dokumentations- und Forschungsarbeit, die historische und künstlerische Perspektiven miteinander verbindet. Dabei geht es nicht allein um die Rekonstruktion der Vergangenheit, sondern auch um grundsätzliche Fragen nach dem Verhältnis zwischen Kunst und politischer Macht, der künstlerischen Freiheit und der Bedeutung des Theaters für die Identität einer Minderheit. Zu den Informationsquellen gehört unter anderem das 2010-2012 durchgeführte Kooperationsprojekt des DSTT und der deutschen Redaktion von Radio Temeswar, bei dem rund 50 ehemalige Mitarbeiter, so Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen, Souffleusen und Garderobieren zur „erlebten Geschichte“ des Hauses interviewt wurden. Die historische Recherche wird von der langjährigen DSTT-Schauspielerin und ehemaligen Intendantin Ida Jarcsek-Gaza betreut.
Für die neue Inszenierung übernimmt Ioana Popescu das Bühnenbild, Mira Țâra ist für die Dramaturgie verantwortlich. Musik und Video gestaltet Alex Halka, das Lichtdesign stammt von Cosmin Anania und das Make-up von Bojița Ilici. Aida Olaru übernimmt die Regieassistenz, Ovidiu Radu die Inspizienz. Zum zehnköpfigen Ensemble gehören Isa Berger, Robert Bogdanov-Schein, Alma Diaconu, Boris Gaza, Daniel Ghidel, Franz Kattesch, Alexandru Mihăescu, Olga Török, Simona Vintilă und Radu Vulpe.
