BioMentorHub: Wie Forschung den Weg auf den Markt findet

One Health Innovation Bootcamp bringt Wissenschaft und Wirtschaft zusammen

Foto: privat

Forschung endet nicht mit einer Entdeckung im Labor. Damit daraus marktfähige Produkte werden, braucht es Mentoring, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Marktkenntnis und ein tragfähiges Geschäftsmodell. Hier setzt BioMentorHub aus Temeswar/Timișoara an: Mit dem One Health Innovation Bootcamp vernetzt die Organisation Forscher und Wirtschaft und unterstützt Teams aus Biotechnologie und Lebenswissenschaften dabei, wissenschaftliche Ideen in Produkte und Dienstleistungen zu verwandeln. „Unser Ziel ist es letztlich, die Forschung näher an den Markt zu bringen“, erklärt Michael-Bogdan Mărgineanu, Forscher, Universitätsprofessor und Vorsitzender von BioMentorHub.

In dieser Hinsicht wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal ein One Health Innovation Bootcamp organisiert. Sechs Teams aus Rumänien und der Republik Moldau nahmen daran teil. Ihre Ideen wurden am 29. Oktober beim Demo Day in der Rumänischen Akademie, Zweigstelle Temeswar, vor Vertretern der Wirtschaft, Forschenden und potenziellen Investoren präsentiert.

Eine wissenschaftlich wertvolle Entdeckung wird nicht automatisch zu einem erfolgreichen Produkt. Forschende wissen, wie sie Hypothesen entwickeln und überprüfen. Für den Schritt in die Wirtschaft müssen sie jedoch weitere Fragen beantworten: Wer braucht die Lösung? Welches Problem löst sie? Gibt es eine Nachfrage? Wie lässt sich daraus ein Geschäftsmodell entwickeln und finanzieren?

Der Verein BioMentorHub entstand aus der Initiative junger Forschender aus Rumänien und der Diaspora, gerade auf diese Fragen zu antworten. Ursprünglich stand die Zusammenarbeit bei Forschungsprojekten im Mittelpunkt. Mit der Zeit rückte stärker die Frage in den Fokus, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in praktisch nutzbare und wirtschaftlich tragfähige Lösungen überführt werden können. Von dieser Verbindung profitieren alle Seiten: Unternehmen brauchen Innovationen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, Universitäten sollen ihren Absolventinnen und Absolventen attraktive Perspektiven bieten, und die Forschung braucht Beispiele dafür, wie ihre Ergebnisse der Gesellschaft zugute kommen können.

Die Arbeit von BioMentorHub orientiert sich am One-Health-Konzept. Es versteht die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt als eng miteinander verbunden. Dieser ganzheitliche Ansatz gewinnt in den Lebenswissenschaften an Bedeutung, etwa bei Fragen der Prävention, Ernährung und nachhaltigen Landwirtschaft.

„Für uns ist es heute und in Zukunft entscheidend, uns auf Bereiche zu konzentrieren, die die Lebenswissenschaften und die Gesundheit ganzheitlicher betrachten“, erklärt Michael-Bogdan Mărgineanu, Vorsitzender des Vereins und ein herausragender rumänischer Biochemiker und biomedizinischer Forscher, der international für seine Arbeit in den Bereichen Krebsneurowissenschaft und Bio-Unternehmertum anerkannt ist.

2026 hat sein Verein die zweite Ausgabe des One Health Innovation Bootcamp unter dem Motto „Future of Food and Crops“ – die Zukunft von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Kulturen – organisiert. Das Programm richtet sich an Teams, die eine Idee, ein Produkt oder eine Innovation in einem frühen Entwicklungsstadium haben und Unterstützung bei der Weiterentwicklung benötigen.

Die Teilnehmenden arbeiten sowohl an der wissenschaftlichen als auch an der unternehmerischen Seite ihrer Projekte. Sie lernen, ihre Ideen zu validieren, Produkte weiterzuentwickeln, Markteintrittsstrategien zu erarbeiten und ihre Vorhaben potenziellen Kunden und Investoren überzeugend zu präsentieren.

Das Bootcamp umfasste zwei Module: Unternehmensgründung und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells. 

Von Bewässerungslösungen bis zu Speziallebensmitteln

Für das Programm wurden zunächst sechs Teams ausgewählt. Bewertet wurden die wissenschaftliche Neuartigkeit, das Innovationspotenzial, der Entwicklungsstand und die Fähigkeit der Teams, ihre Ideen in konkrete Anwendungen zu überführen. Nach dem ersten Modul setzten vier Teams ihre Arbeit in der nächsten Phase fort. Hinzu kam ein bereits gegründetes Unternehmen, das neue innovative Elemente für seine Produkte entwickeln möchte.

Die Projekte kommen aus Temeswar, Klausenburg/Cluj-Napoca, Jassy/Iași und Chișinău. Sie befassen sich mit unterschiedlichen Herausforderungen aus Landwirtschaft, Ernährung und der Nutzung biologischer Ressourcen.

Ein Team entwickelt Granulate, die Wasser länger verfügbar machen und landwirtschaftliche Kulturen bei Trockenheit unterstützen sollen. Die Lösung könnte dazu beitragen, auf schwierige Anbaubedingungen und die Folgen des Klimawandels zu reagieren.

Ein weiteres Team aus Temeswar arbeitet an Desserts mit einer speziellen Zusammensetzung und funktionellen Inhaltsstoffen für Menschen mit seltenen Stoffwechselerkrankungen. Das Projekt zeigt, wie Lebensmittelinnovation auf besondere Ernährungsbedürfnisse eingehen kann.

Weitere Initiativen beschäftigen sich mit Bioverpackungen, apitherapeutischen und phytotherapeutischen Produkten sowie Nahrungsergänzungsmitteln.

Die Bandbreite verdeutlicht, wie Forschung auf konkrete gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen reagieren kann. Entscheidend ist jedoch, dass jede Innovation einen tatsächlichen Bedarf erfüllt und sich zu einem tragfähigen Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Eine gute Idee braucht einen Markt

Wissenschaftliche Neuartigkeit allein überzeugt weder Investoren noch Geschäftspartner. Die Teams müssen erklären können, wer ihr Produkt nutzen würde, welches Problem es löst, wie groß der potenzielle Markt ist und welche finanziellen Mittel für die Weiterentwicklung benötigt werden. Die wirtschaftliche Validierung ist ebenso wichtig wie die wissenschaftliche Prüfung. Eine Technologie kann vielversprechend sein – ohne potenzielle Kunden und einen realistischen Weg zur Produktion und Vermarktung wird daraus jedoch nicht automatisch ein Unternehmen.

„BioMentorHub arbeitet deshalb mit Partnerorganisationen aus Großbritannien und Norwegen zusammen. Sie bringen Erfahrungen aus etablierten Innovationsökosystemen im Bereich der Lebenswissenschaften ein und helfen den Teams, sowohl den wissenschaftlichen Wert als auch das Marktpotenzial ihrer Projekte einzuschätzen“, erklärt Michael-Bogdan Mărgineanu.

Temeswar als Standort für Innovation

Die Stadt Temeswar bietet mit seinen Universitäten, internationalen Verbindungen und Unternehmen gute Voraussetzungen für ein Innovationsökosystem, das Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringt. Die Herausforderung besteht darin, aus bestehenden Kontakten konkrete Projekte zu entwickeln und ihnen Zugang zu Fachwissen, Infrastruktur und finanziellen Ressourcen zu ermöglichen.

BioMentorHub möchte auch dazu beitragen, berufliche Perspektiven für rumänische Forschende zu schaffen – sowohl für jene, die aus dem Ausland zurückkehren, als auch für diejenigen, die ihre Projekte im Land aufbauen wollen.

Mărgineanu kennt diese Situation aus eigener Erfahrung: Nach seinem Studium im Ausland kehrte er nach Temeswar zurück. Das Engagement bei BioMentorHub motivierte ihn, in Rumänien zu bleiben und am Aufbau des lokalen Innovationsökosystems mitzuwirken.

Neben Geld braucht forschungsbasiertes Unternehmertum aber auch eine Kultur der Zusammenarbeit. Forschende müssen leichter mit Unternehmen kommunizieren können, während Unternehmen ihre Bedürfnisse klar formulieren und gemeinsam mit Forschungseinrichtungen nach Lösungen suchen sollten. Wichtig ist außerdem eine größere Vielfalt an Finanzierungsquellen. „Der Weg vom Labor auf den Markt braucht deshalb mehr als eine gute Idee. Er braucht Menschen, die zusammenarbeiten, ein Innovationsökosystem, das Eigeninitiative fördert, und konkrete Möglichkeiten, wissenschaftliche Erkenntnisse in gesellschaftlichen Nutzen zu verwandeln – mit Partnern“, schließt Bogdan Mărgineanu.