Die 10. internationale multidisziplinäre Tagung des Departments für Germanische Sprachen und Literaturen fand unter dem Titel „Da ich nur meine Sprache hatte…Wenn Sprache zum Zuviel des Zuwenigs wird“ aus Anlass des 100. Geburtsjahrs Ingeborg Bachmanns im Ratssaal der Fremdsprachenfakultät zwischen 29. und 31. Oktober in Bukarest (Strada Pitar Moș, 7-13) statt und wurde von der Institutsleiterin Ao. Prof. Dr. Ileana-Maria Ratcu sowie Prof. Dr. Gabriel H. Decuble organisiert. Im Zuge dessen wurde auf Initiative der Leiterin der Österreich-Bibliothek „Hugo von Hofmannsthal“ Bukarest, Prof. Dr. Mariana-Virginia Lăzărescu, mit Unterstützung von Andrei Popov, dem stellvertretenden Direktor des Österreichischen Kulturforums Bukarest, der österreichische Hochschullehrer und Schriftsteller Thomas Ballhausen eingeladen.
Seine zwei Beiträge, bestehend aus einem Eröffnungsvortrag zum Thema „Texturen einer ‚Nachtexistenz‘. Ingeborg Bachmanns ‚Malina‘ zwischen literarischer Kritik und philosophischer Selbsttechnologie“ und einer Lesung mit Auszügen aus seiner Lyrik und Prosa, spannten einen elaborierten Bogen um das Tagungsprogramm. So konnte der Medienwissenschaftler und Kulturphilosoph gleich von zwei unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt werden: Während sein Vortrag einen Einblick in seine wissenschaftlichen Tätigkeiten und Zugänge ermöglichte, lud seine Lesung dazu ein, in sein literarisches Schaffen einzutauchen.
Thomas Ballhausen wurde 1975 in Wien geboren. Aktuell lebt und arbeitet er in Wien und Salzburg, wobei er an der Universität Mozarteum Salzburg beruflich tätig ist. Er lehrt dort als Assistenzprofessor mit Schwerpunkt Kunst, Text und Textur am Institut für Open Arts und leitet die interuniversitäre Einrichtung Wissenschaft & Kunst. Er promovierte mit zwei Dissertationen an der Akademie der bildenden Künste Wien und an der Universität für angewandte Kunst Wien. In seinen Dissertationen setzte sich Ballhausen mit Laufbildarchiven und Notizbüchern auseinander. Seine vielseitigen Interessens- und Forschungsgebiete reichen von Mediengeschichte, Ästhetik, Technologien neuer Medien bis zur Digitalität und Literatur als künstlerische Forschung. Thomas Ballhausens Werk samt Auszeichnungen ist umfangreich und in den Bereichen Prosa, Lyrik, Essays, wissenschaftliche Publikationen und literarische Übersetzungen zu verorten. Zu zwei seiner aktuellen Publikationen zählen die Studie „Nachtaktiv. Versuch über das Cahier“, erschienen in der Innsbruck University Press 2023, sowie „Unter elektrischen Monden“, erschienen in der Edition Keiper 2023. In diesen Veröffentlichungen untersucht der Autor einerseits literarische und philosophische Notizbücher mit den Mitteln der Literatur und entdeckt andererseits die Verbindungen von Prosa und Lyrik.
Im Vordergrund der Lesung am 31. Oktober standen Textausschnitte seiner Lyrik und Prosa aus den Büchern „Lob der Brandstifterin“, „In dunklen Gegenden“ und „Das Mädchen Parzival“, die auf besondere Art und Weise vom Autor vorgetragen und sehr positiv vom Publikum rezipiert wurden. Im gemeinsamen Gespräch zwischen den Lesephasen sowie der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde wurde unter anderem auf Thomas Ballhausens Vereinbarung von lyrischem mit akademischem Schreiben, den Raum des Sagbaren, die Dichotomie zwischen gesellschaftlicher Kritik und Verantwortung, Intertextualität und Narratologie, ihn inspirierende Schriftsteller, seine Übersetzertätigkeit, die verwendeten Perspektivierungen und seine Sprache eingegangen. Auf diese Weise konnten umfassende Einblicke sowohl in Schreibprozess als auch in Denkweisen des Autors gewonnen werden. Thomas Ballhausen zitierte in diesem Zusammenhang Charles Baude-laires berühmten Satz „Sei immer ein Dichter, auch in der Prosa“, verteilte zum Abschluss einige seiner Bücher als Geschenke, überreichte und signierte zwei davon für die Österreich-Bibliothek „Hugo von Hofmannsthal“ Bukarest und stand auch über die Lesung hinaus für Fragen bereit. Mit seinen besonderen Programmpunkten konnte die 10. internationale multidisziplinäre Tagung des Departments für Germanische Sprachen und Literaturen neue Perspektiven eröffnend eingeleitet und auf eine literarisch-bereichernde Weise abgeschlossen werden. In Zukunft möchten die Teilnehmer an der Tagung mit dem Autor in Kontakt bleiben sowie die Vernetzung in weiteren Kooperationen stärken.
