Nicușor Dan hat seinen vierten Premierministerkandidaten innerhalb von fünf Monaten nominiert. Und hat damit erneut einen Fehler begangen. Nicht weil die politische Krise weitergeht. Nicht einmal weil inzwischen niemand mehr weiß, wer eigentlich mit wem, gegen wen oder aus welchem Grund verhandelt. Nein. Der Fehler besteht darin, dass er nie Gheorghe Hagi angerufen hat. Seien wir ehrlich: Die Erfolgsquote wäre kaum schlechter gewesen. Immerhin hat Hagi bereits bewiesen, dass er elf Rumänen dazu bringen kann, erfolglos, aber wenigstens gemeinsam, in dieselbe Richtung zu laufen. Das allein qualifiziert ihn stärker für das Amt des Premierministers als einen beachtlichen Teil der politischen Klasse. Vor allem besitzt er eine Eigenschaft, die in der rumänischen Politik inzwischen fast exotisch wirkt: Man weiß jederzeit, was er denkt, auch wenn manchmal seine Aussagen wie philosophische Rätsel aus einer Parallelwelt klingen. Man stelle sich die erste Regierungserklärung Hagis vor: „Wir müssen es gut machen, damit es nicht schlecht wird.“
Das Land würde applaudieren. Die Kommentatoren würden drei Tage lang versuchen, den tieferen Sinn zu entschlüsseln. Die Opposition würde zustimmen. Und am Ende hätte vermutlich niemand weniger verstanden als zuvor. Aber genau darin läge der Unterschied zur heutigen Politik: Bei Hagi würde wenigstens niemand so tun, als sei der Unsinn eine strategische Vision.
Stattdessen erleben wir weiter das beliebte rumänische Gesellschaftsspiel „Wer will die Regierung bilden, ohne die Regierung zu bilden?“. Die Parteien erklären mit ernster Miene, dass Rumänien dringend eine stabile Regierung brauche. Niemand möchte sie wirklich stellen. Alle verlangen Entscheidungen. Niemand möchte die Konsequenzen tragen.
Besonders virtuos beherrscht die PSD diese Disziplin. Man muss der Partei fast Bewunderung entgegenbringen. Über Jahrzehnte hat sie eine politische Kunst entwickelt, die irgendwo zwischen Wendehalsigkeit und Realitätsverweigerung angesiedelt ist: gleichzeitig Regierung und Opposition zu sein.
Wird sie nicht mit der Regierungsbildung beauftragt, entdeckt sie ihre Liebe zum Volk. Dieselbe Partei, die in den vergangenen Jahren Ministerien, Behörden, Staatsunternehmen und Haushalte mitgestaltet hat, blickt auf die Lage des Landes wie ein Tourist, der zufällig an einem Unfall vorbeikommt. Die Sparmaßnahmen seien eine Katastrophe. Die Finanzlage sei besorgniserregend. Die Regierung habe das Land in Schwierigkeiten gebracht. Man reibt sich verwundert die Augen und fragt sich, wer denn eigentlich in den vergangenen Jahren mitregiert hat. Offenbar handelt es sich um ein politisches Bermuda-Dreieck. Verantwortlichkeiten verschwinden darin spurlos.
Und dann kommt die eigentliche Meisterleistung: Während die PSD erklärt, die Regierung sei auf dem falschen Weg, verlangt sie gleichzeitig, dass genau diese Irrläufer Teil einer breiten Regierungskoalition werden sollen. Die Bösen sind also böse genug, um kritisiert zu werden, aber gut genug, um gemeinsam zu regieren.
Der Grund dafür ist durchschaubar. Es ist die politische Vollkaskoversicherung. Die PSD möchte regieren, ohne alleine zu regieren. Sie möchte Einfluss ausüben, ohne die Folgen zu erben. Sie möchte die Macht besitzen, aber die Verantwortung verleihen.
Das politische Gehabe erinnert an eine Fußballmannschaft, in der jeder Stürmer spielen möchte, während das Tor leer bleibt. Anschließend wundert man sich über die Gegentreffer. Nur der Wähler steht weiterhin am Spielfeldrand, blickt auf das Durcheinander und fragt sich, wer eigentlich gerade den Ball hat. In der rumänischen Politik gibt es keinen Schlusspfiff. Dort dauert die Nachspielzeit an. Die gleichen Spieler laufen in anderen Trikots auf, feiern dieselben Niederlagen als Siege und suchen nach jedem Eigentor einen neuen Schuldigen.
