Als wir gegen Mitternacht auf dem Flughafen „Cristiano Ronaldo” der portugiesischen Insel Madeira landen, klatscht fast das ganze Flugzeug begeistert. Wir sind erstaunt, denn einen derartigen Applaus gibt es eigentlich nur auf Billigflügen, und meistens ist es einem peinlich, wenn der Sitznachbar beim Landen klatscht. Doch später finden wir heraus, dass das Klatschen auf Madeira etwas anderes ist – denn auf dieser Landebahn ist das Landen am schwersten – wegen extremer Winde, schwieriger Geografie und einer speziellen Flugkurve.
Nicht jedem Piloten ist es erlaubt, hier zu landen. Dafür muss man eine spezielle Ausbildung absolviert haben. Und das war nur die erste einer ganzen Reihe von Besonderheiten, die uns auf der „Insel des ewigen Frühlings“ begegnet sind.
Nach sieben Tagen im „Hawaii Europas“ ist uns eines klar – Madeira ist eine Schatzinsel. Doch der Schatz, den man hier findet, besteht nicht aus Edelsteinen und Gold, sondern aus den Erfahrungen, die man macht. Während unseres letzten Ausflugs, den wir von der Hauptstadt Funchal (die perfekte Basis für das Erkunden Madeiras) zu den Sehenswürdigkeiten im Norden der Insel unternommen haben, erzählten wir einem Touristen aus London, dass es uns leid tut, den Sonnenaufgang auf dem Gipfel Pico de Areiro nicht gesehen zu haben. „Es ist gut, dass man nicht alles gesehen hat“, entgegnete er. „Das bedeutet nämlich, dass man wiederkommen muss“.
Hier ein paar der vielen Highlights des Madeira-Urlaubs.
Tobogano Monte – Die Rodelbahn auf dem Asphalt
In Funchal kann man mitten im Sommer in einem Korbschlitten, der von zwei weiß gekleideten Männern mit Strohhüten geschoben wird, die steilen Hügel des Monte-Viertels herunterfahren. Tobogano Monte ist eine der aufregendsten Traditionen der Insel.
Doch wie geht das ohne Schnee? Erstens ist der Schlitten, auch „Carro de Cesto” genannt, ein handgeflochtener Korb, der auf stabilen Holzkufen montiert ist. Anstelle von Schnee gleitet man auf gepflasterten Straßen bergab. Die Abfahrt dauert etwa zehn Minuten, wobei man eine Strecke von etwa zwei Kilometern zurücklegt.
Die Madeira-Schlittenfahrt ist nicht nur eine lustige Fahrt bergab, sondern eine fortlaufende Tradition, die mehr als 170 Jahre alt ist. Ursprünglich war es eine praktische Möglichkeit für die Einheimischen, Mitte des 19. Jahrhunderts bergab zu pendeln.
Eine Fahrt kostet 20 Euro pro Person, für Fotos muss man weitere 10 Euro zahlen.
Natürliche Schwimmbecken
Madeira ist keine Insel für Strandurlaub. Doch nach ein paar aktiven Tagen mit Wanderungen und Adrenalin sehnt man sich doch, ein wenig im Meer zu baden und im Liegestuhl ein Buch zu lesen. Da der Atlantische Ozean oft unruhig ist und man wegen der hohen Wellen nicht so gut schwimmen kann, sollte man besser ein Naturschwimmbad aufsuchen. Das bekannteste liegt bei Porto Moniz. Die natürlichen Formen der Becken vulkanischen Ursprungs – über Jahrtausende durch die Abkühlung von Lava entstanden – ermöglichen den ständigen Eintritt von Meereswasser. So hat das Wasser aufgrund seiner ständigen Erneuerung eine ausgezeichnete Qualität. In Porto Moniz hat die Sonnenterrasse eine Fläche von 3210 m2 und der Schwimmbereich ist 3800 m2 groß. Die Anlage verfügt auch über ein Kinderbecken und einen Spielplatz. Liegestühle und Sonnenschirme können gemietet werden und die umliegende Landschaft ist so schön, dass man sich kaum sattsieht. Oft wird der Naturpool jedoch geschlossen, wenn es hohe Wellen im Ozean gibt.
Eine schöne Alternative liegt am Rande der Hauptstadt Funchal, an der Praia Formosa, und heißt Doca do Cavacas. Man erreicht das Naturschwimmbecken am leichtesten mit Uber oder Bolt, eine Fahr kostet knapp 6-8 Euro. Der Eintritt für Doca do Cavacas kostet 6 Euro. Duschen, Toiletten und Umkleidekabinen sind inklusive. Für Liegestühle und Sonnenschirme muss man zahlen, doch sie sind begrenzt, deshalb ist es ratsam, früh am Morgen zu kommen.
Poncha mit Maracuja und Fisch mit Passionsfrucht
„Eine Poncha zu trinken ist ganz okay. Sie schmeckt köstlich. Nach zwei Ponchas ist man sehr glücklich. Ab der dritten jedoch wird es schlimm“, erklärt uns ein Uber-Fahrer lachend. Wir fahren in die idyllische Ortschaft Câmara de Lobos, um hier im Hafen spazieren zu gehen und Fisch zu essen. Hier entscheiden wir uns auch, das bekannteste Getränk Madeiras auszuprobieren. Es wird aus starkem Zuckerrohrschnaps, Bienenhonig und frischem Zitronensaft zubereitet. Wir hören auf den Rat des Fahrers und bleiben bei einem einzigen Glas 2 es schmeckt köstlich, jedoch ist es für einen heißen Sommertag mehr als genug. Die Herkunft der Poncha reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück, als die „Panche“, die von den Engländern aus Indien mitgebracht wurde, hier angepasst und weiterentwickelt wurde. Die erste Poncha entstand in Câmara de Lobos, um die Fischer während der langen, kalten Nächte auf See zu wärmen. Aus diesem Grund ist sie auch als „Poncha à Pescador“ bekannt. Diese Version gilt als die originale und diente als Grundlage für zahlreiche Variationen, die im Laufe der Jahre entstanden sind. Eine der beliebtesten ist die „Poncha de Maracujá“, die die tropische Frucht integriert und einen exotischen, erfrischenden Geschmack bietet.
Zur Poncha bestellen wir ein berühmtes Nationalgericht der Insel – Schwarzer Schwertfisch mit Banane und Passionsfrucht.
Das milde Fischfilet wird mit gebratenen Bananen und einer fruchtigen Sauce aus Passionsfrucht (Maracuja), Weißwein und etwas Butter serviert. Dazu passen Süßkartoffeln oder „Bolo do Caco“, ein rundes, flaches Brot aus der portugiesischen Küche, das auch ein kulinarisches Wahrzeichen der Insel ist.
Die Ananasbanane vom Mercado dos Lavradores
Auf Madeira schmecken die exotischen Früchte an-ders. An den fruchtbaren, vulkanischen Hängen der Insel angebaut, profitieren diese Früchte vom subtropischen Klima, was ihnen einen einzigartigen Geschmack und eine hohe Qualität verleiht. Besonders die Madeira-Banane mit ihrem süßen, intensiven Geschmack und ihrer cremigen Textur hat es uns angetan. Doch dann entdecken wir auf einem Rundgang durch den Mercado dos Lavradores in Funchal eine grüne, längliche Frucht und finden heraus, dass es sich um eine Ananasbanane oder Monstera Deliciosa handelt. Das weiße Fruchtfleisch schmeckt süß und tatsächlich wie eine Mischung aus Ananas und Banane. Es ist wichtig, dass man sie nur im reifen Zustand ißt, an-sonsten ist sie giftig.
Die Frucht ist reif, wenn sich die Schuppen an der Außenseite von selbst lösen. Das Innere sollte gelb wie bei einer Banane sein. Isst man die unreife Frucht, kann sie im Hals brennen. Im Erdgeschoss des Marktes kostet eine Ananasbanane etwa 10 Euro. „Das ist viel, aber wir wollen sie probieren“, entscheiden wir. Später finden wir heraus, dass dieselbe Frucht in der ersten Etage für die Hälfte des Preises verkauft wird. Auf jeden Fall ist sie zu empfehlen!
Canyoning
In einem Neoprenanzug wandern, klettern, schwimmen, springen, rutschen und sich an Wasserfällen abseilen – Canyoning ist eine Outdoor-Sportart, bei der man eine Schlucht von oben nach unten entlang eines Gebirgsbachs zu Fuß durchquert. Auf Madeira ist diese Sportart sehr beliebt und verbreitet, für Einsteiger werden Schnupperkurse angeboten und für viele Touristen ist es das Highlight des Madeira-Urlaubs. Das Begehen von Schluchten auf der Insel bietet nicht nur aufregende Momente des Vergnügens, sondern auch direkten Kontakts mit der Natur. Die Herausforderung besteht darin, auf den
Canyoning-Routen Madeiras die reichlich vorhandenen Gebirgsbäche hinunterzusteigen und die verschiedenen Hindernisse zu überwinden, die beim Abstieg auftreten. Auf Madeira gibt es zahlreiche Canyoning-Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Alle sind gut abgesichert und man kann den Sport das ganze Jahr über ausüben. Ein halber Tag Canyoning kostet etwa 60 Euro pro Person, inklusive Abholung vom Hotel und Ausrüstung. Das Gefühl, von einem meterhohen Felsen direkt ins kalte Wasser zu springen ist unvergleichbar.
Wanderrouten ausprobieren
Die Insel Madeira ist vor allem für ihre Wanderrouten beliebt, die man zu jeder Jahreszeit begehen kann. Die beliebteste und spektakulärste Wanderung zwischen den höchsten Gipfeln Madeiras führt vom Pico do Areeiro (1818 m) zum Pico Ruivo (1862 m), dem höchsten Berg der Insel. Doch es gibt auch andere spektakuläre Routen, viele davon entlang historischer Wasserläufe (Levadas).
Hier die schönsten von ihnen:
Pico do Arieiro zum Pico Ruivo (PR1): Anspruchsvolle Bergtour über die höchsten Gipfel Madeiras (ca. 1862 m) mit fantastischen Ausblicken.
Levada das 25 Fontes (PR6): Beliebter mittelschwerer Pfad im Rabaçal-Tal zu wunderschönen Quellen und Wasserfällen.
Ponta de São Lourenço (PR8): Trockene, dramatische Halbinsel im Osten mit kargen Klippen und Blick auf den Atlantik.
Levada do Caldeirão Verde (PR9): Grüne Schluchtenwanderung durch Tunnel zu einem hohen, versteckten Wasserfall.
Vereda do Fanal (PR13): Mystischer Spaziergang durch den alten Lorbeerwald (UNESCO-Welterbe).
Die Wanderungen kann man auf eigene Faust unternehmen, oder man bucht einen Ausflug auf einer Platform wie „Get your Guide“. Es kostet ein wenig mehr, aber dafür kommt man schneller an den Startpunkt, wird am Ende der Wanderung wieder abgeholt und inbegriffen sind auch die Gebühren für die Nutzung des Wanderwegs (etwa 4,5 Euro pro Person).
