Der vielleicht schönste Ort der Welt – Yosemite-Nationalpark

Meine persönlichen Top 5 Must-Sees und Aktivitäten

Die Yosemite Valley Chapel

Wenn man an Kalifornien denkt, kommen einem wahrscheinlich zuerst die Strände mit blauem Wasser in Los Angeles oder die berühmte Golden Gate Bridge in San Francisco in den Kopf. Doch Kalifornien hat noch eine ganz andere Seite zu bieten: Im Landesinneren verändert sich nicht nur das Klima, hier befinden sich auch einige der beeindruckendsten Nationalparks der USA. Dazu gehören beispielsweise der Sequoia- Nationalpark mit seinen gigantischen Mammutbäumen und natürlich der Yosemite-Nationalpark.

Die gewaltigen Granitfelsen, die tiefen Täler und die beeindruckenden Wasserfälle kennt eigentlich jeder von Bildern. Aber was hat es mit diesem berühmten Nationalpark eigentlich auf sich? Und wie spricht man „Yosemite“ überhaupt richtig aus? Vor etwas mehr als fünf Jahren bereitete sich mein Mann, damals noch mein Freund, auf einen Sommer in den USA vor. Irgendwann schrieb er mir, dass er unbedingt den Yosemite- Nationalpark besuchen wolle. Ich, mit eigentlich ziemlich guten Englischkenntnissen, las den Namen in meinem Kopf als „Jo-se-meit“. Als er den Namen dann einmal vor mir aussprach – „Jos-SEM-i-ti“ – dachte ich tatsächlich, er würde ihn falsch aussprechen. Wie so oft im Leben musste ich allerdings kurz darauf meinen eigenen Irrtum feststellen. Er hatte nämlich recht. Der Name stammt gar nicht aus dem Englischen, sondern geht auf die Sprache eines indigenen Volkes, das früher im Yosemite Valley lebte, zurück. Als langjährige Karl-May-Liebhaberin hatte der Park damit direkt einen zusätzlichen Pluspunkt bei mir.

Der nächste Berührungspunkt mit Yosemite war der Film Valley Uprising. Darin geht es um das Yosemite Valley und seine besondere Bedeutung für die Geschichte des Klettersports. In den steilen Granitwänden rund um das Tal entwickelte sich eine Kletterkultur, die bis heute legendär ist – vom klassischen Klettern bis hin zum Free Solo, also dem Klettern ohne Seil und Sicherung. Wer sich einmal mit dieser Geschichte beschäftigt, versteht schnell, warum das Yosemite Valley eine solche Anziehungskraft auf Kletterer aus aller Welt ausübt. Und auch bei mir entstand irgendwann der Wunsch, dieses Tal nicht mehr nur aus Filmen und Bildern zu kennen, sondern selbst einmal dort zu stehen. Vor drei Jahren hat sich dieser Traum zum ersten Mal erfüllt – und weil es dort so unglaublich schön war, ging es vergangenen Herbst direkt noch einmal in den Yosemite Nationalpark.

Aber was kann man eigentlich im Park unternehmen? Hier kommen meine persönlichen Top 5 Must-Sees und Aktivitäten:

1. Mit dem Fahrrad das Yosemite Valley erkunden

Wer das Yosemite Valley zum ersten Mal besucht, steht vermutlich erst einmal etwas sprachlos zwischen den riesigen Granitwänden. Der Half Dome ragt in die Höhe, El Capitan wirkt fast unwirklich groß und überall rauschen – zumindest in der richtigen Jahreszeit – Bäche und Wasserfälle. Das Problem: Das Tal ist relativ weitläufig und gerade in der Hauptsaison kann der Verkehr ziemlich chaotisch werden. Eine meiner liebsten Möglichkeiten, das Valley zu erkunden, ist deshalb ganz klar: aufs Fahrrad steigen.

Im Yosemite Valley gibt es ein gut ausgebautes Netz an asphaltierten, relativ flachen Wegen, auf denen man viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten bequem mit dem Fahrrad erreichen kann. Fahrräder kann man direkt im Park mieten, zum Beispiel für zwei Stunden. Man fährt durch den Wald, entlang des Merced River und immer wieder öffnen sich neue Perspektiven auf die gigantischen Felswände. Ein schöner Zwischenstopp ist beispielsweise auch der Mirror Lake. Der See liegt am Fuß des Half Dome und macht seinem Namen zumindest bei wenig Wind alle Ehre: Dann spiegeln sich die umliegenden Felsen und Bäume auf der Wasseroberfläche. Im Sommer lohnt es sich, hier am frühen Nachmittag eine Pause zu machen und die Füße ein bisschen im kalten Bergwasser baumeln zu lassen.

2. Yosemite Falls

Die Yosemite Falls gehören zu den bekanntesten Wahrzeichen des Nationalparks. Mit einer Gesamthöhe von rund 739 Metern sind sie die höchsten Wasserfälle Nordamerikas. Die Yosemite Falls bestehen eigentlich aus mehreren Abschnitten: den Upper Falls, den Middle Cascades und den Lower Falls. 

Insgesamt ergibt sich daraus der gewaltige Wasserfall, den man von vielen Stellen im Yosemite Valley sehen kann. Die Lower Yosemite Falls lassen sich relativ einfach zu Fuß erreichen. Ein kurzer, gut ausgebauter Rundweg führt vom Valley zu einem Aussichtspunkt direkt unterhalb des Wasserfalls. Man kann außerdem ein Stück näher an das Wasser herankommen, indem man über einige Felsbrocken klettert. In der Nähe kann man häufig auch Kletterer beobachten, die sich an den steilen Wänden versuchen.

Wer etwas mehr Zeit und Kondition mitbringt, kann sich auch an den deutlich anspruchsvolleren Aufstieg zu den Upper Yosemite Falls wagen. Der Trail führt steil nach oben und ist mit ordentlich Höhenmetern verbunden, dafür wird man mit immer neuen Ausblicken über das Yosemite Valley belohnt. 

3. Glacier Point – Yosemite von oben

Einer der beeindruckendsten Aussichtspunkte im gesamten Yosemite Nationalpark ist ganz klar der Glacier Point. Von der Aussichtsplattform schaut man weit über das Valley und hat gleichzeitig einige der bekanntesten Felsen direkt vor Augen: den Half Dome, den Vernal Fall, den Nevada Fall und die umliegenden Gipfel der Sierra Nevada. Man kann dort Bilder von der beeindruckenden Aussicht machen, oder aber einfach auf den warmen Felsen sitzen und die Ruhe genießen. 

In der Nähe befindet sich außerdem das Glacier Point Visitor Center. Das ist nicht nur interessant, wenn man mehr über die Landschaft und die Entstehung der Granitfelsen erfahren möchte, sondern auch ein guter Anlaufpunkt für ein kleines Yosemite-Souvenir. Wer – wie ich – gerne Sticker von seinen Reisen sammelt, kann hier beispielsweise noch einen klassischen Yosemite-Sticker für die eigene Sammlung ergattern.

Glacier Point ist außerdem ein toller Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, kann beispielsweise Teile des Panorama Trails erkunden und dabei noch weitere spektakuläre Ausblicke genießen. 

4. El Capitan und die Kletterer

Auch ein Besuch am El Capitan gehört zu Yosemite einfach dazu. Der fast senkrechte Granitfelsen ragt rund 900 Meter über das Yosemite Valley und ist längst nicht nur ein beeindruckender Teil der Landschaft, sondern auch ein ganz besonderer Ort für die Kletterszene. Man muss selbst überhaupt kein Kletterer sein, um hier eine ganze Weile verbringen zu können. Mit etwas Geduld entdeckt man an der Felswand winzig kleine Punkte, die sich langsam nach oben bewegen. Noch spannender wird es allerdings, wenn man mit den Kletterern selbst ins Gespräch kommt. Viele sitzen unten am El Capitan, bereiten ihre Ausrüstung vor oder kommen gerade von einer Tour zurück. 

Mit bloßem Auge wirken die Menschen oben am Felsen fast unwirklich klein. Ein Fernglas oder eine Kamera mit Zoom kann deshalb ziemlich praktisch sein. Und dafür muss es nicht einmal hell sein. Gerade in der Dämmerung oder wenn es schon etwas dunkler geworden ist, entdeckt man plötzlich überall kleine Lichtpunkte: Stirnlampen von Kletterern, die noch an der Felswand unterwegs sind. Von Kletterern, mit denen ich letzten Oktober ins Gespräch gekommen bin, habe ich erfahren, dass man entweder einen oder vier Tage braucht, um die gigantische Felswand zu überwinden – einen Tag ohne viel Proviant und Gepäck zum Schlafen, oder vier Tage, weil es durch das Gepäck viel schwerer wird. Mit einem Schlafsack in einer Hängematte an dieser steilen Felswand zu schlafen, gehört dann auch dazu.

5. Die Yosemite Valley Chapel

Mitten im Yosemite Valley, umgeben von riesigen Granitfelsen und hohen Bäumen, steht die Yosemite Valley Chapel. Die kleine Holzkapelle wurde bereits im 19. Jahrhundert erbaut und gehört zu den historischen Gebäuden des Yosemite Valley. Wenn gerade ein Gottesdienst stattfindet, kann man einfach daran teilnehmen. Wir hatten das Glück, an einem Sonntag dagewesen zu sein und der Gottesdienst war wunderschön, mit einer kleineren Gemeinde und einem älteren Pfarrer, der auch beim Lobpreis Gitarre spielte und sang, und später die Predigt hielt. Übrigens kann man in der kleinen Kapelle auch heiraten. Aber auch außerhalb der Gottesdienstzeiten lohnt es sich, das Gebäude zu besuchen. Neben all den Wanderungen, Aussichtspunkten und riesigen Felsen ist die Chapel ein schöner Ort, um kurz zur Ruhe zu kommen.

Yosemite ist damit weit mehr als nur ein Nationalpark mit spektakulären Aussichtspunkten. Die Mischung aus gewaltiger Natur, beeindruckender Klettergeschichte und den vielen kleinen besonderen Orten macht den Park zu einem außergewöhnlichen Reiseziel. Wer selbst nicht so schnell die Möglichkeit hat, nach Yosemite zu reisen, kann sich zumindest den Film Valley Uprising anschauen – er vermittelt einen guten Eindruck davon, was das Yosemite Valley so besonders macht. Und vielleicht weckt der Film ja zusätzlich die Lust, diesen besonderen Ort irgendwann selbst zu erleben.