Die oft übersehene Perle: Craiova

Die größte Stadt von Oltenien hat mehr zu bieten, als man denkt

Im Zentrum, auf der Straße „Panait Moșoiu“, gibt es viele Restaurants und Bars. Fotos: Valentin Brendler

Das historische Zentrum von Craiova

Die „Pasajul Lipscani“ – leider etwas verlassen...

Die bekannte Hängebrücke („Podul Suspendat“) im großen Park „Nicolae Romanescu“

Am Eingang des „Nicolae Romanescu“-Parks zeigen Schilder, wie weit Lissabon, Moskau oder London entfernt sind.

Grob in der Mitte von Oltenien liegt die größte Stadt der Region: Craiova. Knapp über 230.000 Einwohner leben in der siebtgrößten Stadt Rumäniens. Eine Stadt, die in den meisten Reiseführern neben den wunderschönen Orten in Siebenbürgen, dem Banat und dem Donaudelta, oder neben dem großen und aufregenden Bukarest kaum vorkommt. Doch Craiova hat auch einiges zu bieten: Es gibt unter anderem beeindruckende Museen, einen gigantischen Park und eine einladende Altstadt.

Gerade das historische Zentrum sollte man auf keinen Fall verpassen, obwohl es zwei Gesichter hat. Manche Straßen sind nämlich leider etwas verödet. Die historischen Häuser sind teilweise in schlechtem optischen Zustand und viele Geschäfte sind schon lange geschlossen. Dies betrifft auch die bekannte „Pasajul Lipscani“, die Leipziger Passage. Dies ist eine schöne, geradezu romantische Passage in der Mitte der Stadt, die man sich unbedingt anschauen sollte. Nur leider war sie (Stand September 2026) teilweise auch etwas verlassen. Zwar gibt es einen hübschen Friseur und andere kleine Läden, ansonsten stehen die meisten Geschäftsräume leer.

Es wäre der perfekte Ort für ein kleines italienisches oder rumänisches Restaurant. Mit kleinen Tischen mit weiß-rot-karierten Tischdecken, wo die Craiover abends im warmen Licht ein Glas Wein genießen könnten. Na ja, trotzdem ist die Straße optisch schön. Und dies ist auch nur das eine Gesicht der Innenstadt.

Es gibt nämlich auch einige prächtige Straßen, in denen es vor Restaurants nur so wimmelt. Insbesondere die Straße „Panait Moșoiu“ ist gerade an Samstagabenden rappelvoll und die rumänischen, oltenischen Restaurants scheinen beliebt zu sein. Natürlich zu Recht: Das Essen ist fantastisch und die Stimmung gemütlich und einladend.

Prachtbauten und Weihnachtszauber

Abseits davon findet man im historischen Zentrum Prachtbauten wie den Verwaltungspalast und das Gebäude „Minerva“. Im letztgenannten gibt es ein einzigartiges Café im maurischen Stil, den man in Rumänien nicht oft findet. Zwar sind die Preise etwas teurer, aber gerade wegen der beeindruckenden Architektur und Inneneinrichtung ist ein Besuch fast ein Muss. Ansonsten wird das Gebäude – das in der Vergangenheit auch ein Hotel/Casino und Restaurant beherbergt hat – aktuell renoviert. Eine Übernachtung ist dort im Moment nicht möglich.

Nun, das macht ja nichts: In Craiova gibt es einige schöne und bezahlbare Hotels. Diese sind jedoch im Dezember meist ausverkauft, oder deutlich teurer. Denn in diesem Monat findet der überregional bekannte Weihnachtsmarkt von Craiova statt (dieses Jahr vom 14. November bis zum 11. Januar 2027). „Mit über zwei Millionen Besuchern pro Edition aus Rumänien, Bulgarien, Serbien, Italien, Griechenland, Großbritannien, Polen, den USA und sogar Australien hat Craiova seinen Status als größter Weihnachtsmarkt in Europa nach Fläche bestätigt“, so berichtet die Internetseite „craiova-travel.ro“.

Die beeindruckenden Museen in der Stadt

Doch auch abseits des Weihnachtsmarktes langweilt man sich in Craiova nicht so schnell, denn es gibt noch einiges zu entdecken. Insbesondere die schönen Museen. Es gibt unter anderem das Museum des rumänischen Buches und des Exils, ein geschichtliches, archäologisches Museum und ein naturwissenschaftliches.

Darüber hinaus zeigt das Oltenien-Museum in Craiova eine ethnografische Ausstellung im historischen Băniei-Haus, eines der ältesten noch erhaltenen zivilen Bauwerke in Craiova aus dem 17./18. Jahrhundert. Die Ausstellung umfasst einige wunderschöne Teppiche und Trachten und präsentiert alte Handwerkstechniken. Insgesamt möchte die Ausstellung aufzeigen, wie früher das Leben in Oltenien war. Dabei ist das Museum optisch tatsächlich beeindruckend, die historische Einordnung auf den Informationstafeln ist jedoch nur auf Rumänisch und oft sehr kurz und nur bedingt hilfreich.

Doch natürlich wurde das womöglich beeindruckendste Museum in Craiova bisher ausgeklammert: das Kunstmuseum. Dieses beherbergt zahlreiche Klassiker der rumänischen Kunstgeschichte. Die ADZ hat in der Ausgabe vom 14. Juni 2025 das Museum in einem umfangreichen Text vorgestellt.

Einer der größten Parks Europas

Wenn man danach einen kleinen oder vielleicht auch größeren Spaziergang machen möchte, bietet sich der Park „Nicolae Romanescu“ an.

Die Geschichte des Nicolae-Romanescu-Parks begann in den Jahren 1844 bis 1845, als ein deutscher Gärtner den Auftrag erhielt, auf dem Anwesen des Großgrundbesitzers Ioan (Iancu) Bibescu einen Garten mit Gewächshäusern, Gebäuden, Pavillons, Bänken, Tieren und Vögeln anzulegen, so die Stadtverwaltung auf ihrer Internetseite.

Einige Jahre später, von 1901 bis 1903, wurde der Park erweitert. Initiiert wurde dies vom damaligen Bürgermeister Nicolae Romanescu (nach einigen Namensänderungen der heutige Namensträger des Parks) gemeinsam mit dem französischen Architekten Edouard Redont. Das Projekt gewann sogar die Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris, so die Stadtverwaltung. Der Park gilt als einer der größten Europas, vergleichbar mit dem englischen Garten in München.

Schlösser, Hängebrücken und exotische Tiere

Und er hat einiges zu bieten. Unter anderem gibt es eine große Hängebrücke, die damals vor allem aus dekorativen Gründen gebaut wurde, einen See und auch eine nicht historische Burg. Diese wurde 1905 gebaut, um einen Wasserturm zu ummanteln und heutzutage ist die Burg eine Bar, neben der man ein Getränk im Park genießen kann.

Doch das ist noch lange nicht alles: Es gibt einen Aussichtsturm, ein Velodrom, ein Sommertheater, noch mehr Restaurants, Statuen von Brancuși, kleine Wasserfälle am See und nebenan ist außerdem der große Friedhof „Ungureni“, der auch zu einem bedächtigen Spaziergang einlädt.

Obendrein gibt es mitten im Park einen Zoo. Der einen durchaus überraschen kann: Gerade spaziert man noch über einen ruhigen Weg, auf einmal sieht man einen mächtigen Löwen auf einer Holzerhöhung sitzen und schlafen. Im nächsten Gehege befindet sich ein Tiger, dann sieht man zwei große Bären. Der Zoo kostet keinen Eintritt und hat einige Großkatzen, Vögel und andere interessante Tiere zu bieten.

Natürlich ist es beeindruckend, mitten in Craiova Löwen und fremde Tiere zu sehen, dennoch scheinen die Gehege (aus Sicht eines Laien) nicht besonders groß zu sein. Dadurch kann man durchaus Mitleid für die eingesperrten Tiere empfinden – eine moralische Frage, die natürlich jeden Zoo betrifft. Dennoch ist es sehr löblich, dass der Zoo allen Besucher kostenfrei offen steht und auch vom Park problemlos eingesehen werden kann.

Es gibt noch viel zu entdecken

Mit dem Zoo, dem Park, den Museen und der Innenstadt kann man sicherlich einige interessante Tage in Craiova füllen. Dazu gibt es auch noch einen botanischen Garten, einen Kinderpark, einige Malls zum Shoppen und das optisch beeindruckende Ion-Oblemenco-Stadion, falls man ein Fußballspiel anschauen möchte, und noch vieles mehr.

Gerade für einen Wochenendtrip bietet sich Craiova – das mit dem Auto, dem Zug und auch mit dem Flugzeug erreicht werden kann – an. Wenn man die Stadt erkundet, lohnt es sich jedoch zu Fuß zu gehen. Denn sonst verpasst man all die schönen, alten Häuser, die verwinkelten Gassen und die teilweise wundervollen Gärten.