Bukarest/Bangkok (ADZ/dpa) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht von einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung Rumäniens um 0,5 Prozent im laufenden Jahr aus. Für das kommende Jahr werden laut jüngster Konjunkturprognose 2,2 Prozent Wachstum erwartet. Damit hat der IWF seine Prognosen für die Entwicklung des rumänischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) deutlich zurückgefahren, in der Frühjahrsprognose wurden noch Wachstumsraten von 0,7 Prozent im laufenden Jahr sowie plus 2,5 Prozent 2027 erwartet.
Laut dem Nationalen Statistikamt (INS) ist das rumänische BIP im ersten Halbjahr 2026 bereits um 1,6 Prozent (saisonbereinigt) verglichen mit den ersten sechs Monaten 2025 gesunken.
Der IWF prognostiziert des weiteren eine durchschnittliche Inflationsrate von 8,2 Prozent über das gesamte Jahr 2026 sowie 4,1 Prozent 2027; für Ende 2026 wird eine Inflationsrate von 5,6 Prozent erwartet. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte mit 7,0 BIP-Prozent in diesem Jahr und 6,7 Prozent der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr ebenfalls höher ausfallen als im Frühjahr veranschlagt, allerdings verringert sich das Leistungsbilanzdefizit gegenüber den Werten von rund acht Prozent in den Jahren 2024 und 2025. Das Defizit des Staatshaushaltes sollte laut IWF in diesem Jahr 6,2 BIP-Prozent und 2027 5,8 BIP-Prozent erreichen. Außerdem geht der Fonds für 2026 von einer Arbeitslosigkeit von 6,5 Prozent und 2027 von 5,9 Prozent aus (nach 6,1 Prozent 2025).
IWF blickt deutlich optimistischer auf deutsche Wirtschaft
Die deutsche Wirtschaft wird laut Internationalem Währungsfonds im laufenden Jahr deutlich stärker zulegen als gedacht. 2026 dürfte das Wirtschaftswachstum mit 1,3 Prozent nun fast doppelt so stark ausfallen wie noch im Juli erwartet (0,7 Prozent), wie der IWF am Dienstag mitteilte. Für das kommende Jahr rechnen die Ökonomen nun mit einem Plus von 1,1 Prozent – 0,1 Punkte mehr als bislang.
Damit positioniert sich der IWF wie die Bundesregierung: Berlin hatte vergangene Woche genau die gleichen Prognosen veröffentlicht. Der Optimismus basiert laut Bundeswirtschaftsministerium auf der überraschend starken Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
Die Aufhellung gehe zu zwei Dritteln auf die staatlichen Investitionen in Infrastruktur sowie für Verteidigung zurück, zu einem Drittel auf Exporte, hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gesagt. Der deutsche Außenhandel konnte demnach zeitweise von weltweiten Engpässen profitieren: Käufer stockten angesichts des Konflikts in der Golfregion ihre Lagerbestände mit energieintensiven Gütern wie Stahl, Dünger und Aluminium auf, die in Deutschland produziert wurden. Auch vom Boom Künstlicher Intelligenz profitieren deutsche Zulieferer.
Irland und Spanien stützen Eurozone
Auch die Eurozone dürfte sich laut IWF besser entwickeln als gedacht. Die Wirtschaft im Währungsraum legt laut neuer Prognose 2026 um 1,1 Prozent (plus 0,2 Punkte gegenüber Juli) zu, kommendes Jahr dürfte das Plus weiter bei 1,2 Prozent liegen. Während die Gesamtwirtschaft noch im ersten Quartal stagnierte, habe das Wachstum im zweiten Quartal zugelegt. Das lag vor allem an einer sehr starken Erholung in Irland und einer andauernden Dynamik in Spanien, erklärte der IWF.
In den anderen Euro-Ländern sei die Wirtschaftsaktivität „weitgehend stabil“ geblieben. So würden weiterhin höhere Energiepreise und ein schwaches Verbrauchervertrauen das Wachstum bremsen.
US-Präsident Donald Trump hatte vor gut einem halben Jahr gemeinsam mit Israel den Krieg gegen den Iran begonnen. In der Folge wurde die noch vor dem Konflikt offene Straße von Hormus, eine für den Energiehandel bedeutsame Meerenge, blockiert. Seither fließt nur noch ein Bruchteil des Rohstoffhandels – das knappe Angebot bei hoher Nachfrage lässt die Preise nach oben schnellen.
Warum der Ölpreis-Schock die Weltwirtschaft nicht abwürgte
Dass der weltweite Aufschwung nicht abgerissen ist, führt der IWF auf mehrere Faktoren zurück: So habe sich die globale Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Energieschocks aufgestellt. Zudem hätten eine höhere Ölförderung außerhalb des Persischen Golfs, das Anzapfen strategischer Reserven und ein Nachfragerückgang in China den Preisschock abgefedert.
Für die Weltwirtschaft rechnen die IWF-Experten nun 2026 mit einem Zuwachs von 3,1 Prozent (zuvor: 3,0 Prozent). Für das kommende Jahr behalten sie ihre Prognose von 3,4 Prozent bei.
KI ein zweischneidiges Schwert
Mit Blick auf KI zeigt sich laut IWF ein zwiespältiges Bild: Während es in einzelnen Bereichen messbare Produktivitätssprünge gebe, sei der Produktivitätsschub durch KI in den gesamtwirtschaftlichen Daten wie Löhnen nur zögerlich zu sehen. Das Institut warnte zugleich vor Risiken an den Märkten: Sollte sich der KI-Hype als ungerechtfertigt erweisen und die Erwartungen enttäuscht werden, drohe ein deutlicher Abverkauf von Tech-Aktien, was das globale Wirtschaftswachstum dämpfen könnte.
IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro erläuterte auf einer Pressekonferenz in Bangkok, dass der Handel mit KI-bezogenen Gütern einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung des Welthandels gehabt habe. Das Wachstum wäre ohne KI-Güter nur etwa halb so stark ausgefallen, sagte sie auf die Frage, ob die Weltwirtschaft ohne KI-Boom in eine Rezession geschlittert wäre.
Tenreyro warnte unterdessen auch, dass die Energiekrise und der KI-Boom die Inflation anheizten. Die weltweite Teuerungsrate wird für dieses Jahr weiter bei 4,7 Prozent erwartet. Kommendes Jahr dürfte die Inflation bei 4,1 Prozent liegen und damit etwas höher als bislang erwartet.
