Justizminister Marinescu sieht „keinen Grund für einen Rücktritt“

Die PSD schießt aus vollen Rohren gegen Plagiatsjägerin Șercan

Justizminister wegen Plagiats unter Beschuss: Radu Marinescu (PSD) sieht dennoch „keinen Grund für einen Rücktritt“, er will seinen „guten Ruf“ auf dem Rechtsweg verteidigen, die PSD steht „voll und ganz“ hinter ihm. „Plagiat ist eine Art Diebstahl“, räumt zwar Premierminister Ilie Bolojan (PNL) ein, doch wolle er mangels konkreter Daten nicht urteilen. Präsident Nicușor Dan hat sich noch nicht geäußert. Sind Plagiate für rumänische Politiker bloß ein Kavaliersdelikt? | Foto: Inquam Photos / Octav Ganea

Bukarest (ADZ) – Die PSD stärkt Justizminister Radu Marinescu den Rücken, nachdem ihm die bekannteste Plagiatsjägerin des Landes, Emilia Șercan, in den letzten Tage vorgeworfen hatte, mehr als die Hälfte seiner Dissertation aus dem Jahr 2009 abgekupfert zu haben. In einer ersten Reaktion auf Șercans Enthüllungen schimpfte die PSD die Journalistin eine „Hochstaplerin“, die auf „billige Manöver“ setze, um sich auf den Justizminister einzuschießen, nachdem dieser das Ernennungsverfahren der Chefermittler der drei großen Staatsanwaltschaften losgetreten und in diesem Kontext ausdrücklich betont habe, dabei „keine politische Einmischung“ dulden zu wollen. Die PSD stehe voll und ganz hinter Marinescu und werde alles daran setzen, damit dieser sein Mandat erfolgreich zu Ende führe, hieß es in einer Aussendung der Partei. 

Marinescu selbst sagte den Medien am Dienstag, keinen Rücktritt in Betracht zu ziehen – er sehe keinen Grund dafür. Șercans Plagiatsvorwürfe bezeichnete der Minister als „Diffamierung“ – er ziehe mittlerweile in Betracht, den Rechtsweg zu gehen, um seinen „guten Ruf zu verteidigen“. 

Die Koalitionspartner sahen von kritischen Reaktionen auf den Skandal weitgehend ab, Regierungschef Ilie Bolojan (PNL) reagierte schleppend und recht evasiv, während Staatspräsident Nicușor Dan sich in dröhnendes Schweigen hüllte – alles, um die PSD offenkundig nicht zu vergrätzen und die Dauerspannungen in der Koalition womöglich noch zu vertiefen. 

Aus Sicht der heimischen Politiker sind Plagiate längst bloß ein Kavaliersdelikt: In den letzten 15 Jahren wurden gegen insgesamt neun Minister und drei Premierminister – Nicolae Ciucă, Victor Ponta und Mihai Tudose – Plagiatsvorwürfe laut, doch traten letztlich lediglich drei davon zurück.