Badische Landesbühne gastiert erneut in Temeswar

„Jeder*mann“ steht seit Herbst 2024 auf den Brettern der Badischen Landesbühne Bruchsaal und kommt Januar ans DSTT. | Foto: BLB/Dominique Brewing, Manuel Wagner

Temeswar – Die traditionsreiche Partnerschaft zwischen der Badischen Landesbühne Bruchsal (BLB) und dem Deutschen Staatstheater Temeswar (DSTT) wird durch ein Gastspiel in wenigen Tagen verstärkt. „Jeder*mann – Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ nach Hugo von Hofmannsthal kommt am 22. Januar um 19:30 Uhr auf der Bühne des Deutschen Staatheaters Temeswar zur Aufführung. Die Inszenierung stammt von Wolf E. Rahlfs, der dem Temeswarer Publikum schon als Schauspieler und Regisseur bekannt ist, zumal er hier schon öfters als Gast gewirkt hat.

Zum Stück: Jeder*mann hat alles, was ein glückliches Leben ausmacht, so Geld, Macht, Zeit, jeden Tag Party. Da klopft der Tod an die Tür. Was bleibt Jeder*mann jetzt noch? Wer steht ihm bei in seinen letzten Stunden? Weder Buhlschaft, Mammon, Freunde noch Angestellte wollen helfen. Jeder*mann erkennt die Eitelkeit seines Lebens. Hugo von Hofmannsthal stellt in seinem Mysterienspiel die Frage nach Sinnverlust und Hoffnungslosigkeit in einem Leben, das sich nur an Wachstum, Wohlstand, Zerstreuung orientiert. Mit altertümlicher Form und Sprache wollte er das Theater erneuern. Und erschuf einen Klassiker, der nicht nur in Salzburg jeden Sommer der High Society den Spiegel vorhält.

Die Inszenierung verspricht 70 Minuten Spannung, Humor und vielleicht auch Epiphanie-Momente. 1949 spielte die Badische Landesbühne als allererste Premiere Jedermann. Das 75-jährige Jubiläum nahm man sich letztes Jahr zum Anlass, Hofmannsthals Stück mit heutigen Theatermitteln zu befragen. Auf die Bühne und in die Kostüme, entworfen von Franziska Smolarek, treten Ole Xylander als Jedermann, Alice Katharina Schmidt als Buhlschaft, Mutter, Tod und Teufel und weitere allegorische Figuren und Ulrich Hartmann als Guter Gesell und Gott. Die Musik der Inszenierung zeichnet Ulrich Hartmann, die Videos Tommi Brem.

Wolf E. Rahlfs trat in der Rolle des Cristi in Alina Nelegas „Kamikaze“(2007) zunächst als Schauspieler vor das Publikum des Deutschen Staatstheaters Temeswar, dann in der Titelrolle von Friedrich Schillers „Don Carlos“ (2011) in einer Inszenierung von Alexander Hausvater. 2010 hatte er die szenische Lesung „Die Bakchen“, nach Euripides, in eigener Konzeption und Darstellung nach Temeswar gebracht. In der Spielzeit 2015/16 hat er mit großem Erfolg Michael Frayns Komödie „Der nackte Wahnsinn“ am DSTT inszeniert. Mittlerweile ist er seit drei Spielzeiten Intendant der Badischen Landesbühne, an der er 2003 zunächst ein festes Engagement, dann Gastauftritte ab 2007 hatte und u. a. Mephisto (Goethe: „Urfaust“), Arturo Ui (Brecht: „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“), Jason (Euripides „Medea“), Hendrik Höfgen (Klaus Mann: „Mephisto“) und Cyrano von Bergerac (Edmond Rostand: „Cyrano von Bergerac“) spielte oder die Regie führte für Klassiker wie Shakespeares „Macbeth“, Schillers „Maria Stuart“ und Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ sowie moderne Klassiker, darunter z. B. Peter Shaffers „Amadeus,“ Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ oder Max Frischs „Andorra“ und zeitgenössische Dramatik wie Darja Stockers „Nachtblind“, Bernard-Marie Koltčs „Kampf des Negers und der Hunde“ oder Dennis Kellys „Waisen“, die teils auf deutschen und internationalen Festivals geladen wurden.