Leitungswechsel sorgt für Unzufriedenheit bei der Belegschaft

Management pocht auf Legalität / Vetternwirtschaft und Unprofessionalität angeprangert

Temeswar – An der Klinik für Balneologie des Städtischen Krankenhauses Temeswar ist ein Konflikt um die Neubesetzung der Abteilungsleitung ausgebrochen. Ärztinnen und Ärzte der Klinik kritisieren die Absetzung des bisherigen Leiters und sprechen von mangelnder Transparenz, während die Krankenhausleitung die Entscheidung mit rechtlichen Vorgaben begründet.

Auslöser der Debatte ist ein offener Brief des Klinikpersonals, veröffentlicht auf dem Nachrichtenportal renasterea.ro. Darin beklagen die Mediziner, dass der bisherige Abteilungsleiter, Armand Gogulescu, am 31. Dezember 2025 ohne vorherige Konsultation des Teams und „per einfachem E-Mail“ abberufen worden sei. Eine fachliche Begründung sei nicht transparent kommuniziert worden.

Zum neuen Leiter der Klinik wurde der Universitätsdozent Claudiu Avram ernannt. Laut dem offenen Brief verfüge dieser nicht über die notwendige Spezialisierung für die Funktion und sei erst seit rund drei Monaten Teil des Teams, ohne „ausreichende Kenntnis der Besonderheiten und der Komplexität der Abteilung“. Zudem weisen die Unterzeichner auf einen möglichen Interessenkonflikt hin: Die Direktorin des Städtischen Krankenhauses, Stela Iurciuc, ist Taufpatin der Tochter des neuen Abteilungsleiters. Diese persönliche Beziehung erfordere, so das Klinikpersonal, „ein erhöhtes Maß an Transparenz und Zurückhaltung“, um jeden Verdacht auf Begünstigung oder Nepotismus zu vermeiden.

Die Ärztinnen und Ärzte sprechen von einem „moralischen Missbrauch“, der die berufliche Würde des gesamten Teams beeinträchtige und das Vertrauen in eine faire Krankenhausführung untergrabe. Zudem warnen sie vor einer möglichen Auflösung der Abteilung für Physikalische Medizin und Rehabilitation, die seit mehr als 60 Jahren Patientinnen und Patienten aus der gesamten Region versorgt.

Die Krankenhausleitung weist die Vorwürfe zurück und nennt formale Gründe: Bis zum 31. Dezember 2025 war Armand Gogulescu interimsweise Leiter der Klinik, jedoch ohne einen gültigen Verwaltungsvertrag für diese Funktion. Da er nicht durch den Senat der Medizinischen Victor-Babeș-Universität ernannt worden sei, habe auch keine formale Prüfung möglicher Unvereinbarkeiten stattgefunden. Aus diesem Grund habe die Krankenhausführung ein regelkonformes Verfahren zur Neubesetzung der Leitungsfunktion eingeleitet: Am 20. November 2025 habe das Krankenhaus die Universität ersucht, dem Senat die Ernennung des ranghöchsten universitären Lehrkörpers innerhalb der Abteilung vorzuschlagen. Der Senat bestätigte daraufhin am 26. November 2025 die Ernennung von Claudiu Avram. Anschließend erhielt dieser die Zustimmung des Verwaltungsrats sowie der Krankenhausleitung.

Krankenhausdirektorin Stela Iurciuc erklärte, die Entscheidung habe erst am 31. Dezember kommuniziert werden können, da der bisherige Leiter zuvor nicht erreichbar gewesen sei. Zudem habe dieser ab dem 19. Dezember das gesamte Team bis zum 8. Januar in Urlaub geschickt, obwohl die Klinik durchgehend funktionsfähig bleiben müsse. Iurciuc betonte, dass die Ernennung im Einklang mit der zum Zeitpunkt der Entscheidung geltenden Gesetzeslage erfolgt sei. Eine kürzlich verabschiedete Gesetzesänderung, die die Besetzung solcher Positionen künftig über Wettbewerbsverfahren regelt, sei noch nicht in Kraft getreten. Eine Schließung der Klinik sei nicht geplant. Den Vorwurf eines Interessenkonflikts wies sie zurück und verwies darauf, dass die Nominierung des neuen Leiters durch den Senat der Universität erfolgt sei.

Inzwischen meldete sich auch die Vereinigung der Ärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin (AMMFR) mit einer öffentliche Stellungnahme, in der sie ihre „tiefe Besorgnis und ihren Widerspruch“ gegen die Ernennung eines Arztes ohne die entsprechende Facharztqualifikation zum Leiter der Balneologie-Klinik in Timișoara zum Ausdruck bringt.

Man erinnert an den zwingenden gesetzlichen Rahmen, wonach in öffentlichen Krankenhäusern die Funktion des Abteilungsleiters ausschließlich von Ärzten ausgeübt werden darf, die über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung in der jeweiligen Fachrichtung verfügen (Gesetz Nr. 95/2006, Art. 185 Abs. 2). Vor diesem Hintergrund stellt die Vereinigung unmissverständlich fest, dass die Ernennung eines Rheumatologen an die Spitze einer Abteilung für Physikalische und Rehabilitative Medizin (PRM/MFR) einen direkten Verstoß gegen diese zwingende gesetzliche Vorgabe darstellt.

Die Klinik für Rehabilitation, Physikalische Medizin und Balneologie in Timișoara ist die einzige medizinische Rehabilitationseinrichtung im gesamten Kreis und versorgt neben lokalen Patienten auch Menschen aus den angrenzenden Landeskreisen. Darüber hinaus hat die Abteilung eine universitäre Funktion und ist für die Ausbildung von Studierenden und Assistenzärzten im Fach Physikalische und Rehabilitative Medizin im Universitätszentrum Temeswar verantwortlich.

Trotz dieser Stellungnahmen bleibt der Fall um die Klinikleitung ein Politikum in Temeswar, das Personal und Patienten gleichermaßen beschäftigt. Die Frage nach Transparenz und fairer Personalpolitik in städtischen Einrichtungen steht damit weiter im Raum.