Temeswar (ADZ) – Die Temeswarer Stadtverwaltung wirft der Temescher Behörde für Kultur und Denkmalschutz vor, die dringend notwendige Sanierung der sogenannten „Brücke der Verliebten“ ohne rechtliche Grundlage zu blockieren. Nach einem erneut negativen Gutachten der Behörde kündigte die Stadt an, die Entscheidung auf zentraler Ebene anzufechten.
Nach Angaben der Stadt stellt die in den 1920er Jahren errichtete Fußgängerbrücke über den Bega-Kanal ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und müsse dringend abgerissen und neu gebaut werden. Trotz Absperrungen werde sie weiterhin von Passanten genutzt. „Die Kulturbehörde verzögert unbegründet die Lösung einer gefährlichen Situation“, erklärte die Stadtverwaltung.
Vizebürgermeister Ruben Lațcău (USR) kritisierte widersprüchliche Entscheidungen der Denkmalkommission. Wenn ein Projekt in einer Phase genehmigt und später ohne neue rechtliche Argumente abgelehnt werde, handele es sich nicht mehr um klare Kriterien, sondern um willkürliche Entscheidungen. Als Hauptgrund für die Ablehnung nennt die Kulturbehörde die geplante Höhe der neuen Brücke, die angeblich den Blick auf die benachbarte, 1908-09 gebaute Neptun-Brücke (offiziell: Decebal-Brücke, früher dt. Parkstraßenbrücke oder Parkbrücke, ung. Liget úti-híd) beeinträchtige. Eine Reduzierung der Höhe verstoße jedoch gegen nationale Vorschriften zur Sicherheit der Schifffahrt auf dem Bega-Kanal, so Lațcău.
Das Projekt hatte in der Phase der Machbarkeitsstudie alle erforderlichen Genehmigungen erhalten, einschließlich der Zustimmung der Kulturbehörde. Nun, da die technischen Entwürfe ausgearbeitet werden, wurde es jedoch bereits zum zweiten Mal von derselben Institution abgelehnt. Die Stadt verweist darauf, dass in dieser Phase lediglich technische Details ausgearbeitet würden, ohne Auswirkungen auf Erscheinungsbild oder Volumen der Brücke.
Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt zudem eine offizielle Stellungnahme des Verkehrsministeriums vor, wonach die genehmigte Höhe aus Gründen der sicheren Schifffahrt zwingend einzuhalten sei. Dennoch habe die Kulturbehörde eine erneute Genehmigung der Wasserwirtschaftsbehörde „Apele Române“ gefordert, was rechtlich nicht begründet sei und zu zusätzlichen Verzögerungen und Kosten führe.
Der Zugang zur Brücke, die den Kinderpark mit der Fabrikstädter Pestalozzi-Straße verbindet, ist seit April 2023 gesperrt. Die Ausschreibung für den Neubau wurde im Mai 2024 veröffentlicht. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium unter Führung von Cardinal D.P. Construct mit einem Auftragswert von rund 1,8 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der Vertrag wurde im Herbst 2024 unterzeichnet. Die Stadt kündigte an, die Entscheidung der Kreisbehörde für Kultur und Denkmalschutz auf nationaler Ebene anzufechten und eine erneute Prüfung im Einklang mit der geltenden Gesetzgebung zu verlangen.




