Bukarests Aktienmarkt entwickelte sich in der vorletzten Mai-Woche entgegen der Marschrichtung des Devisenmarktes. Während dieser anscheinend wachsende Nervosität bezüglich der kurzfristigen politischen Entwicklung des Landes aufzeigt, ist die Stimmung am Aktienmarkt entspannt. Zum zweiten Mal in Folge legten die wichtigsten Indizes zu. Zwar verlangsamte sich das durchschnittliche Wachstum von 2,6 Prozent auf nur noch 0,62 Prozent, dennoch bedeutete dies für vier der wichtigsten Indizes neue Rekordstände.
Der Hauptindex BET erreichte diesen bei 30.792,47 Punkten am Donnerstag vergangener Woche. Auf Wochensicht legte er dann 0,393 Prozent zu. Der BETPlus stieg um 0,4143 Prozent auf Wochensicht, brachte es am Freitagabend auf 4430,20 Punkten, hatte ab Vortag bereits bei 4454,33 Punkten seinen neuen Rekordstand erreicht. Der Finanzwerteindex BET-FI schaffte mit plus 1,8161 Prozent das beste Wochenergebnis unter allen Indizes, dennoch reichte es immer noch nicht für ein neues Rekordhoch. Der BET-FI schloss am Freitagabend bei 106.450,20 Punkten. Auch der ROTX-Index erreichte am Donnerstag seinen neuen Rekordstand bei 69.674,83 Punkten, legte auf Wochensicht 0,3729 Prozent zu und schloss bei 69.285,02 Punkten. Der Energiewerte-Index BET-NG konnte auf Wochensicht nur 0,124 Prozent zulegen. Aber auch er schaffte es, am Donnerstag vergangener Woche einen neuen Rekordstand bei 2320,86 Punkten zu erreichen. Der Freitagsstand betrug 2309,07 Punkte.
SNP-Handel stützt Aktienumsatz
Die Aktienumsätze fielen leicht niedriger aus als die der Vorwoche (minus 4,4 Prozent). Allerdings zeichneten sich zwei Handelstage durch besonders hohe Umsätze aus. An beiden Tagen wurden viele Aktien der OMV Petrom S.A. (SNP, 1,048 Lei, ISIN ROSNPPACNOR9) gehandelt. Die Aktie brachte es auf ein Wochenvolumen von 203,2 Millionen Lei, was 33,6 Prozent des gesamten Aktienumsatzes entsprach und den Emittenten an die erste Stelle der Umsatzrangliste brachte. OMV Petrom wurde von der Banca Transilvania S.A. (TLV, 38,64 Lei, ISIN ROTLVAACNOR1) gefolgt, deren Aktien ein Umsatzvolumen von 109,2 Millionen Lei erreichten. Während SNP-Aktien leicht im Minus schlossen, konnten TLV-Papiere leicht zulegen. Insgesamt war es für die Emittenten einen gute Handelswoche. 45 Emittenten feierten steigende Kurse, für 33 Emittenten war es eine nicht so gute Woche. Doch während bei den Verlierern nur der Pharmahersteller Farmaceutica Remedia SA (RMAH, 0,808 Lei, ISIN RORMAHACNOR2) zweistellig verlor auf Wochensicht, legten im Gewinnerlager sechs Emittenten zweistellig zu – allen voran der Maschinenbauer Mecanica Ceahlău (MECF, 0,095 Lei, ISIN ROMECFACNOR0) mit plus 22,6 Prozent auf Wochensicht. Fünf andere Emittenten erreichten in der vergangenen Woche neue 52-Wochen-Höchststände. Unter anderem schafften es der Lebensmittelerzeuger Cris-Tim Family Holding S.A. (CFH, Lei, ISIN ROM2TZIHW2M4) mit plus 10,8 Prozent auf Wochensicht auf 28,35 Lei je Aktie und der Hotelbetreiber Turism, Hoteluri, Restaurante Marea Neagră S.A. (EFO, 0,74 Lei, ISIN ROEFRIACNOR6) nach einem Plus von 10,45 Prozent auf 0,775 Lei je Aktie.
IPO aus der Tourismusbranche
Einen mutigen Schritt tätigte der rumänische Reiseveranstalter Christian ´76 Tour S.A. Das Unternehmen geht in einer für die Tourismusbranche herausfordernden Zeit an die rumänische Börse. Das IPO sieht ein Gesamtvolumen von 83,5 Millionen Aktien vor, die unter dem treffend ausgesuchten Kürzel TRIP (ISIN ROE1N5GQPH38) zum Kauf angeboten werden. Davon werden 69,5 Millionen im Zuge einer Kapitalerhöhung neu ausgegeben. Die Zeichnungsfrist endet am 28. Mai, den institutionellen wie den privaten Anlegern stehen jeweils 50 Prozent zu. Die Preisspanne liegt zwischen 1,875 Lei und 2,135 Lei, private Anleger müssen den Höchstpreis zeichnen. Das Unternehmen zählte im vergangenen Jahr knapp 369.000 Kunden, ein Anstieg von mehr als 24 Prozent gegenüber 2023; der durchschnittliche Reisepaketpreis lag bei 1439 Euro. Der lokale Kontext ist aber, zumindest statistisch gesehen, sehr gut. Rumänen gaben, laut der rumänischen Notenbank, im vergangenen Jahr etwa 10 Milliarden Euro für Tourismus aus, ein Anstieg um mehr als 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut Statista reiste 2024 nur etwa jeder 10. Rumäne zum Ferienaufenthalt ins Ausland, neun vor ihm reisten zum Arbeiten oder zum Studium ins Ausland. Der EU-Durchschnitt lag bei 65 Prozent. Rumänien weist als eines der wenigen europäischen Länder ein zweistelliges Wachstum im der Tourismusbranche aus. In diesem Umfeld sieht sich der vor dreißig Jahren gegründete Reiseveranstalter als einer der größten.
Devisen
Die Regierungskrise scheint auf die Landeswährung voll eingeschlagen zu haben. Der rumänische Leu verlor gegenüber beiden Leitwährungen Euro und US-Dollar kräftig, auch vor dem Hintergrund der Bestätigung des negativem Ausblicks durch die Ratingagentur S&P Global Ende vorvergangener Woche. Die europäische Gemeinschaftswährung legte zum Leu 0,04 Lei zu, fast doppelt so viel, wie der Euro in der Vorwoche noch verloren hatte. Der Euro wird derzeit nahe der 5,25-Lei-Grenze gehandelt. Der US-Dollar legte nominell ebensoviel zu, das entspricht einem prozentualen Zuwachs von 0,96 Prozent. Damit riss er die 4,5-Lei-Grenze bereits am Mittwoch vergangener Woche. Gestern ging der Euro bei 5,2488 Lei ins letzte Rennen im Mai, der US-Dollar startete bei 4,5231 Lei.
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