Die Kraft der eigenen Perspektive

Anleitung zum Filmen für Anfänger

Filmen heißt, die eigene Perspektive sichtbar zu machen.

Filmen geht auch ohne teure Kamera – viele Smartphones bieten mittlerweile eine beeindruckende Bildqualität.

Jede Aufnahme bringt mehr Erfahrung. Zum Filmen braucht es vor allem Übung.

Kostenlose Schnittprogramme wie DaVinci bieten für den Einstieg viele der gleichen Funktionen wie professionelle Software.

Mit einer Kamera zu filmen bedeutet mehr als nur Bilder aufzunehmen. Es bedeutet, die eigene Geschichte zu erzählen, Sichtbarkeit für Themen zu schaffen und dazu beizutragen, neue Erzählungen zu formen.  
In dieser Anleitung möchte ich dir zeigen, wie du sowohl inhaltlich als auch technisch deine Stimme nutzen kannst. Dafür brauchst du weder die neueste Technik noch die ausgefallenste Idee.
Das Wichtigste ist, dass du mit deiner Kamera die Welt um dich herum einfängst und dabei deine eigene Perspektive einbringst.

Bevor es mit dem Filmen losgeht, nimm dir Zeit, um zu reflektieren: Welche Geschichte möchtest du erzählen? Vielleicht ist es etwas, das dich persönlich stark beschäftigt. Oder du möchtest deine Stadt zeigen, über Themen wie Umweltschutz oder psychische Gesundheit berichten oder einfach deine Eindrücke einer lokalen Veranstaltung teilen. Überlege dir: Warum ist dir dieses Thema so wichtig? Wie kannst du andere dafür begeistern?

Ich selbst konnte bereits einige Projekte umsetzen, von Doku-Porträts bis hin zu kleinen Kurzfilmen, und habe dabei viel gelernt, sowohl aus den Erfolgen als auch aus den Fehlschlägen. Meine Anfangszeit war vor allem von leichter Überforderung geprägt, besonders wenn es darum ging, mir bei der Themenidee über den tatsächlichen Dreh klar zu werden. Besonders herausfordernd war es, in einer lebendigen Umgebung Ruhe zu finden, um mich zu sammeln und zu fragen: „Was ist wirklich wichtig?“

Auf der technischen Seite hilft es enorm, die grundlegenden Einstellungen be-reits vorher festzulegen, um sich dann voll und ganz auf das Filmen konzentrieren zu können. Welche das sind und worauf du dabei achten solltest, erkläre ich dir im nächsten Abschnitt.

Nun zur Technik

Dafür kannst du dein Handy oder eine Kamera nutzen, die du vielleicht schon besitzt. Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten, damit das Endprodukt möglichst hochwertig wird:

  1. Stabilisiere deine Kamera auf einer festen, geraden Oberfläche. Nutze z.B. Bücher als Halterung für dein Handy.
  2. Nutze natürliches Licht, idealerweise von vorne, um dein Motiv gleichmäßig auszuleuchten.
  3. Achte auf gute Tonqualität: Vermeide laute Umgebungen, um störende Hintergrundgeräusche zu minimieren. Falls du kein externes Mikrofon hast, kannst du den Ton separat mit der Sprachaufnahmefunktion eines neueren Handys aufnehmen. Um Windgeräusche zu reduzieren, kannst du ein Stück Stoff oder einen ausgeschnittenen Schwamm über das Mikrofon des Handys legen.
  4. Denke an den Bildausschnitt, überlege dir vorher, was du in Szene setzen möchtest. Falls du eine Kamera benutzt, beachte dabei folgende Einstellungen:
  5. Stelle die Bildrate (FPS) auf 25 FPS ein.
  6. Verschlusszeit: Sie sollte immer das Doppelte der Bildrate betragen, also 1/50 Sekunde.
  7. ISO-Wert: Dieser bestimmt die Helligkeit des Bildes. Diesen Wert kannst du meist auf „Auto“ lassen oder manuell anpassen, falls es eine sehr dunkle Umgebung ist, um dein Bild optimal aufzuhellen.
  8. Blende: Die Blende im Kameraobjektiv funktioniert ähnlich wie die Iris im menschlichen Auge, sie bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht lässt sie hinein, desto heller wird das Bild.


Beim Drehen

Die Kamera kann dir helfen, die Welt bewusster wahrzunehmen. Bevor du in einem Raum mit dem Filmen beginnst, schaue dich zuerst um und werde mit der Umgebung vertraut. Welche Merkmale fallen dir auf? Falls es interessante Details gibt, kannst du diese in Nahaufnahmen festhalten. Ansonsten kannst du dich an der hilfreichen 5-Shot-Regel (siehe Kasten) orientieren, die dir  Struktur für das Einfangen von Bildern geben kann.

Was ich bisher gelernt habe?

Dass man sich nicht auf jede Eventualität vorbereiten kann. Flexibilität ist das Wichtigste.

Konkret habe ich es immer hilfreich gefunden, genügend Material an Schnittbildern zu sammeln, die man nutzen kann, um zwischen Szenen zu wechseln oder einen langen gesprochenen Teil aufzubrechen.

Bei Filmen mit der Kamera ist zu viel Bewegung oft ablenkend. Kleine, gezielte Bewegungen können viel mehr Wirkung erzielen als wildes Hin- und Herschwenken. Ich bleibe zum Beispiel gerne mindestens 10 Sekunden auf einem Motiv, damit das Bild wirken kann.

Der Schnitt

Wenn du dein Material gesammelt hast, kannst du mit einem ersten Rohschnitt beginnen. Programme wie DaVinci Resolve sind super dafür. Ja, es dauert vielleicht ein bisschen, bis das Programm heruntergeladen und installiert ist, aber dafür bekommst du viele Funktionen, die dir bei der Bearbeitung helfen.

Doch wie fängt man an? Eine Methode, die du ausprobieren kannst, ist, mit dem stärksten Bild zu beginnen, das du hast. Dieses Bild kann das „Kernstück“ deiner Erzählung werden und sollte das Interesse der Zuschauer sofort wecken. Baue dann auf diesem Moment auf. Vielleicht gibt es Szenen, die den Moment weiter erklären, zum Beispiel: Wie kam es zu diesem Moment? Und warum ist dieser Moment für die Geschichte, die du erzählen möchtest, so wichtig?

Nachdem du mental deine grobe Struktur festgelegt hast, kannst du in DaVinci Resolve ein neues Projekt starten und deine Clips in die Mediathek importieren, indem du sie einfach dorthin ziehst. Wechsel dann zum „Schnitt“-Fenster, ziehe deine Clips auf die „Timeline“ und beginne mit dem Schneiden.

Schneiden kannst du sie mit der „Rasierklinge“-Funktion oder der „B“-Taste. Du kannst die Clips nach Belieben kürzen und verschieben.

Ein Problem liegt oft darin, die richtige Länge für eine Szene zu finden. Zu lange Szenen können den Zuschauer ermüden, während zu kurze den Inhalt nicht ausreichend transportieren. Ist eine Szene zu lang, kann sie den Fluss des Films stören, während eine zu kurze Szene den Zuschauer möglicherweise verwirrt zurücklässt.

Möglichkeiten, Übergänge zu gestalten, bieten dir die Schnittbilder, die du zuvor gesammelt hast. Sie helfen dabei, den Fluss zu bewahren, indem sie eine längere Sprechpassage auflockern oder das, was gesagt wird, veranschaulichen.

In der Regel sollten die Clips innerhalb einer Szene zwischen 5 und 10 Sekunden dauern, wobei du für emotionale Momente ruhig etwas länger verweilen kannst, um deren Wirkung zu verstärken.

Um mich in diesem Programm zurechtzufinden, habe ich oft auf YouTube-Anleitungen zurückgegriffen. Mein persönlicher Retter in der Not waren dabei oft die Videos von Andreas Abb, in denen er sehr klar und verständlich sowohl die Basics als auch spezielle Fälle erklärt.

DaVinci bietet zwar viele Möglichkeiten, mit visuellen Effekten zu experimentieren, zum Beispiel eine Überblendung, die aussieht, als würde die Szene in Form des englischen Flaggenkreuzes auseinanderbrechen und sich dann wieder zusammenfügen. Aber generell empfehle ich, einen harten Schnitt oder eine einfache Überblendung zu verwenden. Das sorgt dafür, dass der Zuschauer nicht vom Inhalt abgelenkt wird und der Fokus auf der Geschichte bleibt.

Sobald du mit deinem Endresultat zufrieden bist, gehst du zum „Deliver“-Tab, wählst das gewünschte Format, z. B. MP4, das sich für einen Upload auf YouTube eignet oder MOV, wenn du mit Apple-Geräten arbeitest, und exportierst dein Projekt.

Kreativ werden

Aber letztendlich sind all diese Regeln auch dazu da, um gebrochen zu werden. Vieles, was interessant erscheint, tut dies gerade, weil es Konventionen durchbricht. Daher ist dies keine starre Anleitung, sondern lediglich eine Orientierung.

Scheue dich nicht, deinen eigenen Stil zu entwickeln und experimentieren, um herauszufinden, was am besten zu deiner Geschichte passt. Kreativität lebt von neuen Perspektiven und unerwarteten Ansätzen.

Das Wichtigste ist, dass du eine Geschichte erzählst, die dir am Herzen liegt, und dass du Spaß am Filmen hast. Also probiere dich aus, vertraue deiner Intuition und finde deine eigene filmische Sprache.


5-Shot-Regel

1. Nahaufnahme der Hände: Zeigt, was getan wird
2. Nahaufnahme des Gesichts: Fängt Emotionen ein
3. Weitwinkelaufnahme: Gibt Kontext zur Umgebung
4. Über-die-Schulter-Aufnahme: Zeigt die Perspektive der Person
5. Ungewöhnlicher Winkel: visuelle Abwechslung