Bukarest (ADZ) – Vor dem Hintergrund des drohenden Koalitionsbruchs hat Regierungschef Ilie Bolojan (PNL) am Wochenende erstmals offen harsche Kritik am Koalitionspartner PSD geübt: Was die PSD wünsche, sei „eine Marionette als Premierminister sowie eine hörige PNL“; was gestört habe, sei, dass er „Privilegien und Seilschaften abgebaut“ habe, sagte Bolojan dem öffentlich-rechtlichen Hörfunksender Radio România Actualități. Aus Sicht des Premierministers gibt es drei Gründe für die anstehende Regierungskrise: Erstens habe sich die PSD im Kontext der schmerzlichen Entscheidungen, die für den Abbau des Defizits nötig gewesen seien, vor der Verantwortung drücken wollen und daher ein „verlogenes Verhalten“ an den Tag gelegt; zweitens wolle die PSD die erste Geige spielen und Entscheidungen stets selbst vorgeben; drittens stelle die PSD die eigenen Parteiinteressen vor jene des Landes. Wäre er der Meinung gewesen, dass sein Abgang etwas bringen würde, hätte er längst seinen Hut genommen, doch würde sich seines Erachtens das Spiel bloß wiederholen – es wäre nur eine Frage der Zeit, bis die PSD auch seinem Amtsnachfolger „Probleme andichten“ würde, sagte der Premier, der abermals hervorhob, einen Rücktritt abzulehnen.
PSD-Chef Sorin Grindeanu kündigte derweil ab Montag eine „neue politische Realität“ an – seine Partei, immerhin die größte des Landes, werde eine „Kursänderung“ vollziehen, da man nicht mehr so wie bisher weitermachen könne. Seine rund 5000 Parteikollegen, die am Montag an der internen Befragung teilnehmen sollten, forderte der PSD-Chef auf, „vernünftig und luzide“ abzustimmen. Grindeanu stellte zudem klar, dass die PSD entweder „weiter einer proeuropäischen Koalition angehören oder den Gang in die Opposition antreten“ werde.





