„Die Schlacht war geschlagen und gewonnen…“

Rückblick mit S.E. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, auf die Anfänge der neuen Diözese

Bischof emeritus Martin Roos sitzt auch heute noch gerne bei den Rosenstöcken im Hof des Bischofssitzes, der durch seine Bemühungen seiner rechtmäßigen Bestimmung nach 1990 zugeführt wurde.

1990 war das bischöfliche Palais noch eine Ansammlung an Geschäften und Unternehmen.

Trostlos präsentierte sich der Innenhof des Palais, zumal die Mieter kein Interesse und teils auch kaum Mittel hatten, um es in Stand zu halten.

Einweihung des renovierten Bischofspalais in dessen Hof am 23. September 1995: am Ambo der damalige Kanzleidirektor Roos, Hauptzelebrant war Bischof Sebastian Kräuter. Fotos: Römisch-katholisches Diözesanarchiv Temeswar


Im Herbst feierte Martin Roos sein 25-jähriges Bischofsjubiläum. Zu dieser Gelegenheit hielt das Pressebüro der Diözese die Erinnerungen an die ersten Jahre der Diözese Temeswar, nach 1989, fest. Seine Exzellenz Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, wurde am 17. Oktober 1942 in Knees/Sat Chinez, Kreis Temesch, geboren. Nach dem Studium in Rumänien und Deutschland weihte ihn am 3. Juli 1971 Bischof Dr. h. c. Carl Joseph Leiprecht zum Priester für die Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nach den Ereignissen von Dezember 1989 kehrte er im Auftrag und mit Erlaubnis des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart, damals Professor Dr. Walter Kasper, in die Diözese Temeswar zurück. Er wurde Direktor der bischöflichen Kanzlei und Bischof Kräuter beauftragte ihn mit der Einrichtung des Diözesanarchivs und der Diözesanbibliothek, sowie mit der Errichtung eines neuen Diözesanmuseums. Neun Jahre später, am 28. August 1999 wurde der Priester Martin Roos zum Bischof von Temeswar geweiht. Die Fragen im folgenden Interview stellten Dr. Claudiu Călin, Enikö Sipos und Astrid Weisz.

Exzellenz, als Sie von den Veränderungen im Dezember 1989 hörten, haben Sie nach einer Möglichkeit gesucht, nach Temeswar zu reisen. Wie sind Sie zu dem Entschluss gekommen, endgültig in die Diözese zurückzukehren?

Die Ereignisse von Weihnachten 1989 ließen in mir so etwas wie Heimweh erneut aufbrechen und im Januar 1990 kam ich erstmals für kurze Zeit nach Temeswar. Damals erwähnte ich Ordinarius Sebastian Kräuter, dass ich gerne dauerhaft in die Diözese zurückkehren würde. Einige Monate später, Ende April, kam ich zur Bischofsweihe von Ordinarius Sebastian Kräuter nach Temeswar, und am 20. Juli 1990 verließ ich mit Erlaubnis meines Bischofs in Deutschland, Seiner Exzellenz Professor Walter Kasper, die Diözese Rottenburg-Stuttgart - genauer gesagt, zunächst auf zwei, dann auf fünf Jahre, mit der Möglichkeit einer späteren Verlängerung. Zu dieser Zeit befand sich der Sitz des Ordinariats in der Matei-Corvin-Straße Nr. 2. Im Erdgeschoss befanden sich die Büroräume und der Speisesaal, im Obergeschoss wohnte damals noch der ehemalige Generalvikar, Prälat Dr. Ferdinand Cziza, der aber bereits nach Deutschland ausgewandert war, und im Obergeschoss war auch das bischöfliche Audienzzimmer. Bischof Kräuter wohnte allein im Gebäude am Domplatz Nr. 10, wo er eine Küche und verschiedene andere Räume besetzt hatte. Jeden Morgen kam er ins Büro in der Matei-Corvin-Straße, wo er Audienzen abgehalten hat und seine verschiedenen Aufgaben als Diözesanbischof wahrnahm. Nach dem Mittagessen kehrte er für den Rest des Tages in das Domherrenhaus auf dem Domplatz 10 zurück.

Im Büro arbeiteten vier Personen: zwei Damen, eine Kassiererin und eine Schreibkraft, die den Schriftverkehr erledigte, und zwei Herren im Ruhestand, Architekt Franz Braun und Ingenieur Jakob Willkomm, die sich um die Verwaltung der verschiedenen Gebäude in kirchlichem Besitz kümmerten. Das war das gesamte Ordinariat!

Der Bischof hatte noch keinen neuen Generalvikar ernannt, keinen Kanzleidirektor und keinen Sekretär. Nach der Konsekration war der Bischof sozusagen Ordinarius und Ordinariat in einer einzigen Person und mutterseelen-allein. Er hatte zwar ein gutes Gedächtnis, und was er einmal gelernt hatte, wusste er auch haargenau wiederzugeben, aber wenig praktischen Sinn. Ich kannte die älteren Priester in der Diözese, aber die jüngeren weniger. Als ich hier ankam, bot mir der Bischof eine Unterkunft im Gebäude in der Matei-Corvin-Straße an, das heißt, in seinem eigenen Arbeitszimmer. Dieses Zimmer wurde mein Zuhause. Es gab hier ein kleines Konversationstischchen, zwei-drei Fauteuils, einen Schrank und eine Ziehcouch. Das war mein „Schlafzimmer“. Zum Glück gab es daneben ein Badezimmer, so dass ich irgendwie leben und arbeiten konnte. Als ich ankam, sagte mir der Bischof: „Du bist nun der Kanzler, kümmere dich um den Rest!“

Wie haben Sie sich in der Rolle des Kanzlers zurechtgefunden? Welchen Herausforderungen standen Ordinariat, Diözese und Sie gegenüber?

Zunächst habe ich versucht, mir einen Überblick über die Lage zu verschaffen und einen Aktionsplan zu erstellen. Ich begann, Pfarreien zu besuchen und in die Dörfer zu fahren, weil die Situation sehr prekär war. Die Gläubigen waren teils bereits Hals über Kopf ausgewandert, insbesondere die Deutschen, andere packten ihre Siebensachen oder saßen schon auf den prall gepackten Koffern. Auch die Priester machten sich Gedanken, ob es sich wohl noch lohne, hier zu bleiben, oder ob es nicht auch für sie besser wäre, zum Wanderstab zu greifen, nachdem sich ihre Kirchen bänkeweise von einem Sonntag zum anderen leerten. Das war die Realität in diesen Monaten des Jahres 1990. Wenn ich in die Gemeinden vor Ort kam, war oft niemand mehr da: kein Küster (Mesner), kein Organist, manchmal nicht einmal mehr der Pfarrer. Alles war in Aufbruchstimmung: Nichts wie weg von hier!

So verfiel ich dem Gedanken und schlug dem Bischof vor, wenigstens einen Sekretär anzustellen, der im Büro die Arbeit machen soll, während ich „draußen“ nach dem Rechten schaute. „Na, dann such mal jemanden!“, war die Antwort. Ich fragte die Mitarbeiter im Büro, ob sie jemanden empfehlen könnten. Eine der Damen, die in der Aula arbeitete, wohnte in der Elisabethstadt und meinte, dass der Kaplan aus ihrer Pfarrgemeinde dafür geeignet wäre. Also bat ich den Kaplan der Elisabethstadt ins Ordinariat. Ich sah, dass er ein intelligenter junger Mann war, der leicht zu lernen schien und viel Bereitschaft und Verfügbarkeit zeigte. Ich schlug also dem Bischof vor, den jungen Neupriester László Böcskei als Sekretär einzusetzen. Doch es gab ein Problem: Der Pfarrer der Elisabethstadt, Pater Lukas Jäger SDS, ein Salvatorianerpater, war sehr angetan von seinem neuen Kaplan und wollte ihn nicht ziehen lassen: „Ihr nehmt mir meinen besten Kaplan weg“, schrie er mich an, als ich ihm den Plan zu erklären versuchte, und rief sofort wütend den Bischof an. Als ich aus der Elisabethstadt zurückkam, schimpfte der Bischof mit mir über den Ärger, den ich ihm bereitet hätte. Aber schließlich gelang es doch, mit Pater Lukas zu verhandeln und das Ergebnis war: Kaplan László Böcskei arbeitete vormittags im Ordinariat und nachmittags stand er dem Pfarrer in der Elisabethstadt zur Verfügung. Diese Tätigkeit dauerte bis Mitte Februar 1991, danach bekam László seine feste Anstellung im Ordinariat. Von diesem Zeitpunkt an war er der Sekretär. Ich stellte einen weiteren Tisch in mein Büro, und er setzte sich mir gegenüber. Seitdem arbeiteten wir zusammen. Auf diese Weise konnten wir gemeinsam mit den größeren Plänen weitermachen.

Nach Monaten kam von der Nuntiatur in Bukarest ein kleines Monitum, der Bischof möge endlich einen Generalvikar ernennen. Die Wahl des Bischofs fiel auf Georg Kóbor, den Pfarrer von Tschakowa. Dieser war aber mit seiner sehr „gewachsenen“ Pfarrei und seinen vielfältigen Caritas-Projekten beschäftigt und kam nur von Zeit zu Zeit in das Ordinariat „zum Unterschreiben“. Sonst waren wir zwei – Sekretär und Kanzler – in der Bischöflichen Kanzlei unserem Schicksal überlassen.

Wie verlief die Umstrukturierung der Diözese?

In den Jahren 1990-1991 habe ich versucht, die Situation der Pfarrgemeinden zu analysieren, und ab dem 1. Januar 1992 befanden wir uns in der Lage, 101 Pfarreien zu schließen, weil sowohl die Pfarreien als auch die Kirchen und Pfarrhäuser völlig leer dastanden. Manche der Priester waren bereits nach Deutschland ausgewandert, andere wollten in der deutschen Seelsorge arbeiten und kamen um eine entsprechende Genehmigung ein, ältere Mitbrüder waren oft krank und zogen es vor, zu ihren ausgewanderten Verwandten nach Deutschland oder Österreich zu ziehen, starben auch innerhalb weniger Jahre dahin. Diese ehemals ansehnlichen deutschen Pfarreien wurden zu Filialen. Es blieben 71 Gemeinden übrig. In der Zwischenzeit waren nur zwei Pfarreien errichtet worden: die Pfarrei Neusentesch/Dumbr²vi]a, noch unter Bischof Kräuter, und die Pfarrei Allerheiligste Dreifaltigkeit in Reschitza-Govândari, die ich errichtet habe. Zur Zeit von Bischof Sebastian Kräuter gab es nur die vier alten Dekanate aus der kommunistischen Zeit: Temeswar, Arad I (deutsche Pfarreien des Kreises Arad) und Arad II (ungarische Pfarreien im Kreis Arad) sowie Reschitza. Auch für die Priester, die hier blieben, war es nicht leicht, denn statt einer Pfarrei mussten sie sich um drei oder vier Gemeinden kümmern. Es gab ehemalige Gemeinden, in denen es keine katholische Seele mehr gab, niemanden, dem man die Kirche hätte anvertrauen können, niemanden, dem man die Schlüssel der Kirche hätte übergeben können.

Denkt man heute an das Römisch-Katholische Ordinariat in Temeswar, ist es der jüngeren Generation unvorstellbar, dass dies woanders als im Palais in der Pacha-Straße unterzubringen sei. Ganz anders sah dies bei Ihrer Rückkehr 1990 aus. Wie haben Sie die Renovierung in Angriff genommen?

Ich war mit zwei Vorhaben aus Deutschland gekommen: die Renovierung des alten, herabgekommenen Bischofspalais und die Erhebung der Wallfahrtskirche Maria-Radna in den Rang einer Basilika Minor. So war es mit den Banater Priestern, die zum Teil schon lange im Westen lebten, bei einer Zusammenkunft in Mönchsdeggingen bei Nördlingen – falls ich mich recht entsinne –, bevor ich nach Temeswar aufbrach, be- und abgesprochen worden.

Die Einreichung des Antrags und die Erlangung des Dekrets zur Erhebung der Wallfahrtskirche von Maria-Radna in den Rang einer Basilika Minor war das einfachere Objektiv. Dabei war die neu- bzw. wiedereingerichtete Nuntiatur in Bukarest federführend beteiligt. Die Renovierung des Bischofspalais und die Rückverwandlung in einen brauchbaren Bischofssitz waren etwas schwieriger. In der Zwischenzeit war das Gebäude in der Matei-Corvin Straße 2 auch schon zu klein geworden, das pompöse Gebäude war schier zum Bersten gefüllt. Wir mussten also das Gebäude des alten Bischofspalais so schnell wie möglich in Angriff nehmen. Aber mit welchen Mitteln? Die dritte große Frage war, was mit den entleerten Pfarreien geschehen solle.

1991 begannen wir, Pläne und Budgets zu erstellen. Die beiden Herren Ingenieure aus dem Ordinariat waren zwar im Ruhestand, hatten aber doch Verbindungen, kannten die Behörden, und halfen uns, die notwendigen Genehmigungen für die Renovierung des alten Diözesansitzes zu erhalten. Sie kümmerten sich zu Hause um den notwendigen Papierkram, während ich versuchte, im Ausland Geld zu beschaffen. In Wien gab es die kirchliche Einrichtung des Europäischen Hilfsfonds, der Mittel der Bischofskonferenzen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich verwaltete. Dort legten wir die Pläne, den Kostenvoranschlag und alle erforderlichen Unterlagen vor. Von Wien aus fuhr ich nach Bonn, der damaligen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, wo es ein ähnliches Zentrum gab; ich ging zur Deutschen Bischofskonferenz, zum Bundesinnenministerium und zu manch anderer Stelle. Zunächst wurden uns lediglich Versprechungen serviert, aber mit der Zeit kam auch das Geld und wir konnten mit den Arbeiten beginnen.

Damals gab es im Gebäude, im Obergeschoss, elf private Mieter, die nicht umziehen wollten, und im Erdgeschoss, ich weiß nicht mehr genau, ob es elf oder vierzehn staatliche Firmen waren. Der erste Raum, der frei wurde, war der Lotterie-Sitz, der sich an der Stelle befand, wo jetzt der Pförtnerraum ist. Das Eis war gebrochen! Im Nu verbreitete sich die Nachricht: „Se întorc popii/Die Pfarrer kehren zurück!“. Offenbar wusste man, dass dieses Gebäude einst eine Bischofsresidenz war und den „Popii“ gehörte.

Die Menschen, die im Palais wohnten, waren eigentlich Mieter, da das Gebäude bereits an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben worden war, oder?
Das Gebäude hat eine interessante Geschichte. Als Bischof Augustin Pacha 1950 verhaftet wurde, hat man das Haus mit der Begründung beschlagnahmt, es sei das Privateigentum des Bischofs. Obwohl es offensichtlich weder sein Privatbesitz war, noch sein konnte! Im Jahr 1953 reichte die Diözese – damals, vom kommunistischen Staat, einseitig zum Rang eines Dekanats („Protopopiat“) degradiert – eine Klage gegen die Stadtverwaltung ein und machte geltend, dass das Gebäude kein Privateigentum sei, sondern Eigentum und Sitz einer kirchlichen Institution. Diese Klage gewann das Bistum, allerdings unter der Bedingung, dass die dort inzwischen ansässigen Privatmieter und staatlichen Unternehmen nicht zwangsgeräumt werden dürfen. Oben, wo sich jetzt der rote Saal befindet, war das Büro der Fleischindustrie (Industria Cărnii), und unten, in der südwestlichen Ecke, war die Universitätsbuchhandlung, früher das sog. Cartea Rus²/die Russische Buchhandlung. Die Räume des heutigen Diözesanmuseums waren ein Antiquitäten- und Pfandgeschäft, und dort, wo heute die Bibliothek ist, befand sich eine Lederwaren- und Schuhreparaturwerkstatt – sie zog in das Gebäude auf der anderen Seite der Pacha-Straße, gegenüber vom Bistum. Damals wurden die heutigen Archivräume von einer Buchbinderei angemietet. Auch der Hof war ganz vermietet, nur eine Garage blieb dem Ordinariat für das Dienstauto des Bistums. Die Miete war allgemein eine kleine, unbedeutende Summe, eher symbolisch, der Preis von zwei Streichholzschachteln. Es sah alles schrecklich heruntergekommen aus: Das Ordinariat hatte keine Mittel zur Erhaltung des Gebäudes, die Mieter kein Interesse, das Haus in Stand zu halten, waren selber oft arme Arbeiter, die staatlichen Institutionen ohnehin uninteressiert, da keine Eigentümer. Tut mir leid, dass ich damals keine Fotos gemacht habe, aber ich hatte keine Zeit dafür. Als Bischof Augustin Pacha 1954 starb, hatte das Ordinariat das alte Pfarrhausgebäude in der Josefstadt als Sitz zugewiesen bekommen. Der Ordinarius und der Generalvikar wohnten daselbst bis 1975, als sie die Gebäude in der Matei-Corvin-Straße 2 und am Domplatz 10 zurückerhielten. Dann zogen sie dahin. Ordinarius Konrad Kernweisz starb in der ihm zugedachten Wohnung auf dem Domplatz 10.
Im Obergeschoss, wo sich jetzt die Sakristei und die Kapelle befinden, wohnten zwei ältere Eheleute, die als nächste auszogen. Alle anderen verlangten, dass wir ihnen größere, schönere Wohnungen und das im Stadtzentrum besorgen mögen. Einige Mieter lebten hier schon seit fast vierzig Jahren. Mit dem großen Mietgebäude gegenüber dem Ordinariat, in der Augustin-Pacha-Straße 2, hatten wir großes Glück, denn sobald dort eine Wohnung frei wurde, zog eine Mieterpartei dahin um. Die letzten Mieter haben in den Räumlichkeiten gewohnt, in denen sich jetzt die Küche und das kleinere Esszimmer befinden. Sie wollten sich überhaupt nicht bewegen. Wir waren bereits dabei, die Schlussarbeiten in Angriff zu nehmen, doch die alleinstehende Frau mit ihrem Sohn wollten sich immer noch nicht von ihrem Zuhause trennen. Was sollten wir mit ihnen machen? Schließlich kauften wir eine Wohnung in einem der Stadtviertel und so zogen sie endlich aus. Dann wurde auch diese Ecke schnell abgeschlossen und am Vortag zum Feste des Heiligen Gerhard, am 23. September 1995, haben wir das Gebäude feierlich eingeweiht und seiner ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt. Das war der Anfang!

Welche Reaktionen bekamen Sie hierzulande für diesen Erfolg?

Irgendwann – die Arbeiten liefen bereits seit geraumer Zeit auf Hochtouren – hatte sich die Nachricht von der Restaurierung des historischen Gebäudes bis nach Bukarest durchgesprochen. Es kam eine angeblich hochgradige Kommission, die uns zunächst ausgeschimpft hat, weil wir „ohne Bukarest“ das Projekt in Angriff genommen hätten, doch nach gründlicher Besichtigung der Baustelle bekannten die Herren – es war wohl um 1993 – unter sich, mit leiser Stimme, es sei die einzige Baustelle im Lande, „die funktioniere“. Ein weiteres Moment war die Einweihungsfeier: Wir hatten natürlich neben den illustren Gästen aus Politik und Kirche auch die Medien – auch die aus Bukarest vom staatlichen Rumänischen Fernsehen – eingeladen, die sich alle Mühe gaben und jede Bewegung, aber auch das Haus von außen und innen aufnahmen. Zum Schluss jedoch platzte der eine Reporter heraus: „Das ist alles schön und gut, was die hier gemacht haben, aber wir können dies nicht in die Sendung bringen, denn es ist alles katholisch!“

Die Renovierung bedeutete einen enormen Arbeitsaufwand. Welche Helfer standen Ihnen da zur Seite?

Es war in der Tat eine Menge Arbeit, aber wir haben auch viele Helfer gefunden, sogar aus Deutschland und Österreich. So kümmerten sich ein Architekt und Bauunternehmer aus Deutschland, Franz Wesinger († 28.03. 2024) von Olching bei München, um den notwendigen Papierkram und die Auszahlungen der Rechnungen und die Abrechnungen gegenüber den staatlichen wie der kirchlichen Hilfsstellen und Geldgebern, insbesondere an das Bundesinnenministerium in Bonn, an die Deutsche Bischofskonferenz, an den Europäischen Hilfsfonds in Wien, an „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“ in Königstein im Taunus und später auch an „Renovabis“ in Freising. Der Temeswarer Bauunternehmer Constantin Marcu, ein Neffe des Märtyrer-Bischofs Konstantin Ignatz Bogdánffy, arbeitete ebenfalls für uns. Die Fenster wurden von einem Bauunternehmer, einem Mitglied meiner früheren Pfarrgemeinde von Stimpfach, hergestellt, eingebaut und verputzt – gegen einen annehmbaren Preis. Federführend war hierin mein ehemaliger Vorsitzender im Kirchengemeinderat aus Stimpfach, Herr Gebhard Schips. Die Vorhänge in den einzelnen Räumen des Ordinariats wurden von einer Näherin, Frau Gabriele Schlöder, ebenfalls aus Stimpfach unentgeltlich genäht, wobei ihr Ehemann, Herr Wilhelm Schlöder unermüdlich technische Handgriffe leistete. Auch die Mitglieder der Temeswarer Jugendgruppe des bischöflichen Sekretärs László Böcskei, genannt „Szt. Gellért“, halfen tatkräftig mit: Sie trugen Schutt und Trümmer weg, halfen aber auch den Bewohnern, schneller auszuziehen, indem sie des Nachmittags kamen, sangen, musizierten und ein bisschen Lärm machten, um den Mietern zu zeigen, dass sie an einem ruhigeren Ort besser aufgehoben wären…

Kurz vor Abschluss der Restaurierungsarbeiten kam eine hilfsbereite Gruppe von Frauen aus den verschiedenen Pfarreien der Stadt und brachten die einzelnen fertiggestellten Räume des Ordinariats auf Hochglanz, so dass die letzten Handgriffe das gesamte Gebäude für den Tag der feierlichen Weihe herausputzten.

Die Schlacht war damit geschlagen und gewonnen, was so mancher Skeptiker angesichts des anfänglichen „Ruinenfeldes“ bezweifelte, da die blanken Mauern mit den gähnenden Fenster- und Türlöchern den Besucher anstarrten, der sich dabei fragte, ob aus diesem Chaos wohl jemals eine Ordnung werden oder gar ein Ordinariat neu erstehen könne…

Herr Bischof, vielen Dank für das Gespräch und für Ihre Zeit!