Die Zukunft, heute

Der Savantgarde-Newsletter bringt Neuheiten und Köstlichkeiten aus Wissenschaft, Technologie und vielem mehr

Marius Cosmeanu wurde er unter anderem mit dem Otto-von-Habsburg-Preis in den Jahren 2008 und 2024 ausgezeichnet, der Journalisten ehrt, die für den Schutz von Minderheiten und die Förderung der kulturellen Vielfalt in Europa arbeiten. Foto: Radu Moț

Wie glücklich ist Rumänien? Ein Fuchs überquerte den Atlantik ohne Fahrkarte. Trump plant Golfplätze und Luxuswohnungen in Siebenbürgen. Australien ist das erste Land, das Kindern unter 16 soziale Konten verbietet. Die Tränen der Männer scheinen ehrlicher zu sein als jene der Frauen. NASA hat die Sonne aus so geringer Nähe wie nie zuvor fotografiert. Die Neanderthaler könnten in 20 Jahren zu neuem Leben erweckt werden. Warum fotografieren wir obsessiv? Die Migration von Ratten in Städten gibt Aufschluss über die Verbreitung tödlicher Krankheiten. Die neue Religion der Schönheit. Die erste im Labor gezüchtete Speiseröhre ermöglicht Schweinen wieder das Schlucken.

Mit solchen zugespitzten Einzeilern zieht Marius Cosmeanu, Soziologe, Journalist und Übersetzer, seit neun Jahren Tausende Leser in seinen Bann. In seinem wöchentlichen Newsletter „Savantgarde“ sammelt er die relevantesten Informationen aus der internationalen Presse zu Themen wie Wissenschaft und Technologie, Natur, Persönlichkeiten oder Kunst und Design und sendet sie seinen rund 5000 Abonnenten per Mail. Auch tolle Essays, Filmempfehlungen, Videoreportagen und Konzerttipps sind in der Selektion enthalten. „Savantgarde” ist eine Kombination aus „savanți“, also Gelehrte oder Wissenschaftler und „Avantgarde“.

Kuratiertes Wissen aus aller Welt 

Cosmeanu wählt aus Hunderten von Artikeln aus Zeitungen oder Zeitschriften wie „New York Times“, „Noema Mag“, „Reuters“, „Vogue“, (auf Englisch), aber auch aus dem „Spiegel“, „Politico“ oder „Scena9“ und „Cultura la dub²“ die bedeutendsten Beiträge aus, von denen es rund 40 in seinen Newsletter schaffen. Dabei beachtet er sowohl die Qualität, den Neuigkeitswert, thematische und geografische Vielfalt als auch die Relevanz der Informationen und den Innovationsgrad der vorgestellten Projekte. „Ich versuche Informationen aus dem Bereich Sci-Tech verdaulich und leicht verständlich zu machen!, erklärt der mehrfach preisgekrönte Journalist. „Savantgarde zeigt die Zukunft von heute, beziehungsweise das, was in naher Zukunft geschehen wird – wohin wir uns bewegen.”

Die Abonnenten aus aller Welt, vor allem Intellektuelle ab 30, darunter auch viele Persönlichkeiten aus dem Inland, erhalten jedes Wochenende die Auswahl an Artikeln. Rund 20 Prozent der Leser leben im Ausland. Ein Teil der Beiträge ist auf Rumänisch, die meisten  allerdings auf Englisch. „Es ist eine intelligente Auswahl, ein Smart Digest, voller Persönlichkeit und etwas Humor“, sagt der Gründer, der bewusst auf kenntnisreiche Auswahl setzt. Der Ton ist persönlich, humorvoll und von feiner Ironie geprägt – ein Markenzeichen des Journalisten.

Sieben Rubriken, ein klarer Blick 

Die Artikel in „Savantgarde“ sind in sieben Rubriken aufgeteilt und dadurch sehr übersichtlich und leicht zu verfolgen. Jeder Beitrag ist in einem Satz zusammengefasst, sodass man sich auf einen Blick entscheiden kann, was einen interessiert. „Niemand liest 50 Artikel. Jeder wählt sich aus, was ihn interessiert.”

Die Hauptrubrik ist „SciTech“ zum Thema Wissenschaft und Technologie, in der verständlich geschriebene Artikel über Innovationen verlinkt werden. In der jüngsten Ausgabe des Newsletters wird auf einen Artikel der Max-Plank-Gesellschaft über den ersten deutschen Preisträger des Abelpreises 2026 verwiesen, eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der Mathematik. Marius Cosmeanu fasst die Information wie folgt zusammen: Der erste Deutsche, der den „Nobel für Mathematik“ gewinnt.

Ergänzend zur Rubrik „SciTech“, empfiehlt die Sparte „Industry“ beispielsweise Artikel zur Künstlichen Intelligenz, sozialen Medien oder Influencer. Texte und Videos über das Weltall, politische Analysen oder Beiträge zu Erfindungen sind in den weiteren Sparten, „Privește cerul“ (Blick in den Himmel) und „Life&Society“ (Leben und Gesellschaft) zu finden. „Art&Design“ bringt spannende Beiträge über Kunst und Design in der Welt. Auch wer mehr über Natur und Aktivitäten unter freiem Himmel erfahren will, findet Spannendes in den Rubriken „Out-door“ und „Natur“.

Das Sahnehäubchen ist die „Story“ (Geschichte) am Ende des Newsletters, in der Dokumentationen, Podcasts, Konzerte oder tolle Lieder zu genießen sind.

Organisch gewachsen

„Savantgarde“ ist in den letzten Jahren stark gewachsen und wird seit der ersten Nummer vom rumänischen Unternehmen Combridge, Teil der Deutschen Telekom finanziell getragen. Der Newsletter ist wie das Motto des Projekts, Tristan                Tzaras „Dada Manifesto“ von 1918: „Ideal, ideal, ideal. Knowledge, knowledge, knowledge. Boomboom, boomboom, boomboom!”. (Ideal. Wissenschaft. Boomboom). Der Gründer spricht mit Begeisterung über seine zwei, manchmal dreitägige Arbeit an der Erstellung des Newsletters und der lockeren, freundlichen Gestaltung. Dabei ist ihm aber das publizistische Anliegen extrem wichtig: redaktionelle Freiheit. „Projekte wie dieses und andere unabhängige Mediaprojekte treten subtil gegen das korrupte und beruflich verkommene Mediensystem auf“, unterstreicht der Journalist. 

Er freut sich über die Gemeinschaft, die sich um das Projekt gebildet hat, und ist weiterhin bereit, auch weitere neugierige Leser zu informieren. Anmelden kann man sich auf der Internetseite savantgarde.substack.com  unter „Subscribe”.

Ein Journalist mit Haltung 

Marius Cosmeanu ist Lesern von seiner langjährigen Tätigkeit als Journalist bei namhaften rumänischen Zeitungen wie „Cotidianul“, „Academia Cațavencu“, „România liber²“ oder von der Zusammenarbeit mit „Europa Liber²“ bekannt. In seinen Texten hat er oft über die ungarische Minderheit berichtet. Dafür wurde er unter anderen mit dem Otto-von-Habsburg-Preis in den Jahren 2008 und 2024 ausgezeichnet, der Journalisten ehrt, die für den Schutz von Minderheiten und die Förderung der kulturellen Vielfalt in Europa arbeiten. Darüber hinaus war er in vielen Projekten für Minderheitenrechte involviert.

Nach Jahren in Bukarest lebt der Journalist und Übersetzer wieder in seiner Heimatstadt Neumarkt/Târgu Mureș, von wo aus er an mehreren Projekten arbeitet. Eines davon hat auch mit Siebenbürgen zu tun. Mit „Savantgarde“ aber macht er weiter, Woche für Woche.