Die Heimann-Stiftung setzt sich seit Jahren für Deutsch-Italienischen Austausch ein. Es gibt Aufenthaltsstipendien in Deutschland, ein Literatur-Duo und ein Literatur-Tandem von jungen Künstlern, die miteinander in kulturellen Austausch treten. Organisiert, finanziert und gegründet wurde die Stiftung von Gerda und Archim Heimann vor genau zehn Jahren. Doch auch wenn die Sitftung sich nicht mit Rumänien befasst, könnte die Idee und das Vorgehen der Stiftung für Rumänen, Deutschrumänen oder Deutsche interessant sein, die etwas Geld zur Verfügung haben und damit etwas Gutes für die jüngere Generation tun wollen. Wie die Stiftung funktioniert, was sie ihren Gründern bedeutet und welche Probleme es auch geben kann, berichtet Archim Heimann im Interview mit ADZ-Journalist Valentin Brendler, der selbst am Tandem im vergangenen Jahr teilgenommen hat.
Herr Heimann, wie kommt man dazu, eine Stiftung zu gründen?
Zunächst einmal haben meine Frau und ich uns bei NGOs in Wiesloch, wo wir wohnen, engagiert. Doch da waren wir in Organisationen und mussten auch hineinpassen. Das hat für uns nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt haben.
Also wollten wir eine eigene Stiftung gründen. Dafür muss man jedoch auch Geld haben. Doch das hatten wir. Dann haben wir uns gesagt: ins Grab nehmen wollen wir es nicht, aufessen können wir es auch nicht, super teure Reisen zu machen, gefällt uns nicht. So, dann versuchen wir doch, was Sinnvolles zu machen!
Dann kommt da normalerweise viel zurück! Man kriegt ja auch Feedback von den Leuten und das ist eine schöne Bestätigung. Es klappt auch nicht immer alles, aber es ist eine schöne Aufgabe, wo man etwas gestalten kann.
Meine Frau und ich haben also im Jahr 2016 die Stiftung gegründet und haben dann lange überlegt, was wir machen wollen. Wir wollten vor allem junge Leute unterstützen; mit Fokus auf Völkerverständigung. Denn das sind auch Sachen, die man gut virtuell über das Internet machen kann, wo man nicht immer persönlich anwesend sein muss. Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, dass es mit Italien zu tun haben soll.
Warum genau Italien?
Es hat natürlich auch einen persönlichen Aspekt. Wir reisen gerne nach Italien und haben beide Italienisch gelernt. So können wir das Günstige mit dem Guten verbinden. Es gibt aber auch noch einen anderen Grund. Es gibt viele andere Länder, wie Frankreich, Polen und Amerika, wofür es mehr Angebote in Deutschland gibt. Städtepartnerschaften, Schüleraustausch und so weiter. Gerade mit Frankreich. Bei Italien gibt es ein bisschen weniger und es gibt auch viele Stereotypen. Sowohl auf der deutschen, als auch auf der italienischen Seite. Ein Ziel von uns war es, da etwas Licht hineinzubringen.
Bei der Stiftung geht es, wie Sie gesagt haben, um Völkerverständigung. Warum ist Ihnen das wichtig?
Wenn man mit offenen Augen durch die Welt läuft, dann sieht man, wie oberflächlich oft Entscheidungen getroffen werden. Deswegen wäre es wirklich schön, wenn man ein klein bisschen mehr zum Nachdenken anregen kann. Und da macht es natürlich besonders viel Sinn, wenn man junge Leute erreicht, weil diese noch ihr ganzes Leben vor sich haben.
Beim ersten Projekt, das wir organisiert haben, haben wir mit ungefähr zwölfjährigen Schülern über Vorurteile gesprochen. Sie sollten ihre Stereotypen zu Papier bringen und herunterschreiben, was die Deutschen auszeichnet und andersherum. Das war nicht unbedingt tiefgründig, aber es war der erste Schritt.
Abseits davon wird Literatur, bildende Kunst und Wissenschaft gefördert. Warum machen Sie das?
Zuerst zur Literatur. Diese hat natürlich viel mit Sprache zu tun und wenn man Leute zusammenbringt, die eine andere Sprache eigentlich gar nicht verstehen und sich in diese vertiefen müssen, ist das ein sehr intensives Erlebnis für beide Seiten. Man sieht dabei auch das Interesse der Leute an Sprache und Kontexten. Sie lernen, wo eine Handlung sich abspielt. Das ist das Tolle!
Wir haben am Anfang auch versucht, Residenzen für Schriftsteller zu machen, mit dem Ziel, die Bücher dann zu veröffentlichen, aber das hat sich als sehr teuer erwiesen und auf der anderen Seite kauft das auf diese Weise keiner. Denn ein Buch zu verkaufen, ist sehr schwierig. Der Nutzen sollte von da an im Projekt selbst liegen.
Es gibt aber auch einen Nachteil. Man kann Literatur nicht so leicht in öffentliche Veranstaltungen bringen. Man muss Leute finden, die Italienisch und Deutsch können. Wir hatten erst immer Lesungen mit allen Tandem-Teilnehmern, das war jedoch sehr schwierig, weil zu viele Texte an einem Abend vorgetragen wurden. Es war ein bisschen naiv von uns, weil man so als Zuhörer sehr wenig mitkriegt.
Und warum bildende Kunst?
Der Vorteil der bildenden Kunst ist, dass man sie nicht übersetzen muss. Die sieht man. Dafür ist die Sache aber auch nicht einfach einzuschätzen. Wie talentiert sind die Leute wirklich? Welches Interesse haben sie? Zuerst haben uns lokale Künstler bei der Auswahl geholfen, aber irgendwann haben wir festgestellt, dass sie zu abhängig von ihrem eigenen Kunstgeschmack sind. Mittler-weile bitten wir die Bewerber um Empfehlungen von Institutionen oder anderen Künstlern. Damit können wir besser einschätzen, wie weit sie bereits sind.
Wie sieht es bei der Wissenschaft aus?
Die Wissenschaft zu fördern, ist manchmal ganz schwierig. Es gab zum Beispiel einen Extremfall. Es kam jemand, der hat den Aufenthalt nur als Standort für seine weltweiten Tätigkeiten genutzt und flog alle vierzehn Tage weg. Da waren wir nicht streng genug in den Vorgaben. So war das eigentlich nicht gedacht.
Abseits davon ist es schwer, Wissenschaftler zu finden – italienische oder deutsche – die für ihre Arbeit hier, in Wiesloch, Heidelberg oder in der Nähe, etwas machen müssen. Wir unterstützen immer noch Wissenschaftler, aber nur noch in Kooperation mit der Universität Heidelberg. Wenn sie sagt: „Der ist OK“, dann ist er das auch.
Sind Sie selbst kunst- oder wissenschaftsaffin?
Meine Frau und ich haben beide etwas ganz anderes gemacht. Wir sind Ingenieure von der Ausbildung her und haben in diesem Bereich gearbeitet. Wir waren weder literatur- noch kunstaffin, aber nun kommen wir in ganz andere Welten rein und beschäftigen uns damit.
Was unterscheidet Ihre Arbeit von anderen Stiftungen?
Wir kennen neben uns vor allem große Stiftungen, wie die Robert Bosch Stiftung oder die Baden-Württemberg Stiftung. Das sind natürlich ganz andere Dimensionen. Ich glaube, was uns ausmacht, ist, dass wir aus den Mitteln, die wir einsetzen, viel mehr herauskriegen, weil wir keine Verwaltung haben. Es ist für unsere Arbeit auch wichtig, dass man kompetente Partner dabei hat, zum Beispiel das italienische Kulturinstitut, Schulen oder Universitäten. Bei anderen Stiftungen, wenn da Projekte abgewickelt werden, ist viel mehr Berichtswesen dabei, auch für die Teilnehmenden, während wir das hier ein bisschen pragmatischer machen können. Aber auch wir haben das ein bisschen geändert. Das mit dem Pragmatischen ist immer ein zweiseitiges Schwert. Wenn alle lieb und nett sind, dann klappt das gut, wenn manche meinen, man könnte das auch ein bisschen dehnen, dann ist das nicht Sinn des Ganzen. Ich glaube, wir haben da mittlerweile einen ganz guten Weg gefunden.
Die Stiftung gibt es mittler-weile seit zehn Jahren, welche Erfolge konnte sie schon feiern?
Der Erfolg ist, glaube ich, der, dass man nachhaltige Dinge hinkriegt. Zum Beispiel das Literatur-Tandem, das Literatur-Duo, die sich dann Jahr für Jahr wiederholen und wir versuchen, diese immer besser zu machen. Am Anfang hatten wir auch keine Möglichkeiten für Residenzen. Wir haben dann irgendwann ein Haus erworben, dass wir der Stiftung zur Verfügung stellten. Dort kann man nun die Residenzen absolvieren. Diese sind ganz praktisch für uns. Sie bereiten weniger Organisationsaufwand und auf der anderen Seite ist es eine schöne Gelegenheit, die Leute mal nach Deutschland zu holen. Sie laden auch oft Freunde und Familie ein, die dann auch mal hierherkommen können. Ein großer Erfolg ist auch, dass das Netzwerk immer besser geworden ist. Mit den Universitäten aus Heidelberg, Stuttgart und Freiburg zum Beispiel. Es ist wichtig, jemanden als Partner zu finden, der auch einen eigenen Nutzen daraus hat, sonst funktioniert das manchmal nicht so gut.
Wollen Sie auch etwas mit Rumänien machen?
Dafür müssten wir mehr finanzielle Mittel haben. Wir machen alles alleine. Es würde unsere Kräfte übersteigen. Wir kriegen immer wieder Anfragen von Organisationen und Gruppen: „Könnt ihr auch was mit anderen Ländern machen?“ Wir möchten aber wirklich bei Italien bleiben, sonst geht der Fokus verloren.
Warum nehmen Sie und ihre Frau das alles auf sich? Warum machen Sie das?
Wir haben beide aufgehört zu arbeiten. Dann ist man Rentner. Davor gibt es viel Geschwätz, dass dann eine super Zeit kommt, wo man machen kann, was man will. Das reicht vielleicht für drei Jahre und danach kommt eine große Leere. Man kann nicht nur Golf spielen, Seereisen machen oder lecker Essen gehen. Irgendwann füllt einen das nicht mehr aus. Was ich schön finde bei dieser Arbeit, ist, dass nicht immer alles gut geht – Sachen können auch schiefgehen. Es ist eine schöne Herausforderung. Daran können wir uns reiben, uns messen.
Toll ist auch, dass unsere Söhne da-ran Spaß haben. Sie sind noch etwas jünger als wir und wenn sie das weiterführen würden, wäre das sehr schön. Ein schönes Signal ist es, dass der Eine seit zwei Jahren Italienisch lernt. Das finde ich nicht schlecht. Sie haben nicht so viel Zeit, sich einzubringen, weil sie auch beruflich zu tun haben. Aber dass das Interesse bei ihnen vorhanden ist, finde ich schon gut. Das Thema und die Aufgabe interessiert sie.
Eine Stiftung besteht für immer und ewig, die verschwindet ja nicht auf einmal. Man kann sie einer größeren Stiftung angliedern, aber es ist natürlich schöner, wenn man jemand findet, der sie weiterführt.
Meine Erfahrungen beim Literatur-Tandem
Wie das Literatur-Tandem der Heimann-Stiftung funktioniert, kann ich als ehemaliger Teilnehmer aus eigener Erfahrung berichten. Die Ausschreibung ist meist am Ende eines Jahres auf heimann-stiftung.de zu finden und gilt dann für das nächste Jahr. Einzusenden war ein literarischer Text und ein Motivationsschreiben. Überzeugt man die Jury – die aus ehemaligen Teilnehmern und aus Professoren von verschiedenen Universitäten besteht (dies kann jedes Jahr wechseln) – bekommt man von der Stiftung einen Tandempartner zugeteilt.
Archim Heimann und seine Frau treffen diese Auswahl meistens nach Gefühl. Welche Texte und welche Personen – die man bisher nur aus den Anschreiben kennt – könnten zusammenpassen? Mir wurde der Italiener Pietro Carraro zugeteilt. Carraro und ich hatten dann bis ungefähr Ende März Zeit, die Texte des anderen zu übersetzen. Der deutsche Partner soll den italienischen Text ins Deutsche und der Italienische den deutschen Text ins Italienische übersetzen. Dabei ist es jedoch nicht verpflichtend, die andere Sprache wirklich zu können. Es dürfen Übersetzer benutzt werden, worauf ich wegen meiner fehlenden Sprachkenntnisse zurückgreifen musste.
Während der Arbeit war der Kontakt mit Pietro eher spärlich. Wir sprachen manchmal online auf Englisch über die Texte, aber vollendeten unsere Arbeiten größtenteils alleine. Doch nach der Abgabe der Texte stand ein weiterer wichtiger Teil des Tandems an: die beiden Partner sollen sich treffen und sich gegenseitig kennenlernen. Dies wurde von der Stiftung finanziert. Carraro und ich hatten uns vorgenommen, dabei auch das Land des jeweils anderen wirklich kennenzulernen und uns gegenseitig in unseren Wohnungen zu besuchen. Auch dies ermöglichte die Stiftung, obwohl damit ja zwei statt einem Treffen finanziert werden mussten. Ich besuchte ihn also in Turin und er mich in Hildesheim, wo wir damals lebten. Er zeigte mir seine kleine Studentenwohnung im Herzen der Stadt, seine Universität, seine Hobbys, die lokalen Restaurants und das Leben in Norditalien insgesamt. Und ich stellte ihm das doch manchmal triste Niedersachsen vor. Dabei sind wir durchaus Freunde geworden und sprachen offen über unsere Leben und Probleme, auch wenn diese doch recht unterschiedlich waren. Die Freundschaft ist, neben der finanziellen Unterstützung, der literarischen Aufgabe und der Möglichkeit zum Reisen, das Wichtigste, was ich persönlich vom Tandem mitnehme und weshalb ich es jedem uneingeschränkt empfehlen kann.
Valentin Brendler







