Eine Pinakothek auch für Modernes

Zehn Malerinnen Rumäniens leihen Hermannstadt ihr Statement

Dem barocken Brukenthalpalais steht auch das 21. Jahrhundert bestens. Fotos: Klaus Philippi

Nicht alle einheimischen Kunstfreunde Hermannstadts sind auf Alexandru Chitu]² gut zu sprechen – die Halle im Stockwerk der Abteilung für Zeitgenössische Kunst dafür wurde eröffnet, als er kommissarisch das Brukenthalmuseum leitete und auch das Sibiu Contemporary Art Festival (SCAF) richtig Fahrt aufnahm.

Hermannstadt – Zur Werbung hatte das Brukenthalmuseum noch Mittwoch, am 29. April, ein Plakat mit gelbem und rosa gerahmtem Blitz online gestellt; Stunden vor der Vernissage am Dienstag dafür, dem 5. Mai, war man letztlich wohl doch davon abgerückt, die Ausstellung einer zehn Profis in sich vereinenden Gruppe von in Klausenburg/Cluj an der Universität für Künste und Design (UAD) studierten Malerinnen geradezu krachend in Hermannstadt/Sibiu einschlagen lassen zu wollen.

Das Gezackte war plötzlich ersatzlos weg, nicht aber der Einsatz vom Pink, das für die Bezeichnung der Expo herhalten musste: „Cealalaltă față a lumii“. Was für eine „Kehrseite der Welt“ ist festzustellen, sobald bildende Künstlerinnen sich gemeinsam im Sendungsbewusstsein wähnen, die künstlerische Branche aus ihrem Korsett der Männerwelt zu lösen? Den Katalog zur Ausstellung, 2023 in Klausenburg in das Programm vom Idea-Verlag aufgenommen, gibt es zum Stückpreis von 148 Lei. Ein stolzer Tarif, hinter dem sich erfreu-licherweise viel mehr als bloß aufsässig zur Schau getragener Feminismus verbirgt. Kunstwissenschaftlerin Alexandra Chiriac, die 2024 das Kuratieren im anspruchsvollen Meron-Café in Klausenburg besorgt hatte und dem Schaffen von Ioana Olăhuț, Anca Bodea, Ioana Iacob, Roxana Ajder, Mirela Moscu, Anca Brânzaș, Oana Năstăsache, Ana Maria Micuț und Andrea Tivadar bestätigte, in der Nachfolge prägender Damen von Welt wie Artemisia Gentileschi, Geta Brătescu, Louise Bourgeois oder Frida Kahlo zu stehen, war zur Präsentation selber Sammelausstellung im Brukenthalmuseum und seiner Zweigstelle für Zeitgenössische Kunst zwar nicht angereist. Dafür aber spielte Liviana Dan, ehemalige Brukenthalmuseums-Mitarbeiterin langer Erfahrung und beharrliche Kritikerin des konservativ genügsamen Hermannstadt, ihren Heimvorteil mit dem Hinweis auf „das recht klare Statement“ der bis Ende Mai offenen Expo aus. Co-Kuratorin Alexandra Runcan wiederum war in der Halle des Stockwerks in der Quergasse/Str. Tribunei leider kaum gut zu verstehen, worauf Raluca Teodorescu als Intendantin versprach, dass man hier fortan beim Sprechen auf eine Verstärkungsanlage zurückgreifen werde. Insgesamt acht der zehn beteiligten Malerinnen waren zugegen und ließen sich gern von Anca Bodea einzeln vorstellen, die es ihrerseits natürlich nicht versäumte, Ioana Olăhuț als erste Frau an der Spitze des Departements für Malerei an der UAD zu erwähnen. Als zehnte Künstlerin mit ins Boot geholt wurde die gleichfalls in Klausenburg diplomierte Hermannstädterin Ioana Tocoaie. Liviana Dan erklärte völlig zutreffend den gewissen Unterschied zwischen den unten im Parterre und oben in der ersten Etage exponierten Bildern, und auf das Ehrenwort, dass anschließend im Brukenthalpalais-Hof sicher keine Ansprachen mehr folgen würden, war Verlass. Die allererste Besucherin übrigens, die dort eintraf, hatte zuvor in der Abteilung für Zeitgenössische Kunst wirklich aufgepasst und stellte trotz der im Palais fehlenden Beschriftungen genau fest, welche Malerin das ein oder andere Werk kreiert haben muss. Die Farben, Lichtspiele und Gestaltungen sprechen evident für sich. Auch die von DJ Vlad zum Umtrunk unter freiem Himmel am sonnigen Frühjahrsabend aufgelegte Musik stimmte.