„Uns Rumänen gefällt es, uns auf das zu konzentrieren, was nicht funktioniert“, sagt Penny/REWE Romania CEO Daniel Gross. Und fügt an: „Doch es gibt auch ein positives Rumänien – und das wächst. Man muss auch erzählen, was gut funktioniert“, insistiert er und nennt nur ein Beispiel.: „Vor drei Jahren gab es keine einzige Tierfutterfabrik in Rumänien – inzwischen ist das Land sogar Exporteur“. Mit der positiven Meinung über sein Land ist Gross nicht allein. Deutsche Unternehmen sehen Rumänien als wichtigen und zukunftsträchtigen Standort, heißt es auf dem Event der Deutschen Botschaft Bukarest und der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer (AHK) zur Vorstellung der Studie „Wirtschaftsbeziehungen zwischen Rumänien und Deutschland. Eine Erfolgsgeschichte“ am 7. März in der Residenz der deutschen Botschafterin.
Die Studie soll in zehn Kapiteln „Erfolgsgeschichten erzählen, die der Öffentlichkeit nicht bekannt genug sind“, motiviert Botschafterin Angela Ganninger. Daten und Zahlen machen deutlich: Die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien schaffen konkrete Vorteile für beide Länder – eine echte Win-Win-Beziehung, die beiden Seiten neue Chancen eröffnet.
Die deutschen Unternehmen sehen Rumänien nicht nur als kurzfristige Gewinnchance, sondern „investieren kontinuierlich in Menschen, Kompetenzen und lokale Gemeinschaften und tragen so zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der rumänischen Wirtschaft und zur Entwicklung einer modernen und nachhaltigen Geschäftsumgebung bei“, erklärt AHK CEO und Vorstandsmitglied Sebastian Metz.
Ihre finanziellen Beiträge durch Kapitalsteuern, Einkommenssteuern sowie weitere Abgaben sind beträchtlich: 2024 zahlten deutsche Unternehmen fast sechs Milliarden Euro an direkten Steuern. Diese Summe übertrifft den jährlichen Zufluss von Mitteln nach Rumänien im Rahmen des nationalen Aufbau- und Resilienzplans (PNRR).
Entwicklung in allen Landeskreisen
Heute arbeiten über 252.000 Menschen in Unternehmen mit deutschem Kapital, was mehr als fünf Prozent aller Arbeitsplätze in der rumänischen Wirtschaft entspricht. Ihre Präsenz ist im ganzen Land spürbar, nicht nur in der Hauptstadt. Einige Beispiele:
• In Miroslava bei Jassy/Iași ist Mennekes Electric zu einem wichtigen Arbeitgeber geworden und hat zur Profilierung der Region als Industriestandort beigetragen.
• In Blasendorf/Blaj haben die kontinuierlichen Investitionen von Bosch die Stadt zu einem modernen Industriezentrum mit Exportorientierung gemacht.
• In den letzten Jahren haben Rheinmetall in Mediasch sowie Knauf in Târnăveni Fertigungsstätten eröffnet.
• Im Automobilsektor beschäftigen große Investoren wie Bosch, Dräxlmaier und Schaeffler insgesamt mehrere Zehntausend Mitarbeiter.
• Im Einzelhandel bieten Kaufland, Lidl und Penny landesweit mehr als 32.000 stabile Arbeitsplätze.
In den letzten beiden Bereichen investieren deutsche Arbeitgeber in die Aus- und Weiterbildung ihrer Arbeitskräfte, wie im Rahmen der Deutschen Berufsschule in Kronstadt. Zahlreiche Unternehmen implizieren sich zudem in lokale und soziale Projekte. Das sei Tradition für deutsche Firmen, erklärt Metz im Rahmen der Panel-Diskussion „Menschen. Fähigkeiten. Wettbewerbsfähigkeit: Win-Win Netzwerk für die deutsch-rumänische Partnerschaft“ zwischen dem Wirtschaftsattaché der deutschen Botschaft Cristina Raiciu, E.ON România CEO Volker Raffel, Penny CEO Daniel Gross und Dr. Daniela Staicu, Lektorin an der mehrsprachigen FABIZ-Schule an der Wirtschaftsakademie ASE, moderiert von Mihai Marc von der Konrad Adenauer Stiftung. Als ein Musterbeispiel nennt die Studie das 2019 lancierte Programm ACCESS von Kaufland, das inzwischen national und international als „best practice“ Beispiel gilt und den Zugang behinderter Menschen zum Arbeitsmarkt fördert. Über 500 Behinderte sind inzwischen Teil von Kaufland-Teams im ganzen Land geworden und haben zahlreiche Auszeichnungen gewonnen.
Rumänische Hersteller in internationalen Produktionsketten
Die bilateralen Handelsbeziehungen sind ausgeglichen, wie die Zahlen für 2024 zeigen: Rumänien hat Güter im Wert von 19 Milliarden Euro exportiert und Güter um 23,5 Milliarden Euro importiert. Rumänische Produzenten erweisen sich als zunehmend kompetitiv und gut integrierbar in große internationale Produktionsketten, heißt es in der Studie.
Hinter dem Handelsvolumen von 42,6 Mrd. EUR stehen häufig Industriegüter, die in Deutschland und Rumänien gemeinsam entwickelt und produziert wurden. Aus Rumänien werden insbesondere Maschinen, elektrische Komponenten, Fahrzeuge und Metallerzeugnisse nach Deutschland exportiert.
In Rumänien gefertigte Teile gelangen über die globalen Netzwerke der deutschen Partner auf Märkte in der ganzen Welt, beispielsweise über das Luftfahrtunternehmen AIRBUS und den Automobilzulieferer Dräxlmaier. Über Continental Tires und dessen Standort in Temeswar wurden 80 Millionen Fahrzeuge weltweit mit Reifen ausgestattet.
Motor für Forschung und Entwicklung
Deutsche Unternehmen schätzen an Rumänien den konstruktiven Ideenaustausch mit Universitäten und haben Forschung und Entwicklung zu einem Wachstumsmotor für beide Länder gemacht. Unternehmen wie Infineon, AUMOVIO, Siemens, Deutsche Bank und ebm Papst haben Entwicklungszentren in Rumänien aufgebaut, welche hochwertige Arbeitsplätze und die Chance auf Top-Karrieren bieten. Die Zeiten, in denen Rumänien als Billiglohnland für unqualifizierte Arbeiten gefragt war, sind definitiv vorbei: Die Studie nennt 15 große Unternehmen, von BMW, Bosch, Continental bis hin zu Siemens Energy, die Zentren für Forschung und Entwicklung in Rumänien betreiben. Hinzu kommt das Europäische Kompetenzzentrum für Cybersicherheit in Bukarest.
Als Folge der Kooperation mit der Wirtschaft werden an Universitäten bedarfsgerecht neue Master-Themen entwickelt, zum Beispiel der „Master in Energiewirtschaft“, erläutert Staicu. Vor allem im Ingenieurwesen und in IT erhalten Studenten durch Kooperationen zwischen Universitäten und Unternehmen Zugang zu moderner Technologie, praktische Erfahrung schon während des Studiums und Karriereperspektiven im In- und Ausland. Solche Partnerschaften eröffnen auch Möglichkeiten für die Finanzierung von Projekten durch EU-Mittel.
Auch die duale Berufsausbildung wird seit Jahren von deutschen Investoren unterstützt und stößt in eine wichtige Lücke. Denn in Rumänien gelten technische Ausbildungen als wenig attraktiv, Berufsschulen sind überholt und es fehlt an praktischen Elementen. Duale Ausbildung schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Firmen ziehen sich ihren Nachwuchs vor Ort heran, junge Leute können in der Region bleiben und haben gleich nach Abschluss der Schule einen Arbeitsplatz.
Deutsche fördern Naturtourismus
Als Folge einer starken deutschen Präsenz ist der Tourismus zu einer immer wichtigeren Säule der rumänischen Wirtschaft geworden: Im Jahr 2024 bildeten mehr als 240.000 deutsche Touristen die stärkste Gruppe ausländischer Touristen im Land. Deutsche sind interessiert an nachhaltigem Tourismus, authentischem Erleben, an der einzigartigen Natur, Land und Leuten, Geschichte und Kultur. Ein Drittel aller deutschen Touristen zog es ins Donaudelta, aber auch die Karpaten sind ein wichtiger Attraktionspunkt. Beliebt ist vor allem Aktivtourismus: Wandern, Trekking, Radfahren. Der Radweg entlang der Donau zieht rund 40.000 Deutsche pro Jahr an – die größte Gruppe unter den ausländischen Radfahrern. Ihr Beispiel steckt zunehmend auch Einheimische an. Auch der Weitwanderweg Via Transilvanica profitiert vom deutschen Interesse: Christine Thürmer ist die erste Frau, die die Via Transilvanica allein in voller Länge durchwandert hat. Die Beliebtheit dieses nachhaltigen Tourismussegments – im Gegensatz zum Massen-Badetourismus an der Schwarzmeerküste, den Deutsche eher meiden – bietet eine Chance für die Weiterentwicklung von Kultur- und Naturtourismus in ländlichen Regionen, vor allem in Siebenbürgen, Maramuresch und Bukowina. Dank deutscher Touristen habe sich Rumänien in den letzten Jahren vom Insider-Geheimtipp zu einer gefragten Tourismus-Destination entwickelt, wird Christian Macedonschi von Smart City Brașov in der Studie zitiert.
Auf Wunsch mehr rumänische Produkte im Retail
Aber auch die Wünsche der Rumänen werden berücksichtigt: Penny CEO Gross nennt als Beispiel das Programm Triplu-RO, das dem Wunsch rumänischer Kunden nach mehr heimischen Produkten Rechnung trägt. Das Produktlabel Triplu-RO bedeutet, die Hauptzutaten kommen aus Rumänien, das Produkt wurde in Rumänien verarbeitet und auch im Land verpackt. Somit unterstützen „Hunderte Triplu-RO Produkte“, wie es auf der Webseite von Penny heißt, lokale Produzenten, Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft.
Wie kann man Investoren anziehen?
Die Landkarte in Kapitel 5 „Motor für Arbeitsmarkt und regionale Entwicklung“ zeigt die Verteilung der deutschen Unternehmen auf die verschiedenen Landeskreise. Während Bukarest mit 1960 deutschen Firmen, gefolgt von Temesch (1013), Hermannstadt (839), Klausenburg (520) und Kronstadt (490), zu den Spitzenreitern gehört, bilden Botoșani (29), Tulcea (28), Buzău (25), Gorj (23), Vrancea (20), Giurgiu (17), Vaslui (11), Călărași (10), Teleorman (9) und Ialomița (8) das Ende der Liste als Schlusslichter. Was in der Diskussion die Frage aufwarf: Warum sind manche Regionen so unattraktiv für deutsche Investoren? Manchmal sogar jene, wo es ausreichend Arbeitskräfte und sogar mit deutschen Sprachkenntnissen gibt? Gross meint: „Investoren gehen dorthin, wo sie erwünscht sind – und wo es Kunden gibt.“ Metz fügt an, für manche Unternehmen – Windparks etwa – sei die Grundbuch-Situation ein großes Hindernis: „Der schwierigste Teil besteht oft darin, herauszufinden, wem ein Grundstück gehört.“ Hinzu kommt die Infrastrukturlage: Verkehr, Elektrizität, Digitalisierung… Staicu gibt zu bedenken, Investoren müssten proaktiv angeworben werden, etwa auf internationalen Fachmessen. „Sie kommen nicht, wenn man sie nicht einlädt.“ Deshalb erarbeitet FABIZ derzeit einen „Leitfaden für die Gewinnung von Investoren“: Wie stellt man die Vorteile der Region dar? Welche Infrastruktur gibt es? Was kann die lokale Gemeinschaft bieten? Diese Dinge seien für Investoren wichtiger als irgendeine staatliche Förderung, habe eine Umfrage unter Unternehmen ergeben, erklärt sie. Und: „Das Material muss natürlich auf Deutsch sein, denn nicht alle können Rumänisch.“







