Einen Termin mit dem neuen Leiter des Rumänischen Hörfunks ausmachen? Dazu bedarf es tatsächlich an Hartnäckigkeit. Denn Robert Schwartz ist ständig unter-wegs – nicht nur auswärts, auf Events, sondern insbeson-dere im eigenen Haus: vom Archiv über Studios bis zum Dachboden, er spricht mit den Mitarbeitern, informiert sich, erkundet, was ist, was verbessert werden kann. ADZ-Redakteur Șerban Căpățâna schafft es, etwas über eine halbe Stunde mit ihm zu sprechen, und schon muss er zum nächsten Termin: diesmal zur Probe des hauseigenen Chors.
Herr Schwartz, erlauben Sie mir erstens, Ihnen herzlichst zur Ernennung in diese Verantwortungsfunktion zu beglückwünschen. Wieso glauben Sie, dass Sie die richtige Wahl sind? Was befähigt Sie dazu, diese Stelle als Leiter des öffentlich-rechtlichen Rumänischen Hörfunks einzunehmen?
Vielen Dank! Ich glaube nicht, dass dieses Amt klar abgegrenzte Qualitäten erfordert. Es ist kein starres Amt, in dem du einfrierst und dich nach vier Jahren auftauen lässt und wegläufst. Es ist ein sehr mobiles und flexibles Amt. Um ehrlich zu sein, als ich den ersten Vorschlag von Vertretern der USR bekam (die Koalitionspartner hatten sich darauf geeinigt, dass die Union zur Rettung Rumäniens den Intendanten des Hörfunks vorschlagen solle) , habe ich schon fast reflexartig „nein“ gesagt. Ich suche kein Amt. Ich bin Journalist und mache meine Arbeit als Journalist, ganz gleich, ob ich ein Amt innehabe oder nicht.
Danach habe ich ein bisschen überlegt, jenseits der Emotionen, die wieder hochgekommen sind: Ich habe hier genau vor 50 Jahren angefangen zu arbeiten, als Student in der englischsprachigen Sendung von Radio Rumänien International in einem Jugendclub, auf Einladung der „großen Dame des Rumänischen Hörfunks“, Catinca Ralea. Sie hatte es mir und meiner Freundin und Studienkollegin, Simone de Turzansky, ermöglicht, freie Mitarbeiter des Radios zu werden und hat mich später der deutschsprachigen Sendung weiterempfohlen.
Dort hatte ich die Gelegenheit, Persönlichkeiten des rumänischen Hörfunks kennenzulernen. Als Student und auch später, als ich bereits Lehrer an der deutschen Schule in Bukarest war, habe ich im Sommer bei Radio Vacan]a in Mamaia gearbeitet, beispielsweise mit Paul Grigoriu, dem „Halbgott“ des rumänischen öffentlichen Hörfunks, der mein Lehrmeister und guter Freund wurde.
Sie kennen also die Institution seit einem halben Jahrhundert?
Genau. Und das war dann auch ein Grund, weiter nachzudenken, was ich tun würde, falls ich das Amt tatsächlich bekommen würde. Welches wären die Schritte?
Schritt 1: Zusage. Schritt 2: Warum? Weil mir diese Institution sehr viel bedeutet. Und weil ich vieles, was ich hier gelernt habe – und hier beziehe ich mich jetzt nicht nur auf journalistisches Handwerk, sondern auch auf das technische Radiohandwerk – vieles, was ich hier gelernt habe, einige Jahre später bei der Deutschen Welle 1:1 anwenden konnte. Mehr noch, dieser auf rumänisch so klar klingende Ausdruck „transfer de expertiz²“, also, das, was wir mitnehmen können aus einer Richtung in die andere und dann wieder zurück, ist überaus wichtig, dieses Hin und Her der Expertise, die man angesammelt hat. Ich habe vieles dort anwenden können und hatte eine sehr solide Basis für all das, was danach in den 32 Jahren bei der Deutschen Welle (DW) mit mir passiert ist oder uns gemeinsam dort passiert ist.
Dann kam der dritte Schritt: OK, du kennst ein paar Leute im Radio wegen der langjährigen Partnerschaft Radio România – DW, sprich mal mit denen. Was könnte man machen, wenn man eine gute Mannschaft hätte, was könnte man behalten, was muss unbedingt sofort geändert werden, was kann man schrittweise in Angriff nehmen?
Letztendlich war es eine bewusste Entscheidung, ja zu sagen. Darauf folgte die Anhörung im Ausschuss für Kultur und Medien des Parlaments. Und dann das Votum im Plenum. Trotz all den politischen Spielchen, mit der Opposition, die rausgegangen ist, wurde ich mit 241 Ja-Stimmen (ich hätte 232 gebraucht), gewählt.
Und dann begann für mich der Wettlauf mit der Zeit: Wie viele Tage brauche ich, um wieder reinzukommen ins Radio? Welches wären die Prioritäten? Was kann man sofort in Angriff nehmen, was kann man sofort verbessern oder verändern? Was muss man auf jeden Fall unangetastet beibehalten?
Es sind jetzt bald 100 Tage vorbei und ich bin in Phase 2. Ich habe mir die Amtszeit in Phasen eingeteilt, ganz gleich, ob politisch irgendwann mal während dieser vier Jahre, meiner theoretischen Amtszeit, etwas passiert. Politische Veränderungen sind immer da und deshalb habe ich das von mir weggeschoben. Ich gehe davon aus, dass ich meine Amtszeit erfolgreich zu Ende führen kann und der Erfolg, der mir so vorschwebt, hängt nicht nur von mir ab. Er hängt von der Zusammenarbeit hier im Hörfunk ab und auch vom Zwischenspiel mit dem Parlament.
Wichtig ist auch das Budget. Und da wissen wir sehr genau, wenn wir die Meldungen aus dem Parlament aufmerksam verfolgt haben, dass das Budget nicht größer werden wird. Aber wir haben Möglichkeiten gefunden, hier Sachen zu verändern, die nicht die Welt kosten. Du brauchst guten Willen und du brauchst die Mannschaft. Und wenn du ein Team hast, das du mitreißen kannst und das auch dich mitreißt – das ist ja ein Geben und Nehmen – dann kannst du Sachen umsetzen.
Da wir vom Parlament sprechen, fürchten Sie politische Einmischung in Ihre Tätigkeit?
Es gibt Leute, die versuchen, mich politisch zu verorten. Aber wie ich schon während meiner Anhörung gesagt habe: Entpolitisierung ist eines meiner Hauptziele. Entpolitisierung heißt, richtig, unabhängig, journalistisch solide und glaubwürdig zu arbeiten; jede politische Einflussnahme oder jeder Versuch einer politischen Einflussnahme wird sofort auf den Tisch gelegt und sofort weggefegt. Nein, politische Einflussnahme wird es nicht geben mit mir. Da habe ich mich klar ausgedrückt. Politische Informationen, also Nachrichten, Fakten, sollen – das ist klar – sofort, ausgewogen, ausgeglichen übertragen werden, gefolgt von Debatten, von Interaktion mit Gästen im Studio. Nur daraus kann sich eine Hörerin oder ein Hörer überhaupt ein Bild machen.
Und deshalb müssen wir trennen zwischen Information, Kommentar und Debatten. Die Trennung von Fakten und Meinungen ist ein journalistisches Grundprinzip, dazu stehen wir.
Was mir hier noch fehlt – und daran arbeiten wir bereits auch: investigativer Journalismus. Das ist in den letzten Jahren vernachlässigt worden. Wenn man relevant bleiben will, dann muss man Mut zur Debatte und zum investigativen Journalismus haben, man muss nachforschen und entdecken.
Und neben der politischen Information finde ich es sehr wichtig, auch Kultur und Erziehung nicht zu vernachlässigen.
Wie haben Ihre ersten Tage nach der Amtsübernahme ausgesehen?
Am ersten Tag wollte ich mir das Haus ansehen und bin aus dem Untergeschoss bis aufs Dach gegangen. Ich habe Ecken gefunden, in denen ich nicht arbeiten würde, aber in denen unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten müssen. Das Haus ist 73 Jahre alt, es ist ein historisches Gebäude, extra fürs Radio gebaut, hat wunderbare Räumlichkeiten, hat den wunderbaren Radiosaal mit einer phantastischen Orgel, es ist die größte in Südosteuropa. Klammer auf: Seit anderthalb Jahren funktioniert sie nicht, weil irgend etwas kaputt und kein Geld zur Reparatur da ist. Ich habe die Sache in Angriff genommen, denn die Orgel ist ja auch auf unseren Druckmaterialien und auf unserem Logo zu sehen. Sie muss aber auch gehört werden! Es ist, als ob man ein tolles Auto hat, aber man lässt es jeden Tag vor der Tür, poliert es noch jeden Tag etwas, aber fährt niemals damit. Weil ein Rad fehlt. Wir müssen generell sehen, dass wir das Gebäude ein bisschen in Schwung bringen, denn es ist ja auch unsere Visitenkarte.
Ich wollte mir auch das Archiv ansehen. Wir haben da ein historisches Tonbandarchiv, noch aus den 50er Jahren, wir haben Textarchive, wir haben über 25.000 Vinylplatten und über 15.000 alte Schellackplatten. Wir haben ein Wahnsinnsarchiv! Und es hätte längst fertig digitalisiert sein müssen. Ein eher witziger Kollege meinte, es würde in diesem Rhythmus noch 105 Jahre dauern. Da habe ich auch schmunzeln müssen. Aber wir müssen es fertigbringen. Es sind die alten Stimmen der großartigen Schauspieler und Schauspiele- rinnen. Es ist einfach ein Schatz.
Wir müssen nur noch die Mannschaft vergrößern – und ich dachte dabei an eine Zusammenarbeit mit Universitäten. Es gibt sicherlich Studentinnen und Studenten, die liebend gern hier im Archiv nicht nur forschen würden, sondern auch bei der Digitalisierung mithelfen könnten. Wir könnten das wunderbar und schnell lösen. Ganz allgemein: Leider greift die Digitalisierung noch nicht so weit, dass man Papier komplett abschaffen kann, aber den generellen bürokratischen Aufwand müssen wir in Kürze mindern.
Ich habe mir auch schon das Kammerorchester und auch die Big Band angehört. Das große Radio-Orchester, der Chor und der Kinderchor, das Folklore-Orchester – das alles sind Perlen, die strahlen müssen. Sie müssen nur ein bisschen „geputzt” werden und können wieder glänzen.
Ich war auch auf dem Dach: ein wunderbarer Bukarest-Ausblick von da oben! Aber wir müssen versuchen, von dem Geld, das wir für Investitionen haben, einen Teil in die Renovierung, Restaurierung und Neugestaltung zu investieren. Hier wurde jahrzehntelang wenig gemacht und in den letzten Jahren wurde leider eher der Mangel verwaltet, als Neues sichtbar zu machen. Das ist aber leider für viele Institutionen gültig.
Zwar wurde auch Neues gemacht, nur nicht genug. Es ist wahrscheinlich nie genug, Neues zu bringen. Man muss dann aber auch darüber sprechen – tu Gutes und sprich darüber –, das habe ich auch erst in Köln und in Berlin gelernt. Wir tun hier Gutes, aber wir sind dann eher bescheiden und erwarten, dass andere über uns sprechen. Es ist aber auch wichtig, selbst darüber zu sprechen, ohne dick aufzutragen. Diesbezüglich möchte ich die Öffentlichkeit stärker in unsere Tätigkeit einbinden.
Haben die Tatsachen vor Ort Ihren Erwartungen entsprochen?
Es gibt natürlich verschiedene Bereiche, die versuchen, andere Bereiche ein bisschen runterzumachen, um sich selbst besser darzustellen. Das will ich nicht. Seit Jahren arbeite ich in einem Dreiklang, von dem ich nicht abdanken möchte: Innovation– immer wichtig, immer richtig; Transparenz – alles, was wir haben, legen wir auf den Tisch, sprechen, und wenn wir es ausgesprochen haben, schließen wir das Buch und machen weiter; und Vertrauen: Wir können keine vertrauensvolle Arbeit beginnen, wenn wir anfangen, dem anderen den Teppich unter den Füßen wegzuziehen.
Es gibt im Rumänischen wunderbare Wortschöpfungen und Wendungen, wie „a pune batista pe ]ambal“. Ich möchte aber nicht das Taschentuch auf die Zimbel legen. Nein, wir müssen sehen, wo die Probleme liegen und versuchen, sie zu lösen, gemeinsam. Auch möchte ich nichts unter den Teppich kehren – es liegt alles da und wir müssen eine gemeinsame Lösung finden.
Ich arbeite nicht mit Diktat und Anweisungen, sondern gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Das habe ich schon immer so gemacht. Einige kennen bestimmte Details viel besser als ich. Ich weiß einiges vielleicht besser oder anders als sie. Diese Art von „transfer de expertiz²“ ist das A und O einer jeden gemeinsamen Arbeit.
Wie haben Sie die Mitarbeiter des Hörfunks aufgenommen?
Na ja, einige mit einem halb-höhnischen Lächeln nach dem Motto „Er wird es schon lernen, wie wir hier seit Jahren arbeiten“. Ich kann dann immer nur zurücklächeln. Andere meinen, ich möchte ihnen bestimmte Arbeitsmethoden aufzwingen. Das will ich sicherlich auch nicht, sondern nur normal arbeiten, in einer normalen Beziehung.
Es gibt natürlich auch sehr viele Kollegen, welche diesen meinen Stil befürworten und froh sind. Insbesondere mit diesen Leuten kann man das dann weiterverfolgen. Es gibt wunderbare Menschen hier im Haus. Echte Radio-Profis!
Wir haben begonnen, zahlreiche Gespräche zu führen. Und zwar nicht irgendwo hinter einem Vorhang oder in einem Eck, wo der eine etwas über den anderen sagt. Das will ich nicht und es wird auch nicht passieren. Ich will insbesondere Gespräche in kleineren Arbeitsgruppen. Aber meine Tür ist natürlich für jeden offen, der etwas mit mir besprechen will.
Es gibt viele, deren Initiativen oftmals gedeckelt worden sind. Findet man noch enthusiastische Leute im Haus?
Ja, ja, ja, auf jeden Fall! Man muss aber auch die Altersstruktur betrachten. Hier wurden in den letzten Jahren kaum noch jüngere Leute eingestellt. Weil die Gesetzgebung eben so aussieht.
Aber es gibt derartige Leute im Haus. Man merkt es an ihrem Lächeln, wenn man bestimmte Themen bespricht, die sie schon seit Jahren beschäftigen und die sie eher weggedrängt haben, weil das keinen interessiert hat. Diese Themen kommen jetzt wieder hoch. Und die Vorschläge kommen dann von den Kolleginnen und Kollegen. Viele hatten sich in eine Art innere Emigration zurückgezogen. Jetzt haben wir die Chance, all diese Themen frisch anzusprechen.
Heißt das, dass Sie vielleicht etwas umorganisieren möchten oder müssen?
Nein, derzeit nicht. Jeder Prozess muss erstmals wachsen. Derzeit besuche ich die Studios, aber ich kontrolliere nicht. Ich will mich nur informieren, ich will schauen, wie gearbeitet wird, und danach können wir gemeinsam Verbesserungsvorschläge besprechen. Ich bin sicherlich kein Kontroll-Freak. Ich spreche die Leute an, weil ich deren Ideen anhören möchte, Ideen, die uns vielleicht alle voranbringen könnten. Es ist natürlich für viele eine andere Arbeitswelt.
Könnten Sie unseren Lesern von einigen der angebahnten Projekte erzählen?
Es gibt ein tolles Kulturprojekt, das wir jetzt gemeinsam mit einigen Interessenten angedacht haben, und zwar entlang der Berthelot-Straße hier in Bukarest. In einer Richtung geht man bis zur Calea Victoriei und dort hat man schon das Kulturzentrum von Green Hours. Wenn man dann runter kommt, hat man die evangelische Kirche, man hat die katholische Kathedrale, dann die orthodoxe Kirche Popa Tatu – man hat hier also drei Gotteshäuser unterschiedlicher Konfessionen. Gleich neben dem Radio sind die Ateliers des Tonitza-Kunstgymnasiums (in dem Gebäude war bis 1973 die deutsche Schule untergebracht). Kommt man weiter und ein bisschen nach rechts, stößt man auf „Grivi]a 53“, das neue private Theater von Chris Simion und Tiberiu Mercurian – mit ihnen haben wir schon einige Ideen für gemeinsame Projekte. Und wir können diese Straße und die Nachbarschaft in einen etwas größeren Kulturraum umwandeln, mehr als nur ein Kulturhub, sondern ein Kulturviertel, mit dem Höhepunkt im Radio-Saal. Im Sommer wollen wir dann eine Art Straßenfest organisieren: Kultur pur. Und ich habe wunderbare Rückmeldungen bekommen von möglichen Partnern.
Wo liegt der öffentliche Hörfunk im Milieu aller privaten Radiosender und Online Streamer? Es scheint so, als ob Radio România ein Dinosaurier wäre, der mit Impfungen halbwegs am Leben erhalten wird...
Teilweise ja, aber er atmet und er läuft! Der Schein trügt. Wenn wir uns die letzten Ratings ansehen, ist Radio Rumänien Marktführer landesweit, sowohl im städtischen als auch im ländlichen Bereich. Wir haben vier landesweite Sender: Radio România Actualități, Radio România Cultural, Radio România Muzical und Antena Satelor. Und dann haben wir die Regionalsender, von Konstanza bis Craiova und Temeswar, von Klausenburg bis Neumarkt und Kronstadt, von Reschitza bis nach Jassy. Und den Regionalsender Bukarest FM. Damit können wir punkten.
Radio România Actualit²]i (RRA) ist immer noch die glaubwürdigste Quelle für Information – das ist die qualitative Umfrage. Auch quantitativ stehen wir gar nicht schlecht. Da sind wir auf Platz 2 hinter Kiss FM, aber das ist ein schwerer Vergleich, denn Kiss FM hat ein Musikformat und RRA ein Info-Format. Und ganz aktuell: Die Morgensendung von RRA („Matinal”) hat in Bukarest zum ersten Mal die Mitbewerber verdrängt und belegt Platz 1 in der Hörergunst. Natürlich kann man einige Sendungen ein bisschen moderner präsentieren, andere haben sich selbst inzwischen überlebt. Aber es gibt noch viele hörenswerte Sendungen. Radio România Cultural hat wahrscheinlich qualitativ den größten Sprung gemacht in den letzten Jahren: mit Podcasts, mit alternativer Musik.
Als Gesellschaft des rumänischen Hörfunks haben wir am 15. Januar, am „Tag der rumänischen Kultur“ eine neue Website gestartet: eteatru.ro. Da sind die alten Theaterproduktionen, die Hörspiele des „Teatrul Na]ional Radiofonic“ aus den Archiven aktiv geworden. Hinzu kommen dann die neuen Produktionen. Diese alle sind dann in Anlehnung an die großen Online-Anbieter wie Netflix & Co ähnlich gestaltet – aber es ist unentgeltlich. Mit einem Gratis-Click ist man drinnen in der Welt des Hörspiels. Eine super starke Leistung der Kollegen und Kolleginnen.
An die jüngere Generation haben Sie wahrscheinlich auch gedacht...
Diesbezüglich haben wir überhaupt keine Sekunde Zeit zu verlieren: Wir brauchen Programme für die jungen Hörerinnen und Hörer. Wir haben zwar einen Radiosender, Radio 3 net „Florian Pittiș“, er ist online und macht einen tollen Job, aber wir müssen mehr präsent sein im Leben der jüngeren Generation. Wir können nicht nur warten, um entdeckt zu werden, wir müssen hingehen, wo die Jugendlichen sind.
In Anlehnung an eine Kampagne des Innenministeriums gegen Fake News und gegen die Gefahren dieser Challenges, also dieser gefährlichen Spiele und Wettläufe auf TikTok und anderen Plattformen, habe ich angeregt, eine landesweite Aktion zu gestalten, mit kurzen Spots, mit etwas längeren Spots, mit Erklärstücken von einer Minute: „Was heißt Fake News?“, „Was heißt Debunking?“, „Was heißt Factchecking?“.
Der Start unserer Kampagne „Stai sigur pe net!” - „Sei sicher im Netz!” war der 2. März 2026 (radioromania.ro/stai-sigur-pe-net). Dabei wollen wir jeden Tag neue Begriffe erklären und einmal die Woche eine Debatte organisieren und mit Gästen über diese Themen sprechen. Innerhalb von vier Wochen sollten diese Themen dann auf allen Sendern unserer Hörfunkgesellschaft präsent sein. Ich glaube, das ist sehr wichtig.
Des Weiteren müssen wir der Jugend gegenüber auch glaubwürdig auftreten. Ein Kollege von uns hat ein Musikstück komponiert, allerdings mit künstlicher Intelligenz. Es klingt gut, aber ich habe es testen wollen. Während eines Workshops in einem Bukarester Lyzeum zu einem Kulturprojekt mit der Schauspielerin Adriana Mocca zum Thema Fake News, Debunking, Factchecking habe ich den Kids das Lied als Premiere vorgestellt. Sie hatten überhaupt keine Reaktion darauf. Sie meinten, dass sie gerne eine Botschaft aufnehmen würden, soweit sie glaubwürdig vermittelt werde, was bei diesem Lied nicht der Fall sei. Es fehle die direkte Ansprache. Deswegen sind wir jetzt gerade in der Phase, in der wir Künstler zu überzeugen versuchen, mitzumachen. Wir haben bereits zwei Zusagen, brauchen aber mehr, um zu starten. Es ist eben nicht so, dass sich die Jugendlichen alle hinter der künstlichen Intelligenz und ihren Plattformen verstecken. Sie wollen schon mit „echten” Menschen interagieren, die man „begreifen” kann und die dann diese Message auch glaubwürdiger rüberbringen. Das war für mich ein Aha-Erlebnis. Ich hatte es eigentlich erwartet, aber nicht so klar und ausdrücklich. Etwas Ähnliches hatte ich im letzten Jahr mit dem Projekt „Revista 2000” erlebt, an dem Schülerinnen und Schüler sowie „Ehemalige” aus drei Schulen (dem Bukarester Goethe-Kolleg, dem Honterus-Gymnasium in Kronstadt und dem Hermannstädter Brukenthal-Gymnasium) beteiligt waren (revista2000.ro)
Werden Sie auch etwas an der Gaudeamus-Buchmesse ändern?
Gaudeamus wird auch dieses Jahr ein großes Ereignis. Es wird die „Gaudeamus-Karawane“ geben, die durch mehrere Städte ziehen wird, von Craiova über Kronstadt, Hermannstadt und Großwardein bis Jassy, Buz²u und Konstanza und dann, Anfang Dezember, die große Buchmesse im Bukarester Romexpo Ausstellungszentrum.
Ebenfalls möchte ich die Buchmesse „Gaudeamus Radio România“ wieder international eröffnen. Die europäische Öffnung ist so wichtig, sowohl für uns, als auch für ganz Europa, um zu erfahren, wie die anderen ticken, wie und woran sie arbeiten.
Und dann denke ich natürlich auch an internationale Partnerschaften, mit France Mediamonde beispielsweise und mit der Deutschen Welle sowieso. Und da ich die zuständigen Personen seit Jahren kenne, ist es ein gewaltiger Vorteil: Man weiß, was man bei einer Zusammenarbeit bekommt, man vertraut einander.
2028 ist Jubiläumsjahr für den öffentlichen Hörfunk. Planen Sie bereits irgendwelche Feierlichkeiten?
Ja, bald feiern wir tatsächlich unser jahrhundertealtes Bestehen – wir sind 1928 auf Sendung gegangen. Und ich will versuchen, alles, was wir nach außen bringen – unsere Sendungen, unsere Konzerte, unsere Buchmesse Gaudeamus –, alles so zuzuspitzen, dass wir 2028 ein ganzes Jahr unter diesem sehr breiten Mantel des Jahrhunderts feiern können. Ich will, dass wir uns feiern, dass wir gefeiert werden und wir gemeinsam mit unserem Publikum diese 100 Jahre feiern – und dies auch zum Teil zusammen mit unserem Publikum gestalten.






