Politische Krise schlägt auf Wechselkurs durch, Börse in Mitleidenschaft gezogen

Die bis Anfang der vergangenen Woche mitregierende sozialdemokratische Partei PSD und die ultrarechte Oppositionspartei AUR haben am Dienstag vergangener Woche einen Misstrauensantrag gegen die Restregierung unter dem liberalen Premier Ilie Bolojan im Parlament eingereicht. Damit stürzten sie das Land in eine politische Krise, die im Wochenrückblick dramatische Auswirkungen auf den Aktienmarkt gehabt hat. Nicht nur, dass die Indizes am vergangenen Dienstag im Durchschnitt um 2,4 Prozent zurückfielen, auch die gesamte Wochenperformance der wichtigsten Indizes wurde stark ins Minus gedrückt. Die Indizes verloren im Durchschnitt 3,25 Prozent, mit Spitzen für den Hauptindex BET (minus 3,5 Prozent) und für den ROTX (minus 3,46 Prozent). Der Finanzwerte-Index BET-FI und der Energiewerte-Index BET-NG verloren auf Wochensicht jeweils „nur“ etwas mehr als 2,9 Prozent.

Indizes im April dennoch im Plus

Auf Monatssicht war diese Entwicklung kaum wahrzunehmen, denn in den Vorwochen hatte die rumänische Börse kräftig zugelegt, trotz wiederholter öffentlicher Querelen zwischen den inzwischen auseinandergegangenen Koalitionspartnern. So schloss die rumänische Börse den April am vergangenen Donnerstag mit einem durchschnittlichen Plus von 1,6 Prozent. Der BET legte auf Monatssicht 1,42 Prozent zu, der BETPlus folgte mit 1,39 Prozent; sogar der sonst immer wieder antagonistisch agierende Finanzwerte-Index legte im April 1,53 Prozent zu. Der ROTX stieg um 1,38 Prozent und der Energiewerte-Index BET-NG legte satte 2,26 Prozent zu.

Aktien mit neuen Jahreshochs

Trotz des Einbruchs bei den Indizes und 54 Emittenten mit Kursverlusten (darunter vier mit Verlusten im zweistelligen Prozentbereich), konnten 19 Emittenten in der vergangenen Woche zulegen, mit der Donauwerft Șantierul Naval Orșova S.A. (SNO, 10 Lei, ISIN ROSAUVACNOR4) und dem Kunststofferzeuger Romcarbon SA (ROCE, 0,1815 Lei, ISIN ROROCEACNOR1) sogar zweistellig: plus 12,99 Prozent beziehungsweise plus 15,24 Prozent. Es gab sogar vier Emittenten, die in dieser schwierigen Woche neue 52-Wochen-Höchststände erreichten, darunter die bereits erwähnte Donauwerft. Darüber hinaus erreichten noch der Börsenbetreiber Bursa De Valori București SA (BVB, 52,8 Lei, ISIN ROBVBAACNOR0), der Hotelbetreiber Turism, Hoteluri, Restaurante Marea Neagră S.A. (EFO, 0,635 Lei, ISIN ROEFRIACNOR6) und der Energieerzeuger Premier Energy Plc (PE, 46,9 Lei, ISIN CY0200900914) neue Höchststände. Alle genannten Emittenten schlossen die Woche mit Kursgewinnen, mit Ausnahme vom Börsenbetreiber aber gut unter den neuen Höchstständen.

Umsätze und Kapitalisierung rückläufig

Der Aktienumsatz fiel im Vergleich zur Vorwoche um mehr als 15 Prozent auf unter 300 Millionen Lei. Für etwas mehr als 25 Prozent des Wochenumsatzes war die Banca Transilvania S.A. (TLV, 36,28 Lei, ISIN ROTLVAACNOR1) zuständig, deren Aktien brachten es auf 75,8 Millionen Lei. An zweiter Stelle stand der Treibstoffkonzern OMV Petrom S.A. (SNP, 1,005 Lei, ISIN ROSNPPACNOR9) mit 43,3 Millionen Lei Wochenumsatz (fast 15 Prozent). Ihnen folgte der Stromerzeuger S.P.E.E.H. Hidroelectrica S.A. (H2O, 158,8 Lei, ISIN RO4Q0Z5RO1B6) mit 26,7 Millionen Lei Wochenumsatz (9 Prozent vom gesamten Aktienumsatz der Woche). Auch kumuliert war ein Rückgang des Aktienumsatzes im Vergleich zum März festzustellen, von 2,5 auf 1,65 Milliarden Lei.

Die Marktkapitalisierung ging im Vergleich zur Vorwoche im Durchschnitt um 0,9 Prozent und damit zum dritten Mal in Folge zurück. Auch auf Monatssicht war ein Rückgang zu verzeichnen, im Durchschnitt sogar um fast 10 Prozent. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung lag im April bei 522 Milliarden Lei, was etwa 11,5 Milliarden Euro entspricht.

Devisen

Besonders dramatisch war die Lage am Devisenmarkt. Euro und US-Dollar schossen am Freitag in die Höhe, zwei Tage nachdem der Misstrauensantrag gegen den amtierenden Premierminister im Parlament eingereicht wurde. Gegenüber beiden Leitwährungen verlor der Leu an nur einem Tag jeweils mehr als 0,8 Prozent. Vor allem im Tauschverhältnis zum Euro ist dies ein starkes Signal der Märkte für die Schwere der aktuellen politischen Krise. Der Euro ging am gestrigen Montag bei einem Kurs von 5,1417 Lei in den Mai, der US-Dollar kostete 4,3965 Lei. Auf Wochensicht verlor der Leu somit 0,96 Prozent zum Euro und 0,88 Prozent zum US-Dollar. Auf Monatssicht zeigte sich aufgrund der Werte für den letzten Handelstag im April ein weniger düsteres Bild: Der Euro hat im Vergleich zum ersten Handelstag im April sogar 0,09 Prozent verloren, der US-Dollar 1,01 Prozent. Diese Gewinne des Leu wurden am vergangenen Donnerstagmittag, als die amtlichen Kurse für den Folgetag festgelegt wurden, zunichte gemacht. 


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