Die aktuelle Konjunkturumfrage der AHK Rumänien zeichnet ein zunehmend angespanntes Stimmungsbild: Zwar bewertet noch rund ein Drittel der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, gleichzeitig wächst der Anteil der Pessimisten deutlich. Auch die Erwartungen für 2026 bleiben verhalten. Im globalen Kontext dominieren Kosten- und Lieferketteneffekte sowie geopolitische Unsicherheiten.
Aktuelle Geschäftslage ist „befriedigend“ – aber Pessimismus steigt deutlich
Die Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage verschiebt sich spürbar ins Negative. 32 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage 2026 als „gut“ (2025: 28%), 46% als „befriedigend“ und 22% als „schlecht“. Der Anteil „schlecht“ hat sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt – von 10% (2025) auf 22% (2026) – das zeigt eine klare Verschlechterung in der Wahrnehmung der Unternehmen.
Aussichten 2026: Weniger Optimismus, anhaltende Negativerwartungen
Der Blick nach vorne ist von Verunsicherung geprägt. Bei der erwarteten Entwicklung der eigenen Geschäftslage gegenüber dem Vorjahr rechnen 32% mit einer Verbesserung (2025: 37%), 43% mit einer gleichbleibenden Lage (2025: 38%) und 25% mit einer Verschlechterung (2025: 26%). Der Optimismus nimmt damit weiter ab, während der Anteil negativer Erwartungen auf hohem Niveau verharrt.
Auch die Erwartungen an die rumänische Gesamtwirtschaft spiegeln Unsicherheit wider: Für 2026 erwarten 48% eine schlechtere Entwicklung (2025: 57%), 32% eine gleichbleibende (2025: 43%) und 20% eine bessere (2025: 0%). Die wirtschaftliche Erholung, wird durch die aktuellen politischen Ereignisse überschattet.
Investitionen und Beschäftigung: Stagnation als Grundtendenz
Die Investitionspläne deuten auf Zurückhaltung hin. Für 2026 melden 45% unveränderte Investitionsausgaben, 28% steigende und 28% sinkende. Der Schwerpunkt liegt damit auf Abwarten statt Expansion. „Rumänien verzeichnet derzeit ein historisch niedriges Investitionsniveau. Umso dringlicher ist ein klares Signal, dass die Glaubwürdigkeit der Staatsfinanzen gewahrt bleibt. Andernfalls droht der Verlust des Investment-Grade-Ratings – mit potenziell weitreichenden Folgen: schwacher Wechselkurs, steigende Zinsen, höhere Kosten, zunehmende Inflation und eine weitere Verschärfung der Haushaltslage“, so Volker Raffel, Präsident der AHK Rumänien.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Beschäftigung: 57% erwarten 2026 eine unveränderte Beschäftigtenzahl, nur 22% planen Personalaufbau und 22% rechnen mit Rückgang. Nach dem deutlichen Einbruch bei „steigend“ im Vorjahr (2025: 24%) bleibt auch hier die Dynamik gering – die Unternehmen sind verunsichert und warten lieber ab.
Risikofaktoren: Energiepreise, Nachfrage, Politik, Inflation und Finanzierung im Vordergrund
Unternehmen sehen in den kommenden zwölf Monaten vor allem hohe Energiepreise (59% der Befragten), eine schwache Nachfrage (53%) und steigende Arbeitskosten (50%) als größte Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Die Risikolage bleibt also angespannt und spricht für ein sehr gedämpftes konjunkturelles Umfeld.
Für die kommenden fünf Jahre nennen Unternehmen vor allem makroökonomische und politische Risiken. An der Spitze stehen politische Stabilität (59%) sowie Inflation, Geldpolitik und Währungskurse (54%). Dahinter folgen strukturelle Faktoren wie Demografie/Fachkräftemangel (40%), öffentliche Haushaltsstabilität (38%) und Rohstoff- und Energieversorgungssicherheit (37%). Auch Transformations- und Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle, etwa digitale Transformation/KI (35%) und Cybersicherheit (28%).
„Die Unternehmen stehen derzeit unter erheblichem Druck – insbeson-dere infolge steigender Kosten, erschwerter Finanzierungsbedingungen und der anhaltenden politischen Unsicherheit. Zugleich bleibt Rumänien ein Markt mit beträchtlichem Geschäftspotenzial. Umso wichtiger ist jetzt eine handlungsfähige Regierung, die Reformen konsequent fortsetzt und für Stabilität, Kontinuität und damit für mehr Vorhersehbarkeit sorgt. Verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Unternehmen wieder investieren und langfristig planen können“, erklärt Sebastian Metz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Rumänien.
Globaler Kontext: Kosten, Lieferketten und Fragmentierung prägen die Lage
Die weltwirtschaftliche Entwicklung hinterlässt Spuren in den Unternehmen. 63% berichten als wichtigste Auswirkung steigende Kosten (z. B. Zölle, Logistik, Compliance). Zudem nennen 39% Verzögerungen in Lieferketten und 38% höhere regulatorische Anforderungen. Für 17% erschwert sich der Marktzugang, während 16% bislang keine spürbaren Auswirkungen sehen.
Auch die Einschätzung globaler Systemrisiken ist eindeutig: 29% nennen Protektionismus und Fragmentierung der Weltwirtschaft explizit als Risiko für die nächsten fünf Jahre – ein klares Signal, dass geopolitische und handelspolitische Brüche inzwischen fest in den Planungsannahmen angekommen sind.
Reaktionen auf geopolitische Herausforderungen: Diversifizierung statt Rückverlagerung
Viele Unternehmen reagieren strategisch, ohne radikale Strukturbrüche. Besonders häufig werden Lieferantennetzwerke ausgebaut – 38% sind bereits in Umsetzung, 34% planen dies. Zugleich gewinnt Marktausweitung an Gewicht: 53% planen die Erschließung neuer Absatzmärkte (bereits umgesetzt: 27%). Investitionen in Rumänien werden ebenfalls als Option gesehen: 23% setzen dies bereits um, 43% planen es. Deutlich weniger attraktiv sind Rückverlagerungen: Eine Rückverlagerung an den Heimatstandort ist für 94% weder umgesetzt noch geplant.
Die AHK-Konjunkturumfrage ist seit mehr als 15 Jahren das wichtigste Stimmungsbarometer der deutsch-rumänischen Wirtschaft. Die diesjährige Umfrage basiert auf Rückmeldungen von 111 teilnehmenden Unternehmen und liefert damit ein belastbares Lagebild zur Wirtschaft und klare Impulse für die unternehmerische Praxis.
Nach Branchen gegliedert, verteilte sich die Teilnahme wie folgt: 43% Dienstleistungen, 33% Industrie, 11% Handel, 11% Bauwesen, 2% Energie- und Wasserversorgung. Die Umfrage wurde von der AHK Rumänien im Zeitraum 1. bis 31. März 2026 durchgeführt.
Über die AHK Rumänien (Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer)
Die im September 2002 gegründete AHK Rumänien ist die offizielle Vertretung der deutschen Wirtschaft in Rumänien und ist mit rund 700 Mitgliedsunternehmen die größte bilaterale Wirtschaftsorganisation im Land. Mit ihrem Leistungsangebot und ihren Veranstaltungen unterstützt sie deutsche Firmen bei ihrem Markteintritt in Rumänien und ist zugleich ein vertrauensvoller Partner für rumänische Unternehmen mit Interesse am deutschen Markt. Seit dem 1. Januar 2020 ist die AHK Rumänien ebenfalls offiziell im Rahmen der deutschen Außenwirtschaftsförderung für die Republik Moldau zuständig.
Jahresthema 2026: Together for a stronger Europe. Trust creates tomorrow
Die deutsch-rumänische Business Community ist der Ansicht, dass Vertrauen die Kraft ist, die Unternehmen und Partnerschaften wachsen lässt und zur wirtschaftlichen Stärkung Europas beiträgt. Als Brückenbauer zwischen Ländern, Märkten und Kulturen steht die AHK Rumänien für Zuverlässigkeit, Kontinuität und Vertrauen. Sie ist gleichzeitig Plattform und Partner für Unternehmen, die neue Wege suchen und expandieren wollen. Durch den ständigen Dialog mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft schafft die AHK Rumänien Stabilität, fördert Innovationen und bietet Unternehmen die Möglichkeit, über Grenzen hinweg erfolgreich zu sein.




