Wer glaubt schon, dass der Angriff der USA und Israels auf den Iran eine Reaktion auf eine vorherige gezielte Provokation seitens der Iraner war. Gut, im Nachhinein, dass die Welt einen religiösen Fanatiker, Ayatollah Ali Khamenei, und (glaubt man den Aggressoren Israel und USA aufs Wort) einige Dutzend kriegswütige hohe Militärs aus einem unberechenbaren Land los hat. Gut, dass die kriegsnährenden technischen Anlagen des Iran (Ukrainer im TV sprechen über Drohnenangriffe und -opfer bloß als von „Shahed“ ... !) empfindlich getroffen bzw. stark gelähmt werden konnten. Selbst wenn zwei andere, gleichermaßen unberechenbare Länder, das angerichtet haben und wenn sie die millionenteuren Raketen- und Drohnen-Systeme, die der ukrainischen Zivilbevölkerung zum Schutz so nötig gewesen wären, jetzt gegen die iranischen Rest-Raketenbestände großzügig einsetzen. Endziel: Gaza-ähnliche Zustände? Ausschaltung von Erdöl- und Erdgasanbietern?
Bei aller Übermacht und gemäß Ist-Lage vom vergangenen Wochenende: das Regime in Teheran ist nicht gestürzt. Die Theokratie hatte sich wohl auch auf diesen Ernstfall vorbereitet und flexibel umgestellt. Der Krieg der USA und Israels geht weiter. Er weitet sich aus. Beide Nationen, Angreifer, sprechen von „Präventivschlägen“, wobei das nur Bibi Netanyahu – und dem nur halb – abgekauft werden kann. Der kindische selbstherrliche Greis im Weißen Haus lechzt nach einem weiteren „großartigen Triumph“ und schickt seine Soldaten in einen Krieg, den man gegen diesen Iran unter den heutigen Umständen nicht gewinnen kann. Aber unterjochen – wozu Bodentruppen nötig wären – will und kann er ihn auch nicht (oder hört er sogar ab und zu auf vernünftige Berater... ?).
So gesehen kommt die Tatsache, dass auch die technisch und militärisch weit überlegenen Israelis und Amerikaner es binnen zwei Wochen nicht geschafft haben, Trumps Traum von der Beseitigung der Ayatollahs aus der Führung des Iran umzusetzen, einem winzigen Sieg der Iraner gleich. Je länger die Führung dieses Iran durchhält gegen die Übermacht, vielleicht auch – beabsichtigt oder nicht – im Falle der Ausweitung dieses Kriegs, umso verworrener wird die Weltlage. Eine Welt-Ordnung gibt es seit Januar 2025 nicht mehr. Nicht nur vom energetischen Standpunkt. Die Schnapsidee der US-Strategen, die Kurden aus dem Nordwesten des Irak (US-Stützpunkt Erbil) aufzurüsten (heftige US-Dementis!) und gegen das Ayatollah-Regime loszuhetzen, mit CIA-Schattenführung, brachte den NATO-Alliierten Türkei auf den Plan! Was, wenn die Kurden in der Türkei, kaum zwangsbefriedet, Idee und Chance aufgreifen und gemeinsame Sache mit den irakischen Kurden machen? Dann wäre doch auch ein autonomer kurdischer Staat in der Grenzregion – vielleicht gar der langersehnte Kurdenstaat – bald im Gespräch. Zum Beispiel, wenn die CIA-Taktik des Aufhetzens der Kurden zu einem Regime-Umsturz im Iran erfolgsgekrönt wäre... Das kostet...
Realistisch betrachtet ist der Wunschtraum eines von außen initiierten Umsturzes im Iran naiv. Das zeigt jedwelche bisherige Erfahrung mit dem islamisch geprägten Raum, egal wie weit man zurückdenkt. Das Regime des Iran hatte lang- wie kurzfristig ausreichend Zeit, sich mit der dem Islam charakteristischen Tiefsinnig- und Humorlosigkeit auf die Großmauligkeit eines Trump einzustellen – das haben schon die Dauerdemos und deren blutige Niederschlagung gezeigt. Dieselben zeigten auch, dass religiös-fanatische Prägungen überwunden werden können (Dauerdemos gegen die Ayatollahs), schwieriger aber eine durch Terror und Tod eingeprügelte Angst. Ein Sturz des Regimes von innen, wie von Trump erhofft, bleibt unwahrscheinlich. Unrealistisch sowieso.
Ziel-Vorbild könnte Venezuela sein. Zur grenzenlosen Begeisterung des selbsterhöhten Friedensengels Trump: Noch ein Krieg für Frieden wäre gewonnen ...





