„Wir brauchen einen amerikanischen Kreuzzug. Wir, die Christen, zusammen mit unseren jüdischen Freunden und der bemerkenswerten Armee Israels, müssen das Schwert des non-apologetischen Amerikanismus hochrecken und uns verteidigen. Wir müssen den Islamismus auf kultureller Ebene, politisch und geografisch, aber auch, in bösartigen Fällen wie dem Islamischen Staat, IS, auch auf militärischer Ebene bekämpfen.“ Der das 2020 schreibt, und unter dem Eindruck der Trump-I-Regierung und der MAGA-Bewegung mit dem Titel „American Crusade. Our fight to stay free“ bei Hachette in New York als Buch veröffentlicht, ist der heutige US-Kriegsminister und Kreuzfahrer-Propagandist Pete Hegseth.
Das US-Kreuzfahrer- und Christenrettungs-Syndrom ist nicht Hegseths Erfindung. Die stammt von George W. Bush (2003) aus der Zeit der Irak-Invasion. Der sprach vom „Kreuzzug“ gegen „die Bösen“ („evil doers“), nannte bereits die Amerikaner „Gottes erwähltes Volk“ („God´s chosen people“). „Kreuzzug“ wurde umgehend vom bewaffnetem Islam übernommen – schließlich handelt es sich um Zeiten, Mentalitäten und Handlungsauslösern, die uns in vielem um 1000 Jahre zurückversetzen.
Neu war für Hegseth die „Meditation“ zu den Kreuzzügen der Christen von 2020 nicht. Jahre zuvor schrieb er: „Amerika muss an Seiten von Israel stehen, denn beide lieben wir Gott und wir lieben die Freiheit. Israel ist eine Ikone der Freiheit. Mehr noch: es ist die lebendige Verkörperung der Freiheit. Israel steht in der ersten Linie der abendländischen Zivilisation. Es ist das Zeugnis dafür, wie Leben, Freiheit und die Suche nach Glück eine Konfliktzone umwandeln und einen Lebensstandard bieten, den man sonstwo im Nahen Osten vergeblich sucht. (...) Für uns, die amerikanischen Kreuzfahrer, verkörpert Israel die Seele der amerikanischen Kreuzfahrt, den Grund, das `Warum` für all unser `Was`. Glaube, Familie, Freiheit, freies Unternehmertum – wenn du all das liebst, dann lerne, den Staat Israel zu lieben, und finde eine Arena, in der du für ihn kämpfen kannst.“ (In the Arena, Simon&Schuster, 2017).
Der Kriegsveteran (Irak, Guantánamo) Hegseth und die USA haben seit einem Monat ihre „Arena“ gefunden, wo sie, zusammen mit Israel und in gegenseitiger Deckung, sich austoben können. Zum Leid und Schaden einer ganzen Welt, die unter Endlos-Teuerungen, Inflation und beginnender Wirtschaftskrise leidet und die bedroht ist, in die Chaos-Kriegs-Kaprize des stur-ziellosen US-Präsidenten und in die Kriegslust mit Kalkül des Bibi Netanyahu hineingezogen zu werden. Gäbe es im „Iran-Krieg“ (d.h.: im Luft-Krieg Israels und der USA gegen den Iran und dessen ungebrochener Rückschlagtaktik, genannt Verteidigung) klare, realistische, klug geplante, realisierbare Ziele – außer brutaler Zerstörung, Mord an Zivilisten, Schulkindern, Bruch der Welt-Rechtsordnung, Leerung von Rüstungsmaterialdepots zwecks Ankurbelung der Rüstungsindustrie, Selbstverherrlichungsgehabe, Machtdemonstration, Ablenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit von internen und persönlichen Problemen u.v.a.m. – gäbe es da klar definierte Ziele, gäbe es eine Perspektive für Frieden.
Doch wer garantiert, dass im Iran, gesetzt, die brutalen Revolutionsgarden werden von den Regierungshebeln verdrängt, dass nach ihnen nicht die Sorte von Nachfolgern gleich dem Beispiel Venezuela kommt, genauso schlecht wie Maduro, doch Trump-genehm... ?
Es fällt auf, dass Hegseth seit Start des Angriffs der USA/Israels auf den Iran, von „Kreuzzug“ nicht mehr sprach. Aber die Sprache der MAGA-Kriegstreiber rund um Trump und Hegseth strotzt nur so von aufgeblasener biblischer Endzeitrhetorik, mit welcher der Krieg gegen den Iran zum Heiligen Krieg – also doch Kreuzzug – stilisiert wird. z.B.: „Trump ist von Jesus gesalbt worden, um im Iran das Signalfeuer zu entzünden und das Armageddon herbeizuführen.“





