Reise in die Vergangenheit

Dr. Hermann Fabini – ein Leben für die Kirchenburgen / Von Stephan Drube

Büro von Hermann Fabini

Zwischenstopp in Kleinschenk Fotos: Stephan Drube

Mit dem Lada Niva durch Siebenbürgen – hier bei Almen

Die Kirchenburg von Deutschweißkirch

Kirchenburg von Bogeschdorf

Rohrbach: Kirche und Dorfbild


Für die, die Dr. Hermann Fabini nicht kennen, rechterhand eine Kurzfassung.  Wie hatte ich ihn kennengelernt? Dazu muß ich weiter ausholen:

Im Oktober 1979, auf meiner Reise zum DAAD-Stipendium in Rumänien, machte ich auf Empfehlung einer exilierten Schäßburgerin, einer inzwischen „Bamberger Bekannten”, bei Prof. Hermann Baier in Schäßburg/Sighi{oara Halt. Er war der „Vorzeigedeutsche“ in der rumänischen Nationalversammlung. Dessen Tochter Lupi, die Englisch- und Deutsch für Lehramt studierte und später in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Direktorin der Schäßburger „Bergschule“ werden sollte, führte mich zu einem Freund im Ort, ihrem Lehrer Helmut Fabini.

Dieser war Kunsterzieher an der Bergschule und wir verstanden uns von Anfang an – bin ich doch  im gleichen Metier tätig gewesen.

Helmut Fabini empfahl mir seinen Bruder, den Architekten Hermann Fabini in Hermannstadt. Dieser wohnte mit seiner fünfköpfigen Familie in der Th. Neculu]a-Straße in einem alten, soliden Haus von vor der Jahrhundertwende. Dort erlebte ich zum ersten Mal ein Familienorchester in traditionsbewußter Umgebung. Sein Atelier lag im Stadtzentrum, im jetzigen Geschichtsmuseum (Alexander Odobescu-Straße) und war, wie das seines künstlerischen Bruders, vollgestopft – dieses allerdings mit Aufrissen und Maketten von Gebäuden und Plätzen. Seine Frau Alida arbeitete in der Brukenthal-Bibliothek und schaute als erste meine entstehenden rumänischen Tagebücher durch, gab mir den weisen Rat, den Füller statt des Bleistifts zu benutzen.

Anfang Juni 1980 bot mir Hermann an, in meinem Lada-Niva gemeinsam einige Kirchenburgen zu besuchen, die sein Arbeitsgebiet bildeten.

Von Hermannstadt aus Richtung Osten, bis kurz hinter Braller/Bruiu (SO von Großschenk/Cincu), wo eine Brücke durch Hochwasser unbefahrbar war und mir zudem der Keilriemen riss. 

Hermann riet kurzentschlossen zur Umkehr und erbat im Martinsdorfer  Pfarrhaus einen Nylon-strumpf mit Löchern, den er mir in fünf Minuten als Keilriemen-Ersatz montierte. Alles lief bestens – auch mit Nylonstrumpf – die ganze Reise über.

Zurück nach Freck/Avrig und weiter über Kleinschenk/Cincșor, Rohrbach/Rodbav, Scharosch/Șoarș, Stein/Dacia, über stark verschlammte Wege  nach Deutsch-Weißkirch/Viscri. Diese Kirchenburg machte mich sprachlos. Allein das Bauwerk – diese beherrschende Lage, die Einsamkeit!  Anschließend weiter unerfreuliche Straßenbedingungen.
Über Bodendorf/Bunești und Radeln/Roadeș ging es zurück nach Schäßburg, wo wir bei der Familie seines Kunsterzieher-Bruders Helmut nächtigten.

Schaas/[ae{, Trappold/Apold besuchten wir am darauffolgenden Morgen. Schließlich liefen wir in Henndorf/Br˛deni ein, wo wir auf dem Kirchenboden auf eine vollständige Sammlung von knapp vierzig sächsischer Hochzeitstruhen antrafen – welch Überraschung! Dem Harbachtal wurde gefolgt und nach Hundertbücheln  abgebogen, wo der Pfarrer uns die besten Foto-Standpunkte verriet und uns zum Mittagessen einladen wollte. Nur hatte Hermann dafür keine Zeit. Er hatte einen Zeitplan im Kopf, stellte Fragen präzis, klärte Dinge sehr zügig, machte hie und da ein Foto und schon ging die Fahrt weiter. 

In Almen/Alma Vii wurde uns im Pfarrhaus – ohne vorherige Befragung – ein Mittagessen einfach vor die Nase gesetzt, welch Genuss! 

Da der Weg nach Birthälm unpassierbar war, ging es über Meschen/Mo{na (großartig!) nach Mediasch und dort zur Pfarrkirche, Hermanns großem Restaurierungs-Auftrag. Fuhren wir noch nach Birthälm? Keine Erinnerung mehr, kein Foto davon. Über Wurmloch/Valea Viilor  und Bogeschdorf/B˛gaciu  ging es an Marktschelken/[eica Mare vorbei, dann bis spätabends Richtung Hermannstadt zurück geeilt.

1997 fuhren wir eine nördlichere Tour mit seinem Citroen Xantia über Tekendorf/Teaca bis nach Mönchsdorf/Herina hoch und nächtigten im Bistritzer Pfarramt. Auf der Rückfahrt ging es nach Sächsisch-Regen/Reghin und zu Pfarrer Rehner. Im Auto philosophierten wir, wie man heute einen Döschwo-Citroen 2CV-Nachbau gestalten konnte und welche Elemente verbessert werden müssten. Hermann hatte die Ente schon in den 70ern geliebt, selbst gefahren und auf den löchrigen Landstraßen machte das Sinn!

In Hermannstadt hatte ich 1980 übrigens einen perfekten Lloyd 600-Kombi im Hippodrom ll-Quartier ablichten können - aber meine Sammlung rumänischer Kfz-Raritäten wäre ein anderer Bericht.

Hermanns Frau Alida war ein wichtiger Bestandteil bei der Entstehung seiner Veröffentlichungen, vor allem seines Lebenswerks: „Atlas der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen und Dorfkirchen, Band 1 und 2“. Sie las Korrektur und schaffte gute Stimmung im Team und – ohne ihren Einsatz wäre diese Kärrnerarbeit nicht zu schaffen gewesen.
Wenn wir auf Hermanns Charakter zu sprechen kommen, ist zuerst die verbindliche, offene, zupackende Art zu erwähnen, die ihm die Verhandlung mit den unterschiedlichen Pfarrer-Persönlichkeiten leicht machte. Weiter kann eine direkte, sehr bestimmende Art nicht geleugnet werden - war er doch der Älteste von drei Brüdern. M.E. hatte das die Folge, dass nach 1990 alle drei Kinder in den Westen tröpfelten und leider keines im väterlichen Büro in der Strada Tipografilor 12 mitarbeiten oder es übernehmen wollte - sehr zum Leidwesen ihrer Mutter.

Für den rumänischen Senat kandidierte Hermann für die Liberalen (PNL) im Jahre 2000 bis 2004, beobachtete jedoch entsetzt das Verhalten der Delegierten sowie deren Präsidenten, Iliescu, der ohne Hemmungen immer eine Stunde nach dem eigentlichen Sitzungsbeginn erschien. Welche Arbeitsauffassung! Eine weiterführende Tätigkeit in diesem Kreis interessierte ihn nicht, er hatte genug zuhause zu tun.

Hermann zeichnet ein äußerst enges Verhältnis zu den Kirchenburgen aus, außerdem baute er das Siebenbürgische Altersheim in seiner Stadt. In seinem Büro beschäftigte er über fünfzehn Jahre das freundliche Ehepaar Imegyi – sie für die Büroarbeit, ihn in der Dunkelkammer.

Bei der Familie Baier blieben übrigens alle drei Töchter in Rumänien und bei den Fabinis waren es zwei der drei Brüder, die ihren Lebensmittelpunkt in Rumänien verwirklichten. Allein Bruder Helmut war durch die langen politischen Winkelspiele und Pressionen seitens der kommunistischen Regierung erschöpft, hatte 1988 schlichtweg keine Kraft mehr und wanderte mit seiner Familie aus.

Ein abschließender Satz von Dr. Hermann Fabini aus dem Interview mit Cynthia Pinter von der „Hermannstädter Zeitung“ am 29.3.2019: „Grundsätzlich sollte wohl klar sein, dass die Denkmalpflege nicht die Spielwiese für Hobbyhistoriker oder Romantiker, welcher Art auch immer, sein darf, dass es internationale Richtlinien, wie z.B. die Charta von Venedig, zu diesem Thema gibt. Wenn nicht mehr klar der Unterschied zwischen historischem Original und Kopie zu erkennen ist, bewegt man sich auf einem Gebiet, vergleichbar den ‚Fake News‘ in den Medien.”

Warum gerade jetzt diese Erinnerungen? Weil es meines Erachtens ohne Dr.Fabini deutlich weniger Kirchenburgen gäbe. Und das möchte ich gerne Rumänien und seinen Freunden vermitteln. Außerdem hat das Ehepaar Fabini ein „omagiu“ (Ehrenbezeigung) unbedingt verdient.

Stephan Drube hat Rumänien seit 1980 mehrmals besucht und 1997 zusammen mit Matthias Knüttel die Ausstellung „Str˛inul apropiat“ über Menschen, Leben und Arbeit in Rumänien im Bukarester Bauernmuseum präsentiert. Von dort wanderte sie zum Dorfmuseum Bukarest, dann nach Vaslui, Jassy/Ia{i, Suceava, Gura Humorului, Neustadt/Baia Mare, Hermannstadt (zweimal), Karlsburg/Alba Iulia, Cimpeni, Kronstadt/Bra{ov und Klausenburg/Cluj-Napoca weitergeleitet und wurde außerdem in Deutschland mehrmals an verschiedenen Orten gezeigt.



Dr. Hermann Fabini (geb. 1938 in Kronstadt/Brașov) studierte Architektur in Bukarest und promovierte 1978 zum Thema „gotischer Wohnbau“. Er arbeitete als Architekt in Mediasch, dann für die Evangelische Kirche A.B. (EKR) in Rumänien, danach für die rumänische Denkmalschutzbehörde in Bukarest und bei einem städtischen Betrieb in Hermannstadt/Sibiu. Zwischen 1989 und 1990 war er Kulturreferent bei der EKR. Seit 1990 führt Fabini sein eigenes Architekturbüro in Hermannstadt. 

Bereits seit 1965 war Fabini maßgeblich an der Restaurierung und Sanierung historischer Bauten in Siebenbürgen beteiligt. So wirkte er an der Restaurierung der Hermannstädter Altstadt Ende der 1980er Jahre und bei der Instandhaltung zahlreicher Kirchenburgen mit. Hervorzuheben ist die Sanierung der Kirchenburg Birthälm/Biertan, die seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Für die Restaurierung wurde Fabini mit dem Europa-Nostra-Preis ausgezeichnet. Zu den von ihm wieder instand gesetzten Gebäuden gehören ferner u.a. das Brukenthal-Palais und die Stadtpfarrkirche Hermannstadt, die Margarethenkirche in Mediasch sowie die Schwarze Kirche in Kronstadt. Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Rates der europäischen Denkmalpflegeorganisation Europa Nostra.“ (Quelle: Wikipedia)