Temeswar hofft auf Milliarden aus EU-Rüstungsfonds

Automotive- und IT-Branche vor Einstieg in Dual-Use-Produktion

Temeswar (ADZ) – Die stark entwickelte Software- und Automobilindustrie in Temeswar könnte in den kommenden Monaten erheblich von neuen EU-Fördermitteln für den Militärbereich profitieren. Das kündigte Wirtschaftsminister Irinel Darău (USR) bei einem Besuch in der Stadt an. Die Europäische Union werde in den nächsten Monaten die Rahmenbedingungen für umfangreiche Investitionen und Programme in der Verteidigungs- und Dual-Use-Industrie festlegen, sagte Darău nach Gesprächen mit Vertretern der lokalen Wirtschaft im Rathaus. Es gehe um eine zügige Umsetzung innerhalb weniger Monate, nicht Jahre. Bereits im Mai sollen Finanzierungsabkommen mit der EU unterzeichnet werden.

Geplant seien strategische Neuausrichtungen sowie der Ausbau sogenannter Dual-Use-Produktionen, also Güter und Dienstleistungen, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Im Rahmen des nationalen SAFE-Programms werde Rumänien Produkte und Dienstleistungen im Umfang von 16 Milliarden Euro beschaffen. Ein möglichst großer Teil der Produktion solle dabei im Inland erfolgen. Dafür sei eine vereinfachte Lizenzierung für Unternehmen notwendig, die als lokale Zulieferer in die Verteidigungsindustrie einsteigen wollen, betonte der Minister. Entsprechende Kriterien würden derzeit definiert, um sicherzustellen, dass rumänische Firmen – darunter auch Unternehmen aus Temeswar – Zugang zu den Aufträgen erhalten. Nach Einschätzung Darăus ist insbesondere die Temeswarer Automobilbranche gut aufgestellt. Unternehmen, die bislang Komponenten für zivile Fahrzeuge herstellen, könnten mit geringen Anpassungen Bauteile für Militärfahrzeuge oder intelligente Technologien produzieren. Ziel sei es, nicht nur Wartung und Montage anzubieten, sondern eine vollständige, integrierte Produktion mit rumänischer Lizenz aufzubauen. Bürgermeister Dominic Fritz erklärte, die Stadtverwaltung wolle möglichst viele der neuen Investitionen und Fördermittel nach Temeswar holen. Es gebe bereits Unternehmen vor Ort, die im Dual-Use-Bereich tätig seien. Zudem stehe man in Kontakt mit potenziellen neuen Investoren aus der Branche. Er zeigte sich optimistisch, dass Temeswar von der Entwicklung profitieren werde.

Auf dem Programm des Ministers stand auch ein Besuch an der Temeswarer Technischen Universität. Rektor Florin Drăgan hob die historische Rolle der Hochschule bei der Ausbildung von Ingenieuren und ihre aktuelle Bedeutung für das unternehmerische Ökosystem hervor. Die Universität engagiere sich in Forschung, Wissenstransfer und EU-geförderten Projekten. Erwähnt wurde unter anderem die Unterzeichnung des bislang größten von der Hochschule eingeworbenen IPCEI-Projekts. In einer gemeinsamen Gesprächsrunde mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft wurden zudem Themen wie Wettbewerbsfähigkeit rumänischer Unternehmen im europäischen Kontext, schnellere Genehmigungsverfahren, Energiekosten, steuerliche Planbarkeit, Digitalisierung sowie der Zugang zu EU-Mitteln erörtert.

Darău betonte die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Privatwirtschaft. Gut ausgebildete Fachkräfte seien entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit Rumäniens im europäischen und globalen Wettbewerb. Die Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen in Temeswar bezeichnete er als überdurchschnittlich und als Modell mit Vorbildcharakter.