Hermannstadt - „In die Sonne schauen“ ist Berlinerin Mascha Schilinskis zweiter Spielfilm, womit sie vergangenes Jahr bei der 78. Auflage des Internationalen Festival de Cannes den Jury-Preis gewonnen hat. Selbstverständlich behandelt er das Blendende am schutzlos besser zu meidenden Blick in gleißendes Sonnenlicht im übertragenen Sinn, wo der zweieinhalb Stunden lange und für ein Alter ab 16 Jahren freigegebene Streifen mehr als nur Ackerflächen, Gewässer und einen Hof der seit jeher protestantischen Altmark im Osten Deutschlands schildert. Spiel- und Drehort ist in der Tat das Ambiente eines vor langer Zeit wohlhabenden Bauernguts, auf dem sich Synopsis und Intrigen von etwa 1910 bis in die Gegenwart von Mascha Schilinski als erwachsener Filmemacherin erstrecken. Vier Epochen bringen die 1984 in West-Berlin geborene Regisseurin und ihre Drehbuch-Coautorin Louise Peter in die Kinos, wovon die drei ersten Handlungsteile eine Familiensaga mit schwierigen Erblasten erzählen. Amputation ohne Krankheitsgrund mit dem Zweck, nicht zum Ersten Weltkrieg eingezogen werden zu können, ein spurloses Verschwinden von Frauen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im späteren örtlichen Grenzfluss zwischen West- und Ostdeutschland, und das jugendliche Aufbegehren gegen Limitierungen in der DDR insbe-sondere im Sexuellen stecken die historische Zeitleiste ab, der das Drama nachgeht, ehe auf gleichem altmärkischen Hof vor sehr renovierungsbedürftiger Kulisse eine neue Familie ahnungslos wie frontal vom Sperrigen und Tragischen des 20. Jahrhunderts vor Ort eingeholt wird. „Wie lange man wohl glücklich spielen kann, ohne dass es jemand merkt?“, fragt eine Schauspielerin auf dem Filmset, das auch viele andere Bemerkungen ähnlichen Inhalts artikulieren lässt: „Schon komisch, dass einem was wehtun kann, was gar nicht mehr da ist“ zum Beispiel, oder „Mutti weiß Sachen, an die sie sich eigentlich gar nicht erinnern dürfte, weil sie selbst nicht dabei war, als sie passiert sind“. Mittwochabend, am 18. März, kommt „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski als ein Programmpunkt des Este-Film-Vereins um 20 Uhr in einen der neun CineGold-Säle oben am Ende des höchsten Stocks des Promenada-Einkaufszentrums in Hermannstadt/Sibiu. Auf Rumänisch wird der Streifen mittels der Überschrift „Singure sub soare“ beworben und auch über die volle Länge untertitelt. Wer die rumänische Übersetzung nicht benötigt, dürfte sich allerdings darüber freuen, dass alles Plattdeutsche des Filmgeschehens simultan durch hochdeutsche Wörter mitgelesen werden kann. Eintrittskarten sind an der CineGold-Kasse zu lösen oder online auf cinegold.ro zu buchen.





