Vom Schandfleck zurück zum Prachtbau?

Die NGO „ARCEN“ möchte das verfallende „Cinema Marconi“ restaurieren und bittet um Unterstützung aus der Bevölkerung

Die Arbeiten haben begonnen. Das Gebäude ist aktuell teilweise eingehüllt in Baugerüste. Nachdem Schutt entfernt wurde, wird gerade der Rest des Gebäudes stabilisiert, so die NGO auf ihrer Internetseite.

Vom Nahen sieht man den schlechten Zustand des Gemäuers. | Fotos: Valentin Brendler

„Bei diesem Projekt geht es nicht nur um die Restaurierung eines Kinos. Es geht darum, den Glauben wiederzubeleben, dass das historische Bukarest noch gerettet werden kann – zumindest teilweise, wenn auch nicht vollständig“, so berichtet die Nichtregierungsorganisation (NGO) „ARCEN“ auf ihrer Website. Diese Organisation setzt sich für die Aufwertung und Restaurierung der rumänischen Hauptstadt ein. Eines ihrer neuesten Projekte ist die Restaurierung des  immer weiter zerfallenden „Cinema Marconi“ in der Calea Griviței. Dafür haben sie große Pläne, bitten aber auch um Unterstützung aus der Bevölkerung.

Das neue Projekt der NGO hat vor ein paar Tagen begonnen. Das Ziel ist klar: Das Kino soll in neuem, alten Glanz erstrahlen. Es soll modern sein, aber dem historischen Bau entsprechen.

Dafür hat die NGO ein französisches Team beauftragt. Dieses hat im vergangenen Jahrzehnt an einigen der wichtigsten Kulturerbestätten Europas mitgewirkt: der Restaurierung der Kathedrale Notre-Dame de Paris, den Gemälden des Schlosses Versailles und des Panthéon, so berichtet auch Radio România Cultural. 

Nun kommt dieses Team nach Bukarest, in die Calea Griviței, nur ein paar Schritte vom Nordbahnhof entfernt. Denn dort steht eines der frühesten Art-déco-Gebäude der Stadt, das „Cinema Marconi“. Dieses „steht“ aktuell jedoch kaum noch. Es ist momentan eine Ruine, die größtenteils nur noch aus der Fassade besteht, von Obdachlosen bewohnt wird und bei einem größeren Erdbeben sicherlich endgültig kollabieren würde. 

Die Geschichte des Verfalls

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Ein kurzer Überblick über die Geschichte des Gebäudes: Entworfen wurde es im Jahr 1926 von Constantin Gănănău, im Jahr 1930 stand das architektonisch beeindruckende Kino und bekam den Namen „Marconi“. Dies geschah zu Ehren des italienischen Erfinders, der die drahtlose Telegrafie erfunden haben soll. 1948 wurde es natürlich von den Kommunisten verstaatlicht, blieb aber ein Kino (auch wenn der Name zweimal geändert wurde, unter anderem in Kino „Dacia“). Das Problem: notwendige Renovierungen wurden nicht durchgeführt. 

Nach der Wende, im Jahr 2000, wurde der Betrieb des Kinos, das unter rumänischer Staatsverwaltung war, eingestellt. 2006 ging es wieder in privaten Besitz über. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude schon im schlechten Zustand, jedoch blieben Renovierungsarbeiten aus, sodass das Gebäude heute aussieht, wie es aussieht. 2025 kauft ein anderer privater Eigentümer das Haus und kooperiert nun mit „ARCEN“ für die Restauration, so die NGO auf ihrer Internetseite.

Fertig im Jahr 2030?

Die Arbeiten sollen voraussichtlich 2030/31 fertig sein. Also genau pünktlich zum 100-jährigem Bestehen des Lichtspielhauses. Für das fertige Gebäude hat „ARCEN“ große Pläne. Es soll drei Säle haben: Einen restaurierten historischen Saal und zwei komplett neu errichtete Säle, einer davon soll speziell für Studenten und unabhängige Filmemacher sein und einer ein Zentrum für bildende Kunst für junge Menschen. Im Haus sollen Kurse, Ausstellungen, Debatten, ein Restaurant, eine Bar, ein Club und ein Café mit Buchhandlung Platz finden. 

Private Spenden sollen notwendig sein

„Dies wird der ultimative Beweis dafür sein, dass ARCEN das Unmögliche koordinieren kann“, behauptet Edmond Niculușcă, der Präsident der NGO, selbstbewusst auf der Website. Aktuell sucht die Organisation fleißig nach Geldern. „Wir werden es aber nicht mit staatlichen Mitteln oder der Unterstützung einzelner privater Großspender schaffen“, so  Niculușcă weiter. Laut ihm braucht das Projekt die „Gemeinschaft vor Ort“. 

Deswegen bittet die NGO auch um private Spenden. Sollte man am historischen Gebäude interessiert sein und das nötige Kleingeld übrig haben, gibt es alle Informationen zu Spenden auf der Seite: „cinemamarconi.ro/en/doneaza“.