Cișmigiu, Herăstrău und Kiseleff sind drei der bekanntesten Stadtparks von Bukarest. Versteckt in den Vierteln gibt es noch zahlreiche mehr. Sehr kleine, wie zum Beispiel der „Parcul Lisabona“ in Dorobanți, etwas größere, wie der „Parcul Cinema Floreasca“ oder gar riesige, wie der „Parcul Tineretului“. Was für ein Glück, dass Bukarest (und viele weitere rumänische Großstädte) so viele Parks haben! Denn diese können für die Umwelt und vor allem für die Menschen in der Stadt enorm wichtig sein.
Doch seit wann gibt es überhaupt Stadtparks? Also Parks in Städten, für alle Menschen, die sie gerne betreten möchten. Hervorgegangen sind sie wohl aus den Palastgärten, wie die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht erklärt. Zwar haben Menschen schon vor tausenden von Jahren Parks angelegt, aber eben vor allem für reiche Machthaber, die ihre Parks auch nicht mit der Öffentlichkeit geteilt haben.
Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhundert änderte sich das. Viele bereits bestehende Parks öffneten sich der Öffentlichkeit und neue Stadtparks wurden geplant und angelegt. So auch der älteste Park in Bukarest: Cișmigiu. Dieser wurde 1854 eingeweiht.
Zur Zeit der industriellen Revolution
Genau in diesen Jahren gab es in Europa auch die industrielle Revolution. Diese hat dazu geführt, dass es in den Städten mehr Industrie, mehr Smog und vor allem viel mehr Menschen gab, welche die Stadt auch nur selten verlassen konnten. Dadurch war die Natur für die Menschen viel weiter entfernt als es die Jahrhunderte vorher der Fall war. Dadurch entstand auch der Bedarf nach lokalen Naturparks – Natur zu sehen und zu erleben war schon immer ein menschliches Bedürfnis.
Mittlerweile sind Parks ein natürlicher Teil einer jeden Großstadt und manchmal sogar ihre Aushängeschilder: Wie der Englische Garten in München, oder natürlich der sehr bekannte Central Park in New York.
Eine enorme Bedeutung für die Stadt
Was einen solchen, modernen Park ausmacht, fasst der Landschaftsarchitekt Matthias Krebs im Gespräch mit der Welt zusammen: „Ein moderner Park ist ein frei benutzbarer Raum, in dem möglichst wenig vorgegeben ist. Deshalb ist die Wiese, die große Rasenfläche immer noch einer der wichtigsten Teile eines Parks. Es ist das demokratische Grün, das jeder betreten darf. Früher war das Betreten verboten, der Rasen war Zierfläche. Heute ist ein Park ein Gebrauchsraum, ein Ort des Miteinanders. Dass Parks einen enormen Wert für die soziale Interaktion haben, haben wir durch die Pandemie gemerkt. Wir sehen, was Parks leisten können und müssen – und dass sie hohe Wertschätzung erfahren“, so der Experte.
Dies zeigt sich auch hier in Rumänien, in Bukarest. Wenn momentan im Winter an einem Tag die Sonne scheint, strömen die Menschen in die großen Parks, auch wenn es immer noch kalt ist. Paare streifen durch den Cișmigiu Park, vorbei an den älteren Männern, die stets energisch Schach spielen, Kinder rennen über die Wiesen im Herăstrău und Arbeiter machen ihre Pause im Kiseleff- Park.
Im Sommer wird es noch mehr: der Cișmigiu ist teilweise überfüllt und wirkt wie ein Freibad – auf den Wiesen gibt es kaum mehr Platz und die lokalen Cafés sind rappelvoll. Ganz offenbar lieben die Bukarester ihre Parks – zurecht, denn viele sind schön angelegt, wie englische Gärten, bieten aber auch große und alte Bäume, sowie Wiesen mit wilderer Natur – ein hervorragender Mix.
Die positiven Effekte von Parks
Und dieser Mix, diese Parks, leisten einen wichtigen Beitrag für die Stadt. Die Süddeutsche Zeitung fasst die positiven Effekte von Parks wie folgt zusammen: In diesem kommen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oder sozialen Schichten zusammen, sie sind gut für die Gesundheit und das Wohlbefinden, weil es viel Natur und Tiere gibt, und die Natur hilft auch dabei, die Temperatur in Großstädten zu regulieren, was gerade in Bukarest mit seinen großen Wohnblocks hilfreich ist.
Darüber hinaus kann jeder in Parks gehen, ohne etwas dafür zahlen zu müssen. Es gibt zwar viele Restaurants mit durchaus schönen Biergärten und Sitzmöglichkeiten – um sich dort aufhalten zu können, muss jedoch mindestens langsam an einem Getränk getrunken werden, das wiederum Geld kostet. In Parks gibt es Bänke, Tische, wo jeder sich kostenfrei unendlich lange aufhalten darf.
Es ist der perfekte Ort, gratis und selbstbestimmt dem Großstadtrummel zu entfliehen und Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, aber auch alleine sind Parks wundervoll. Man kann ein Buch lesen, Musik hören oder einfach auf die Bäume und auf das Wasser starren.
Die Einsamkeit in einem Park
Der italienische Autor Luigi Pirandello äußert in seinem Werk „Einer, keiner, hunderttausend“ auch indirekt einen interessanten Gedanken dazu. Der Hauptcharakter im Werk hat den dringenden Wunsch, alleine zu sein. „Ich wollte allein sein, aber in einer unüblichen Art“, so der Text (von der englischen Version auf Deutsch übersetzt). Er möchte nämlich allein sein, ohne sich selbst, aber mit anwesenden Außenstehenden. Denn wirklich allein sein kann man nicht, wenn man alleine in einem Raum ist (der dann von einem selbst und seinen Gedanken ausgefüllt ist), sondern nur mit anwesenden Außenstehenden, die einen ignorieren. „Wahre Abgeschiedenheit gibt es nur an einem Ort, der für sich selbst lebt, und bei dem man keine Spur hinterlässt oder Stimme hat.“
In einer stressigen Welt, wo viele von Termin zu Termin hetzen, kann etwas Einsamkeit womöglich für jeden befreiend sein. Die Einsamkeit alleine in einem Park ist auch meinen Erfahrungen nach deutlich befreiender als die Einsamkeit alleine in der Wohnung – ganz so wie Pirandello beschreibt.
Natur in versmogten Städten besonders wichtig
Parks wirken gerade in ver-smogten Großstädten, wie Bukarest eine ist, befreiend. Bertold Brecht soll laut der SZ auch gesagt haben: „Die Schwärmerei für die Natur kommt von der Unbewohnbarkeit der Städte“. Denn in manchen Straßen von Bukarest gibt es zwar tausende Autos, die im Stau stehen, umgeben von gigantischen Blocks, aber kaum Bäume. Dabei könnten diese, gerade auch an solchen Orten, helfen.
„Auch Stadtbäume kühlen ihre Umgebung selbst bei großer Hitze sehr effektiv“, so die NZZ in einem Bericht. Dies zeige eine Studie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Eigentlich erwarteten die Forschenden, dass Bäume bei Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad Celsius ihre Blattporen schließen und die Verdunstung einstellen, um Wasser zu sparen. „Doch ihre Messungen an Platanen im Genfer Vorort Lancy zeigten, dass die großen, alten Bäume selbst bei Temperaturen von nahezu 40 Grad Celsius reichlich Wasser verdunsten und ihre Umgebung so effizient kühlen“, so die NZZ.







