„Wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren“

Friedrich Gunesch mit Walburga-Preis geehrt

(v.l.) Dechant Dietrich Galter, Jarmila Janoška (Presbyterin der ev. Gemeinde in Osijek) Samir Vrabec (Pfarrer der ev. Gemeinde in Osijek), Bischof Reinhart Guib, Hauptanwalt Friedrich Gunesch, Konsulin Wiebke Oeser, Daniela Boltres (Vertreterin der ev. Gemeinde Samariter-Auferstehung/Berlin Friedrichshain) Foto: Beatrice Ungar

Der Heiligen Walburga, der Schutzpatronin der Seefahrer, Kranken, Wöchnerinnen und Bauern und Schutzheiligen gegen den Sturm, aber auch gegen Krankheiten, Seuchen, Tollwut, Hungersnot und Missernte war in Siebenbürgen eine einzige Kirche geweiht: die evangelische Kirche in Heltau/Cisn˛die. Ein Bildnis aus dem 13. Jahrhundert, welches die Heilige, die im 8. Jahrhundert in Mittelfranken gelebt hat, darstellt, ist auch heute noch im Chorraum der Kirche zu finden. Obwohl in dem evangelischen Glauben in Siebenbürgen Kirchweihfeste eher unüblich sind, wird seit 2006 in Heltau das Walburga-Fest gefeiert. In diesen Rahmen gehört gewöhnlich auch der Walburga-Preis, der in diesem Jahr im feierlichen Rahmen am 8. März 2026  an Friedrich Gunesch, Hauptanwalt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR), verliehen wurde. 

Auf die Herausforderungen der letzten Jahre in der Kirchengemeinde Heltau im Zusammenhang der durchgeführten umfangreichen Restaurierungsarbeiten ging Bischof Reinhart Guib in seiner Festpredigt ein: „ Wenn wir heute dankbar zurückblicken auf das, was in Heltau geschehen ist – auf die Renovierung der Kirchenburg, auf bewahrte Mauern, auf herausgetretene Freskos, auf gerettetes Erbe, auf das schöne Zuhause für die Gemeinde – dann sehen wir genau das: Treue kostet etwas. Es kostet Zeit. Es kostet Geld. Es kostet Kraft. Es kostet Durchhaltevermögen. Es kostet Herzblut. Und doch: Wie wichtig ist dieser Dienst an der Vergangenheit, an der Geschichte! Christlicher Glaube lebt nie geschichtslos. Wir stehen immer auf den Schultern derer, die vor uns geglaubt, gebaut, gebetet und getragen haben. Die Kirchenburg in Heltau ist dafür ein sichtbares Zeichen: Glaube hat Geschichte. Und Geschichte braucht Menschen, die sie bewahren.“ Dabei betonte er aber auch, dass christliche Nachfolge nicht beim Bewahren stehen bleibt. „Ja, wir dürfen dankbar zurückblicken auf das, was geworden ist. Die renovierte Kirchenburg erzählt von Treue über Generationen hinweg. Sie ist ein Geschenk. Aber sie ist nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit. Sie ist auch ein Ort der aktuellen Glaubensausübung. Und sie ist ein Ort der Zukunft. Ein Ort, an dem auch kommende Generationen: glauben, beten, singen, Heimat finden werden. Wenn wir nur zurückblicken würden, hätten wir den Sinn verfehlt.“ 

Mit dem 2006 ins Leben gerufene Walburga-Preis werden Menschen ausgezeichnet die Verantwortung übernehmen, der Kirche und der Gemeinschaft dienen und das evangelische Leben in Heltau und Siebenbürgen stärken. Mit der Verleihung des Preises, die in der Sitzung des Heltauer Presbyteriums am 12. Januar 2026 beschlossen wurde, wurde in diesem Jahr die Verbundenheit von Hauptanwalt Friedrich Gunesch zu der Heltauer-Kirchengemeinde gewürdigt und zugleich wurde ihm für seinen Einsatz für die Landeskirche gedankt. 
„Lieber Friedrich, du verstehst Kirche als Dienstgemeinschaft, die lebt und wächst, wenn Menschen ihre Gaben verbinden und Verantwortung teilen. Du lebst diese Haltung in deinem Amt und in deinem Umgang mit Gemeinden. Dein Führungsstil ist kooperativ und von Servant Leadership geprägt und verstehst dein Amt als helfend und dienend. Als Mensch zeichnest du dich durch Bescheidenheit, Integrität und Kollegialität aus. Trotz deiner leitenden Position trittst du nicht als lauter Vordergrundakteur auf, sondern arbeitest oft im Hintergrund effektiv für die Sache,“ würdigte der Heltauer Stadtpfarrer Zoran Kezdi die langjährige Tätigkeit von Friedrich Gunesch. Aber auch das überdurchschnittliches Engagement des Hauptanwalts, als es um die gründliche Renovierung der Kirche in den Jahren 2019 bis 2023 ging, kam in der Laudatio zur Sprache. 

In seiner Dankesrede, die in seiner typisch spritzig-witzigen Weise gehalten wurde, erklärte Friedrich Gunesch: „Ich danke für die Laudatio, ich habe viel Neues erfahren, über meinen Dienst, auch über mich. Wenn Sie das so gesehen haben und heute am Sonntag Okuli noch immer so sehen, bin ich etwas beruhigter, obwohl meine Freude und mein Dank einhergeht mit dem Staunen und der Überraschung über so viel Zuwendung und Vertrauen, Freundlichkeit und Freundschaft.“ Seine Danksagung, sowie sein ganzes Wirken, stellte Gunesch unter das Bibelwort: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“ (Lukas 17,10). Sein Wirken für die EKR sieht er von Anfang an in gewisser Weise mit Heltau in Verbindung: „Vielleicht war es auch kein Zufall, dass mein erster Weg im Landeskonsistorium vor fast 40 Jahren in das Büro des damaligen zweiten Anwalts Wolfgang Mathias, aus Heltau natürlich, geführt hat, dessen Stelle ich dann angetreten habe. Und heute, nach fast 40 Jahren, stehe ich in einer wunderschön renovierten Kirchenburg, in einer offenen Kirchenburg, vor einer Gemeinde, mit einem offenen und großen Herzen.“

Diese Verbundenheit zwischen Heltau und Friedrich Gunesch, die über die Jahre konkret und direkt zu spüren war, veranlasste Pfarrer Kezdi im Abschluss seiner Laudatio zu sagen: „In dir, lieber Friedrich Gunesch hat die EKR einen Anwalt im besten Wortsinne: einen Anwalt des Rechts, der Gerechtigkeit und der Gemeinschaft. Dein Engagement und deine Persönlichkeit machen dich zu einer herausragenden Persönlichkeit, der Anerkennung und Dank gebühren. Darum danken wir dir, lieber Herr Gunesch, im Namen der Kirchengemeinde Heltau. Wir danken für deinen Dienst an der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, für deinen Einsatz für die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft und für deine verlässliche Begleitung unserer Gemeinde in den Jahren der Renovierung und darüber hinaus.“