Wort zum Sonntag: Auch Jesus ist getauft

Lesen Sie bitte in der Bibel Matthäus 3,13-17. Hatte Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch, es nötig, die Wassertaufe über sich ergehen zu lassen? So können wir mit Johannes fragen, aber dann müssten wir auch fragen: Hatte Gott es nötig, als Mensch zur Welt zu kommen? Hatte er es nötig, sich seiner Herrlichkeit zu entäußern und Knechtsgestalt anzunehmen? 

So ist es möglich, systematisch den ganzen Heilsplan Gottes zu hinterfragen und mit Nein zu antworten, falls wir uns nicht als Sünder und als rettungsbedürftig betrachten. Damit wären wir zwar in einer aufgeklärten Gesprächskultur bestens verankert, doch lägen wir bei Gott daneben, denn er verheißt uns Rettung, und in seinen Werken steht Ja dazu.
„Lass es jetzt geschehen!“ So wischt Jesus die Einwände des Täufers weg, denn es geht hier um Größeres: alle Gerechtigkeit soll vom Gott in Menschengestalt erfüllt werden. Er macht es uns vor, damit wir ihm in allem folgen. Die Notwendigkeit eines Werkes auf dem Weg des Glaubens erschließt sich nur im Vollzug, so wie bei einem Bau die Hilfskonstruktionen. 

Wenn das Gebäude fertig dasteht, werden die Gerüste nicht mehr gebraucht und verschwinden. Es wäre aber töricht, als Bewohner eines fertigen Hauses einem, der gerade baut, von Gerüsten abzuraten. So ist es auch mit dem Weg zu Gott: Am Ende bleiben zwar nur Glaube, Hoffnung, Liebe; aber die Strecke muss gepflastert werden mit guten Werken; die Taufe gehört dazu. 

„Die Taufe des Johannes – war sie vom Himmel oder von Menschen?“ So fragt Jesus die Hohepriester und Schriftgelehrten (Lukas 20,1-8). Diese können oder wollen keine Antwort geben. Wir haben es leichter, denn uns sagen es die Evangelisten Lukas (3,2-3): „Da geschah das Wort Gottes zu Johannes ... und er kam und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“, und Johannes (1,33): „Gott, der mich sandte, zu taufen mit Wasser...“ Die Taufe ist also Gottes Auftrag, den Jesus übernimmt und weitergibt an seine Jünger bis zum Ende der Zeit. Sie gehört zu jenen Ordnungen der göttlichen Gerechtigkeit, die auch der Erlöser ohne Frage und Begründung erfüllt hat.

Darum müssen wir die Taufe hochschätzen, denn sie ist göttlichen Ursprungs und für jeden Menschen der Beginn eines neuen Lebens in und mit Jesus Christus. So wie wir in vielem für unsere Kinder Vorarbeit leisten, so sollen wir sie auch zur Taufe bringen. Es sollte nicht  jeder sich alles selbst erarbeiten müssen, in manchem ist es gut, auf ein Erbstück zurückgreifen zu können. Martin Luther hat in Anfechtungen laut geschrien oder groß vor sich hingeschrieben: „baptizatus sum!“ – Ich bin getauft! Das hat ihn gestärkt und aus der Versuchung gerissen. Als Säugling war er getauft worden; und lebenslang schöpfte er daraus Kraft. So auch wir: Einer hat sie befohlen, andere haben sie durchgeführt und uns kommt sie zugute – die Taufe.

Wir unterscheiden die Wassertaufe, die Geisttaufe, die Feuertaufe und die Bluttaufe. Die Wassertaufe ist mild, wie Wasser ist: sie ruft zur freiwilligen Reue und Buße, zu Demut und Vergebung. Die Geisttaufe fordert Entscheidung, sie ist ein Geben und Nehmen: „Du bist mein lieber Sohn!“ „Du aber folge mir nach!“ Wer sie empfängt, wird Kind und Erbe Gottes. Wer sich ihr entzieht, bleibt nicht ohne Verlust. Die Feuertaufe ist Sendung in den Kampf: (Ps. 69) „Um deinetwillen trage ich Schmach, ich bin fremd geworden meinen Brüdern, denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.“ Die Bluttaufe ist dem Heiland selbst nicht leicht gefallen; er mutet sie ungern den Seinen zu, als Zeichen ihrer Vollendung.