Vom Ostersonntag an feiern wir 50 Tage lang bis Pfingsten die heilige Zeit der Auferstehung des Herrn. Obwohl wir Jahr für Jahr mit derselben Hoffnung das Osterfest feiern, scheint sich doch immer wieder etwas Neues aus dem Glanz des Osterlichts zu lösen, als würde uns ein Strahl in neuem Licht geschenkt. Weil Ostern das Fest der Auferstehung und des Lebens ist, ist es das Tor zur Ewigkeit, zu der uns die Worte Christi immer wieder rufen: Siehe, ich bin auferstanden und bin von nun an für immer bei dir!
Die Osterzeit unterscheidet sich von den anderen Jahreszeiten, denn sie verbindet uns mit vielen Traditionen, mit lieben Menschen, denen wir an den Osterfeiertagen begegnen oder denen wir ein paar Gedanken in einem Brief oder einer Osterkarte senden. Es ist eine heilige Zeit, eine Zeit der Versöhnung und des Vertrauens, eine heilige Zeit, da sie Gott gehört. Gott hat uns die Zeit geschenkt, damit wir sie nach dem Willen unserer Freiheit nutzen, doch erst dann heiligen wir diese Zeit, wenn wir sie Ihm zurückgeben können. Die Zeit, die wir Gott zurückgeben, trägt Ihm unsere Gedanken, unsere Hoffnungen und unsere Freuden zu – manchmal sogar unsere Ängste oder Schwächen. Wir können sie Gott anvertrauen, dem Einzigen, der unseren Ruf nach Leben erfüllen kann. Damit diese Zeit also zu einem Gebet zu Gott wird, ist es sehr wichtig, uns bewusst zu machen, dass Er bei uns ist. Dort, wo wir sind, wo immer wir auch sein mögen, wohin wir auch gehen oder womit wir uns auch beschäftigen. Und vergessen wir nicht, Gott viel Dankbarkeit entgegenzubringen, für alles, was er uns geschenkt hat, dafür, dass er auferstanden ist und für immer bei uns bleibt.
Und so wird die Osterzeit zu einer Zeit der Versöhnung. Versöhnung ist das, was wieder verbindet, was wieder zusammenführt, was zerbrochen war. Eine Heilung, die kommt, um das zu stärken und wieder aufzubauen, was scheinbar verloren gegangen ist. Die Versöhnung kommt, um Wege und Pfade zu bauen, die uns Menschen zusammenbringen und uns zur Einheit mit dem lieben Gott führen. Ein Zeitungsartikel erinnerte an das Leben und Wirken des damaligen Bürgermeisters von Temeswar, Karl Telbisz. Unter anderem wurde über sein Vorhaben berichtet, die Mauern der alten Festung abzureißen, um die neue Stadt zu errichten. Gleichzeitig hieß es, dass aus den Ziegelresten der Mauern die Fundamente für neue Straßen gelegt und die alten Gräben der Festung begradigt wurden. Man könnte sagen, dass Versöhnung in etwa genauso funktioniert. Aus abgerissenen Mauern lassen sich Wege bauen und Straßen begradigen. Doch die Versöhnung muss stets in drei Richtungen gehen. Die erste führt zu Gott, der das reuige Herz des Menschen sieht und seinen Wunsch, für immer dem Herrn zu gehören. Hier sehen wir das schönste Bild immer im Antlitz des Vaters, der auf die Rückkehr seines verlorenen Sohnes nach Hause wartet. Gott wartet immer auf uns, um uns im Vaterhaus aufzunehmen, um uns erneut das Gewand seiner Gnade und Vergebung zu geben. Die zweite Richtung führt uns zum Nächsten. Wir dürfen niemals vergessen, jemanden um Vergebung zu bitten, wenn wir Unrecht getan haben, oder ihm aufrichtig und wohlwollend die Hand zu reichen. Jedes Zeichen der Versöhnung kann Wunder bewirken. Und drittens muss die Versöhnung auch uns selbst betreffen. Kehren wir noch einmal zum verlorenen Sohn zurück, so sehen wir, dass er sich erst auf den Heimweg machte, nachdem er seinen eigenen Zustand betrachtet hatte. Vielleicht ein Gefühl der Hilflosigkeit oder menschlicher Schwäche, doch es führte ihn ins Leben, zurück nach Hause.
Schließlich ist die Osterzeit eine Zeit des Vertrauens. Wir könnten diesen Weg der Auferstehung nicht gehen, wenn wir nicht voller Vertrauen den Weg zu Gott beschreiten würden. Niemand weiß, was vor ihm liegt. Aber auch wir sehen, wie viele geliebte Gesichter uns auf dem Weg des Glaubens begleiten: Jesus, Maria, die Heiligen und Helden des Glaubens, Menschen, Freunde, die in Not oder Mangel sind. Darum lassen wir das Licht der Osterkerze nicht erlöschen, sondern verwandeln wir es selbst in Licht für unsere Schritte, hin zur ganzen Ewigkeit.





